Zwischen Neckar und Alb

Große Parade der Hästräger

Ringtreffen der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte in Neuhausen

An der Fasnet geht es in der Hochburg Neuhausen richtig turbulent zu. In diesem Jahr noch mehr als sonst: Es gibt gleich zwei große Narrenumzüge.

Die Rotenhäne werden am Sonntag wieder ihren Wagen mit rotierendem Käfig mitführen.Archivfoto: Strehlow
Die Rotenhäne werden am Sonntag wieder ihren Wagen mit rotierendem Käfig mitführen.Archivfoto: Strehlow

Neuhausen. Der erste Umzug findet am Sonntag um 13.33 Uhr anlässlich des Ringtreffens der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte statt. Dazu erwarten die Veranstalter 4 500 Teilnehmer. Der traditionelle Umzug folgt drei Wochen später am Fasnetssonntag. An den Umzügen im Rahmen der Ringtreffen nehmen ausschließlich die 26 Mitglieder der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte (VFON) teil, berichtet Jochen Große, Ehrenzunftmeister des Narrenbundes Neuhausen, Vorsitzender der Maskengruppe Rotenhäne und als Kanzellar Mitglied im Präsidium der VFON. „Es ist ein Familientreffen, da wird kein Fremder eingeladen.“ Allerdings ist es eine sehr große Familie. Die Zahl der Hästräger ist groß, allein der Narrenbund hat 1 000 in 15 Maskengruppen. Aber nicht nur wegen der Vielzahl und Vielfalt der Maskengruppen dürfte der Umzug am Sonntag sehr stimmungsvoll werden. Jede Zunft bringe eine Musikkapelle mit, „manche auch zwei“, kündigt Große an. „Fasnet ohne Musik geht nicht.“

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Schätzungen, wie viele Schaulustige am Sonntag beim Umzug die Straßen säumen werden, wollen die Veranstalter nicht abgeben. Beim traditionellen Umzug am Fasnetssonntag sind es stets 20 000 bis 30 000 Zuschauer. Beeinflusst werde die Besucherzahl durchs Wetter, sagt Große. Da seien die Vorhersagen nicht schlecht. „Mit Sicherheit ist es ein interessanter Umzug“, verspricht Uschi Krieger, Vizepräsidentin des Narrenbundes. Die Besucher bekämen Gruppen zu sehen, die sonst nicht auf den Fildern vertreten seien. Wegen der großen Teilnehmerzahl werde die Parade der Häs- und Maskenträger vermutlich zweieinhalb Stunden dauern.

Die Gäste werden am Sonntagnachmittag am Narrenbaumstellen auf dem Schlossplatz teilnehmen, anschließend an der Messe für Narren, die Pfarrer Alfred Kirsch speziell für das Ringtreffen hält, und am Abend dann an der ersten Prunksitzung des Narrenbundes. Sie wird als „Ringball“ gefeiert. Ein Treffen oberschwäbischer Zünfte auf den Fildern? Den weiten Ausläufer ins Unterland hat die 1969 gegründete Vereinigung seit 1990. Da beschloss der Konvent, die Hauptversammlung, die Aufnahme Neuhausens als stimmberechtigtes Mitglied. Den Antrag hatte der damalige Kanzellar Konrad Schulz ohne Wissen der Neuhäuser gestellt. Martin Neumann, der 1964 die Maskengruppe Rotenhäne gegründet hatte, war in den 70er-Jahren in Kontakt mit den oberschwäbischen Zünften gekommen. Es entstanden enge Beziehungen nach Oberschwaben. Als Gast war Neuhausen bereits 1984 in den Ring aufgenommen worden.

Die Ausrichtung eines Ringtreffens müssen die Mitglieder beantragen, erklärt Jochen Große. Solche Großveranstaltungen seien durch zusätzliche Reglementierungen in den vergangenen Jahren immer mehr erschwert worden, beklagt Jochen Große. So müssten die Veranstalter inzwischen für alle Schäden entlang der Umzugsstrecke haften. Dafür fänden sie aber kaum noch eine Versicherung. Die meisten weigerten sich, solche Veranstaltungen zu versichern. Die medizinische Versorgung sei gewährleistet durch Ärzte an der Strecke und einen Rettungsplan, der unter anderem dafür Sorge trage, dass Rettungskräfte ohne Behinderungen den Einsatzort erreichen.

Ein besonderes Sicherheitskonzept haben die Veranstalter nach den Übergriffen in Köln nicht. Sie rechnen nicht mit Problemen. Jochen Große wehrt sich dagegen, nun Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. „Da darf man nicht pauschalieren.“ Uschi Krieger verweist da­rauf, dass der Narrenbund kürzlich die Flüchtlinge im Ort in einer gut besuchten Veranstaltung über die Fasnet informiert habe. Die Asylbewerber hätten sehr positiv reagiert. Ein klare Botschaft hat der Narrenbund an alle Besucher: Feiern ist erwünscht, Saufen nicht. Der Narrenbund unterstützt die Aktion „Fasnet ist mehr als Vollrausch“ seines Patenvereins Wernauer Narren. Wer betrunken an einen Stand komme, „erhält eine helfende Hand und ein Glas Sprudel“, bekräftigt Jochen Große, „aber keinen Alkohol.“