Zwischen Neckar und Alb

Graffiti verursacht Millionenschaden

Viele Fälle von Sachbeschädigungen – Züge müssen mit großem Aufwand gereinigt werden

In der Sommerzeit verzeichnet die Bahn wieder vermehrt Fälle von Graffiti auf S-Bahnen. Ein teurer „Spaß“, den die Allgemeinheit bezahlen muss.

Gerade jetzt in der Sommer- und Ferienzeit nimmt die Zahl der Graffiti an S-Bahnen deutlich zu. Foto: Steegmüller
Gerade jetzt in der Sommer- und Ferienzeit nimmt die Zahl der Graffiti an S-Bahnen deutlich zu. Foto: Steegmüller

Kreis Esslingen. „Der elektronische Türöffner funktioniert wegen der dämlichen Malerei überhaupt nicht“, ärgert sich ein Pendler. Im Zug sitzt ein junges asiatisches Pärchen und blickt nervös auf die Anzeigen an der Decke des Abteils. Denn wegen der verschmierten Seitenfenster sind die Schilder für die Station Neckarpark nicht zu sehen. Gerade jetzt in der warmen Sommerzeit und in den Ferien sind die selbst ernannten Künstler verstärkt am Werk. Auf zahlreichen Zügen im öffentlichen Nahverkehr prangen großflächige Bilder und Motive. „Wir bemerken in den vergangenen Wochen wieder vermehrte Fälle von Sachbeschädigungen“, bestätigt der Bahnsprecher.

Denn als nichts anderes sieht das Verkehrsunternehmen diese an. Von einer generellen Steigerung will die Bahn aber nichts wissen. Vielmehr halten sich die Farbschmierereien auf S-Bahnen und auch auf Regional- sowie Fernzügen seit vielen Jahren auf einem gleich bleibenden Niveau – allerdings auf einem sehr hohen.

Ein teures „Vergnügen“: Circa eine Million Euro kostet die Bahn pro Jahr die Reinigung und Instandhaltung von Zügen alleine im S-Bahn-Netz Stuttgart. „Bundesweit liegen wir im mittleren zweistelligen Millionenbereich“. Das kommt nicht von ungefähr. Denn die angesprayten Züge müssen in einem aufwendigen Verfahren in der eigenen Werkstatt im Bahnbetriebswerk in Plochingen gereinigt werden. Mit einem chemischen Mittel werden die Lacke und Farben, die als Sondermüll entsorgt werden müssen, von den Zügen gekratzt. „Um unsere Mitarbeiter durch die giftigen Dämpfe nicht zu gefährden, müssen sie Schutzanzüge tragen“, sagt der Bahnsprecher. Die Kosten können sich je nach Größe des Graffiti im Einzelfall dabei schnell auf einen fünfstelligen Betrag summieren.

Aufgrund der Farbschmierereien sind die S-Bahnen seit Jahren mit einem Speziallack versehen. Dieser ermöglicht in der Regel, die Graffiti zu entfernen. Doch bei jedem Vorgang wird der Lack auch ein wenig angegriffen. „Sollte dieser dann erneuert werden müssen, steigen die Kosten noch einmal immens“, betont der Sprecher. Geld, mit dem man sehr viel sinnvollere Maßnahmen realisieren könnte.

Deshalb hat die Bahn im Hinblick auf Graffitis auch null Toleranz. Grundsätzlich ist man bemüht, die betroffenen Züge schnellstmöglich aus dem Verkehr zu ziehen – in der Regel noch am gleichen Tag. „Das ist aber leider nicht immer möglich.“ Zum einen im Hinblick auf den Service für die Kunden, zum anderen aber auch, um den sogenannten Künstlern keine Plattform zu geben, indem ihre Graffiti wochenlang mit dem eigenen Kürzel, dem sogenannten „Tag“ durch die Region fahren. „Ansonsten rühmen sie sich noch mit ihrem ‚Schmuckstück‘“, sagt der Bahnsprecher. Das könnte letztendlich zu einem Nachahmer-Effekt führen.

Für die Sprayer ist es ein gefährliches Spiel. Aufgrund der hohen Kosten stellt die Bahn grundsätzlich bei allen Graffiti eine Strafanzeige. Bei der Verfolgung der Täter arbeitet das Unternehmen eng mit der Bundespolizei zusammen. Anhand der persönlichen „Tags“ kann man die Bilder den einzelnen Sprayern immer wieder durchaus zuordnen. Dann müssen die Täter für den vorhandenen Schaden aufkommen. Und das kann auch lange nach der Tat der Fall sein, warnt der Bahnsprecher: „Die Forderung nach Schadensersatz verjährt erst nach 30  Jahren“.

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