Zwischen Neckar und Alb

Güterzüge belasten die Anwohner

Umleitung An ruhige Nächte ist nicht zu denken: Güterzüge fahren im Moment über die Neckar-Alb-Bahn und sorgen für reichlich Lärm. Das soll sich am 7. September ändern. Von Sylvia Gierlichs

Laute Güterzüge auf der Neckar-Alb-Bahn: Auch in Oberboihingen haben die Anwohner mit dem Lärm zu kämpfen.Foto: Jürgen Holzwarth
Laute Güterzüge auf der Neckar-Alb-Bahn: Auch in Oberboihingen haben die Anwohner mit dem Lärm zu kämpfen.Foto: Jürgen Holzwarth

Dichter an den Bahngleisen wie Beate Bonte kann man gar nicht leben. Die Oberboihingerin wohnt in einem der drei Hochhäuser am Ortsausgang der Gemeinde. Was es heißt, neben einer Bahnlinie zu leben, weiß sie seit Jahren aus erster Hand. Dabei ist Bonte Pragmatikerin. „Wir wussten, dass wir neben eine Bahnlinie ziehen“, sagt sie. Und war, als sie die Wohnung kaufte, auch froh, einen Zuganschluss nach Stuttgart direkt am Ort zu haben. Doch der Zugverkehr nimmt zu, und damit auch die Lärmbelastung.

Bonte lebt im obersten Stockwerk - fantastische Aussicht, nette Nachbarn. Wenn eben der Lärm nicht wäre. Und seit etwa zwei Wochen ist nun endgültig Schluss mit einem gemütlichen Nachmittag oder Abend auf dem Balkon. Denn vor zwei Wochen senkte sich auf der viel befahrenen Rheintal-Bahnstrecke der Boden ab. Die Strecke ist seitdem gesperrt. Und weil in den Sommerferien die Gäubahn-Strecke zwischen Böblingen und Herrenberg wegen Gleisbauarbeiten ebenfalls gesperrt ist, werden viele der Güterzüge, die zwischen Italien, der Schweiz und Rotterdam pendeln, jetzt über die Neckar-Alb-Bahn geschickt. „Vor allem in den Abendstunden, wenn man selbst ein wenig zur Ruhe kommen will, und die allgemeine Geräuschkulisse etwas nachlässt, empfindet man den Lärm als sehr belastend“, sagt Beate Bonte. Auch in der Nacht schreckt sie immer wieder hoch, wenn ein Güterzug mit Getöse vorbeidonnert.

Dass Bonte im neunten Stock den Lärm besonders deutlich hört, hängt mit der Ausbreitung des Schalls zusammen. Während er in Bodennähe noch durch parkende Autos, Hecken oder auch Lärmschutzwände gedämpft wird, breitet er sich schräg nach oben ungehindert aus.

Für Willi Schietinger aus Bempflingen sind die Nächte besonders nervig. Innerhalb von einer halben Stunde fahren hier schon mal drei Güterzüge durch Bempflingen: „Die Anwohner haben durchaus Verständnis für die Situation, da man einerseits nicht die Verlagerung von Fracht auf die Eisenbahn propagieren, und andererseits die Güterzüge verdammen kann“, sagt er. In Wendlingen liegen zwischen der Bahnstrecke und dem Haus von Sabine Deuschle-Specht zwei Straßen und das gesamte Behr-Areal. Doch auch sie hört die Güterzüge deutlich. Und ist genervt, denn auch an den Wochenenden ist den Anwohnern keine Ruhe gegönnt.

Dass Güterzüge wesentlich mehr Lärm verursachen als Personenzüge, erklärt ein Bahnsprecher mit der Struktur der Züge. „Ein Personenzug hat eine relativ glatte Oberfläche, die Waggons sind dicht aneinandergekuppelt. Güterzüge bestehen dagegen aus einer Aneinanderreihung sehr unterschiedlicher Waggons. Sie machen ganz andere Geräusche“, sagt der Sprecher.

Tempo der Züge ist festgelegt

Auch der Wunsch von Beate Bonte, dass die Güterzüge wenigstens nachts mit reduzierter Geschwindigkeit fahren, um weniger Lärm zu verursachen, wird sich nicht erfüllen. „Wie schnell Züge auf bestimmten Strecken fahren dürfen, ist festgelegt“, erklärt der Sprecher. Gefahren werde so schnell wie erlaubt. In Oberboihingen etwa 80 bis 100 Stundenkilometer.

Ab dem 7. September soll es auf der Strecke zwischen Tübingen und Plochingen wieder etwas ruhiger zugehen, denn einige Tage früher als ursprünglich vorgesehen soll die Gäubahnstrecke zwischen Böblingen und Herrenberg wieder in Betrieb gehen.

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