Zwischen Neckar und Alb

Grüne setzen auf starkes Wachstum

Politik Bündnis 90/Die Grünen stellen die kreisweite Jahresplanung für 2020 vor.

Kreis. „Früher hat man sich im Kreisverband Esslingen noch persönlich gekannt“, sagte die grüne Kreisrätin Marianne Erdrich-Sommer. Das sei nun vorbei. Das ist aber für die Grünen eine sehr gute Nachricht, denn in zwei Jahren ist der Kreisverband von rund 400 auf knapp 600 Mitglieder gewachsen. Die Neumitglieder sind zwischen 15 und 90 Jahre alt, Kreisvorstand Uwe Janssen nennt die wichtigsten Gründe: „Die Leute wollen etwas gegen die Spaltung der Gesellschaft, gegen rechts und für das Klima tun.“

Was die Aktiven ebenfalls freut: Es gibt wieder eine Grüne Jugend Esslingen, mit fünf Ortsgruppen. „Wir hatten vor einigen Jahren schon mal eine“, sagt Nicolai Boldt, doch dann habe das Alter die Grüne Jugend beendet. Bei ihm selbst tickt mit 26 Jahren ebenfalls die Uhr, denn wer 28 wird, wird bei den Grünen automatisch erwachsen. „Unsere Arbeitsschwerpunkte bei der Grünen Jugend sind Klimawandel und Umweltschutz, Antifaschismus, Jugendbeteiligung und Gleichberechtigung“, sagt Nicolai Boldt.

Was die Demokratie ganz dringend brauche, seien glaubwürdige Politiker, sagt Marianne Erdrich-Sommer, und denkt dabei an Winfried Kretschmann: „Ich habe ihn selten so feurig erlebt wie als Ministerpräsidenten. Das ist altersunabhängig, da passen Mann und Amt zusammen.“ Die Erst- und Zweitkandidaten für die nächste Landtagswahl am 14. März 2021 nominieren die Grünen am 5. März in Esslingen, am 26. März in Kirchheim und am 19. Mai in Leinfelden-Echterdingen für den Wahlkreis Nürtingen. Neben Kretschmann treten auch Andrea Lindlohr und Andreas Schwarz erneut an. Die Direktkandidaten für die Bundestagswahl im Herbst 2021 nominieren die Grünen vor den Sommerferien, die Landesliste wird auf der Landesdelegiertenkonferenz am 26. und 27. September 2020 in Schwäbisch Gmünd aufgestellt.

Im Vordergrund stehen dieses Jahr die politischen Schwerpunkte. Einer davon ist das Integrierte Klimaschutzkonzept des Landkreises Esslingen. Marianne Erdrich-Sommer bedauert, dass viele derer, die über den ÖPNV entscheiden, diesen gar nicht selbst nutzen und daher die Mängel nicht kennen. Sie nennt acht Forderungen, unter anderem eine kreisweite Busbevorrechtigung, eine Festlegung von Sozialstandards für Busunternehmen und eine Radmitnahme auf topografisch anspruchsvollen Strecken auch in den bisherigen Sperrzeiten, etwa von Esslingen nach Ostfildern. „Das wäre etwas für ein Pilotprojekt.“ Außerdem müssten große Arbeitgeber und Gewerbegebiete mit neuen Haltestellen und Linienführungen angebunden werden: „Das gilt auch für das Landratsamt.“

Die Kreisrätin wünscht sich auch eine gleichwertige Betreuung von Kindern mit Behinderung. Die Betreuungszeiten in Regelkindergärten wurden ausgeweitet, doch bei den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren stehe dies noch aus. Das Herz der Kreisrätin schlägt auch für das vom Land geförderte „Quartier 2020“. „Das fördert das Zusammenleben in der Gesellschaft, ich halte das für ein ganz wichtiges Zukunftsprogramm.“ Peter Dietrich

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