Zwischen Neckar und Alb

Grippewelle sorgt für volle Wartezimmer

Ansteckung Gibt es dieses Jahr mehr Krankheitsfälle als sonst? Einige Mediziner im Kreis Esslingen haben den Eindruck.

Kreis Esslingen. Hausärzte sind derzeit stark ausgelastet. „In unseren Wartezimmern bemerken wir seit rund drei Wochen eine Zunahme an Grippe-Patienten“, sagt Wolfgang Bosch, Hausarzt in Ruit. Die Grippe, auch Influenza genannt, ist nicht mit dem grippalen Infekt, der Erkältung, zu verwechseln. Der Verlauf einer Influenza ist unter Umständen sehr schwerwiegend: Es kann zu hohem Fieber, Halsschmerzen, Husten, tränenden Augen, Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen kommen.

Einige Ärzte, wie der Esslinger Allgemeinmediziner Andreas Glaser, haben den Eindruck, dass es dieses Jahr mehr Erkrankte gebe. Das genaue Ausmaß im Kreis Esslingen, kann noch nicht beziffert werden. Im Februar sei ein Anstieg an Grippeerkrankungen jedoch durchaus üblich und auch in den vergangenen Jahren vorgekommen, sagt Angela Corea vom Gesundheitsamt Esslingen.

Kälte, Heizungsluft und trockene Schleimhäute tragen zu vermehrter Ansteckung bei, sagt Stephan Thomas, leitender Arzt der zentralen Notaufnahmen im Klinikum Esslingen. Ein anderer Faktor sei, dass sich die Risikogruppe in einer älter werdenden Gesellschaft vergrößere. Ein erhöhtes Risiko bestehe zum Beispiel für Menschen über 60 Jahren, Diabetiker, Personen mit schwachem Immunsystem oder Herzerkrankungen sowie Asthmatiker.

Impfung wirkt unterschiedlich

Um einer Infektion vorzubeugen, rät Stephan Thomas zur Impfung. Doch die Wirksamkeit des Impfstoffs ist nicht jedes Jahr identisch. So ist auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts zu lesen, dass der Impfstoff in diesem Jahr suboptimal wirksam sei. Dies bedeute jedoch keinesfalls, dass die Impfung wirkungslos sei, erklärt Angela Corea und empfiehlt, sich auch jetzt noch impfen zu lassen, um schweren Grippeerkrankungen vorzubeugen. Es gebe Jahre, in denen der Impfstoff gut zum Virus passe und Jahre, in denen der Impfschutz weniger gut passe.

Im der Esslinger Klinik kann man noch keinen starken Anstieg der Grippe-Patienten feststellen. „Wegen des Blitzeises letzten Montag kamen deutlich mehr Patienten in die Notaufnahme“, sagt Anja Dietze, Sprecherin des Klinikums Esslingen. Sie habe den Eindruck, dass es unter den Mitarbeitern derzeit mehr Ausfälle gebe. Vergleichbar ist die Situation in den Kliniken in Kirchheim, Nürtingen und Ruit. Man sei zwar bezüglich der Betten voll ausgelastet, dies sei jedoch auch jahreszeitlich bedingt, sagt eine Sprecherin der Kreiskliniken. Unter den Beschäftigten der Kliniken im Kreis gebe es aufgrund der Jahreszeit ebenfalls einen höheren Krankenstand als üblich. Janey Olbort

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