Zwischen Neckar und Alb

Glockenklang erfüllt die Gassen

Musik Sechs Carillonneure haben sich zum Glockenspiel-Festival „Turm und Klang“ im September angesagt, darunter internationale Größen des Glockenspiels. Von Alexander Maier

Eckart Hirschmann, Alexa Heyder, Dominique Caina und OB Jürgen Zieger (von links) freuen sich mit der künstlerischen Leiterin Ek
Eckart Hirschmann, Alexa Heyder, Dominique Caina und OB Jürgen Zieger (von links) freuen sich mit der künstlerischen Leiterin Ekaterina Porizko (vorn) auf das Festival. Foto: Roberto Bulgrin

Wer durch die Esslinger Altstadt geht und zur rechten Zeit am Alten Rathaus vorbeikommt, darf sich auf ein besonderes musikalisches Erlebnis freuen: Fünfmal am Tag erklingt dort ein historisches Glockenspiel, wie man es heutzutage nur noch selten erleben kann. Mehr als 500 eigens arrangierte Kompositionen, die Eckart Hirschmann und sein Vorgänger Paul Schwob besorgt haben, lassen sich über Lochbänder oder einen Glockenspielcomputer einspielen. Doch am reizvollsten ist das Klangerlebnis immer dann, wenn Eckart Hirschmann, der von der Stadt zum „Sachwalter“ des Glockenspiels berufen wurde, selbst am Spieltisch Platz nimmt und eigene Werke präsentiert.

Live gespielt wird selten

Hirschmann zählt zu den herausragenden Carillonneuren, wie man die konzertanten Glockenspieler nennt. Und er ist nicht alleine, wenn die Stadt Esslingen am 12. und 13. September zum dritten internationalen Glockenspiel-Festival einlädt. Die künstlerische Leiterin des Festivals, Ekaterina Porizko, hat zusammen mit dem städtischen Kulturamt erneut einige der besten Carillonneure nach Esslingen eingeladen. Gemeinsam wollen sie die ganze Vielfalt dieses außergewöhnlichen Instruments präsentieren, das hierzulande nur noch selten live gespielt wird.

„Carillonneure können auf ihrem Instrument die gleichen künstlerischen und musikalischen Leistungen vollbringen wie die Musiker eines Sinfonieorchesters“, versichert die Deutsche Glockenspielvereinigung. Dass diese Einschätzung nicht übertrieben ist, wollen Ekaterina Porizko, Eckart Hirschmann und ihre belgischen Kolleginnen und Kollegen Jo Haazen, Sergej Gratchev und Elena Sadina am zweiten Septemberwochenende beweisen, wenn das dritte Esslinger Glockenspiel-Festival unter dem Titel „Turm und Klang“ steigt.

Sechster im Bunde ist dann der Esslinger Musiker Leonhard Hell, der als designierter Nachfolger von Eckart Hirschmann in der Rolle des Sachwalters fürs Glockenspiel auf dem Alten Rathaus sein Festival-Debüt geben wird. Jeder dieser sechs Carillonneure wird Kompositionen in ganz speziellen Arrangements zum Besten geben. „Wir wollen klassische Klänge so präsentieren, dass sie für ein breites Publikum zugänglich werden“, verspricht Ekaterina Porizko.

Und sie will das Publikum zum Festival-Finale mit einem besonderen Schmankerl überraschen: Diesmal soll das Glockenspiel mit einer szenischen Lesung des Schauspielers Gerhard Polacek kombiniert werden, der Texte von Oscar Wilde und Italo Calvino präsentieren will. „Das ist etwas Ungewöhnliches, das es in Deutschland noch nie gab“, sagt Porizko, die ihrem Publikum „Gänsehautgefühle“ verspricht. Auf die Herausforderung freut sie sich schon jetzt: „Es ist nicht leicht, beides miteinander zu koordinieren, weil Carillonneur und Schauspieler nicht im selben Raum sein können. Da lassen wir uns etwas einfallen.“ Wie’s funktioniert, wird nicht verraten.

Für Oberbürgermeister Jürgen Zieger ist das Glockenspiel-Festival eine Perle im kulturellen Leben: „In anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, dem Baltikum und Russland gehören Open-Air-Glockenspiel-Festivals in sommerlicher Atmosphäre schon lange zum Selbstverständnis vieler Städte. Wir haben die Chance, mit unserem Festival dieses Selbstverständnis auch in Deutschland zu etablieren. Das Glockenspiel ist eine außergewöhnliche Facette, die wir noch etwas nachhaltiger polieren wollen.“ Zum Gelingen tragen Sponsoren wie Wohnbau Metzger und Büroma Apart, Turmuhrenbau Eisenhart, die Stiftung der Kreissparkasse, die Volksbank Esslingen und die Kulturinsel Stuttgart bei.

Die Kulturamtschefin Alexa Heyder ist überzeugt, dass das beim Publikum gut ankommt: „Die Menschen entdecken, wie anders und abwechslungsreich die vertrauten Glocken klingen, wenn sie von verschiedenen hochkarätigen Carillonneurinnen und Carillonneuren live gespielt werden.“ Damit sich jeder diesen Genuss leisten kann, ist der Eintritt zu den sieben Konzerten frei. Das Publikum verfolgt die Konzerte mit Corona-Abstand unter freiem Himmel - und kann entweder auf einem der bereitgestellten Liegestühle Platz nehmen oder sich einen anderen Ort aussuchen, an dem sich der Glockenklang besonders reizvoll verbreitet.

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