Zwischen Neckar und Alb

„Grabungen waren ein Glücksfall“

Archäologie An Burrenhof und Heidengraben endet die diesjährige archäologische Kampagne – Verantwortliche ziehen dort, wo bald das Erlebnisfeld Heidengraben entstehen soll, eine sehr positive Bilanz. Von Andreas Warausch

Dr. Gerd Stegmaier, der technische Ausgrabungsleiter Jonas Armingeon und Dr. Jörg Bofinger vom Landes­amt für Denkmalpflege (von
Dr. Gerd Stegmaier, der technische Ausgrabungsleiter Jonas Armingeon und Dr. Jörg Bofinger vom Landes­amt für Denkmalpflege (von links) zeigen eine restaurierte Urne.Foto: Andreas Warausch

Droben auf der Alb bahnt sich ein wissenschaftliches Highlight an. Denn Geschichte interessiert. Vor allem, wenn sie sich vor der eigenen Haustüre zugetragen hat. Wenn sie schillernd ist. Und wenn sie vor allem anschaulich dargeboten wird. All das soll das Erlebnisfeld Heidengraben schaffen. Mit dem Erlebniszentrum als Herzstück. Und das soll direkt neben dem Burrenhof entstehen. 2019 oder 2020 könnte das touristisch-historische Kleinod fertig sein, schätzt Dr. Gerd Stegmaier, der für die Universität Tübingen und die drei Gemeinden Erkenbrechtsweiler, Hülben und Grabenstetten das Erlebnisfeld-Konzept erarbeitet.

Er beackert das Gelände am Heidengraben schon lange archäologisch. Denn hier stand einstmals das größte bekannte keltische Oppidum, 100 vor Christi Geburt angelegt. Die befestige Fläche auf der leicht zu verteidigenden Berghalbinsel war größer als das Gelände, das damals die Weltmacht-Metropole Rom einnahm. 5 000 bis 10 000 Menschen wohnten in der Elsachstadt. Das Begräbnisfeld beim Burrenhof schafft Anbindung an die Ahnen, es legitimiert sozusagen den Landbesitz der Nachfolgenden, erklärt Stegmaier.

In diesem Jahr widmeten sich die Grabungsaktivitäten also zum einen dem Gräberfeld direkt beim Burrenhof. Hier galt es, bauvorbereitend tätig zu sein. Denn hier soll ja das Erlebniszentrum entstehen. Zum anderen arbeitete man im Zuge von Lehrgrabungen ein paar wenige Gehminuten entfernt an einem Graben, der in der Nähe des großen Zangentors mit der Bezeichnung F auf die Palisadenmauer des Oppidums traf. An beiden Orten ergaben sich für die Archäologen faszinierende Einblicke, die sich noch vertiefen und schärfen können, wenn die Experten an die Nachbereitung gehen, die sich der Grabungskampagne nun anschließt. „Wir sind nicht fertig in dem Moment, in dem wir den Spaten fallen lassen“, gibt Dr. Jörg Bofinger vom Landesamt für Denkmalpflege Einblick in die archäologische Vorgehensweise. Sein Amt hat eng mit Stegmaiers Team kooperiert. Eine befruchtende, ergiebige Allianz, die von der Unterstützung der Heidengaben-Gemeinden sowie der Fördervereine Heidengraben und Fakt, des Fördervereins für Archäologie, Kultur und Tourismus, angereichert wurde.

Die Ergebnisse der Grabungen der Jahre 2015 und 2016 machen die Experten also jetzt schon sehr glücklich. Im Jahr zuvor hatte man eine Opfergrube entdeckt. Nun widmete man sich den Resten der Grabhügel-Nekropole. Wie erwartet habe sich gezeigt, dass die moderne Landwirtschaft die archäologische Substanz sehr in Mitleidenschaft gezogen hat. „Es war fünf vor zwölf“, sagt Bofinger. Man rettete, was zu retten war. Damit nun mit ruhigem Gewissen das Erlebniszentrum mitsamt der dazugehörigen Infrastruktur errichtet werden kann. Eine Rettungsgrabung, ja. Keine Notgrabung aber, erklärt Bofinger, da man Zeit hatte, alles in Ruhe zu planen.

Die Grabungen – seit 1990 die ersten auf Gemarkung Erkenbrechtsweiler – brachten phänomenale Ergebnisse. Sie veränderten das Bild von der spätkeltischen Zeit hier grundlegend, sagt Stegmaier. Nur von Riedlingen kennt man solche Strukturen im Land. Aber nicht auf einem Gräberfeld. Das ist bislang einmalig in Baden-Württemberg. Natürlich stellen solche Entdeckungen und aufkeimenden Erkenntnisse den Forschern große Fragen. Fragen für die herbstlich-winterliche Nachbereitung. Eines ist aber Stegmaier jetzt schon klar: Die Grabungen und die Forschungen 2015 und 2016 seien ein Glücksfall gewesen. Denn: „Das Bild vom Verhältnis des Gräberfelds zum Heidengraben hat sich in den letzten Jahren komplett gewandelt.“ Nun geht es darum, die Zusammenhänge weiter offenzulegen. Eine spannende Geschichte. Die eines gar nicht so fernen Tages auch das Erlebniszentrum erzählen wird.

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