Zwischen Neckar und Alb

Hängepartie frustriert Motorsportler

Baupläne Die DHL will ihren Standort in Köngen erweitern – und zwar dort, wo der Motorsportclub derzeit sein ­Trainingsgelände hat. Noch ist unsicher, ob es mit dem Ersatzgelände für den Verein klappt. Von Elisabeth Maier

MSC-Vorsitzender Jan-Henrik Alpers (links) und sein Stellvertreter Matthias Zimmermann wissen nicht, wie es weitergeht.Archiv-Fo
MSC-Vorsitzender Jan-Henrik Alpers (links) und sein Stellvertreter Matthias Zimmermann wissen nicht, wie es weitergeht.Archiv-Foto: Bulgrin

Der Motorsportclub Köngen-Wendlingen (MSC) bangt um sein Trainingsgelände. Wegen des Baus der mechanischen Zustellbasis, die die DHL im Postfrachtzentrum plant, fällt das bisherige Gelände „Alte Lache“ weg. Zwar hat sich der Ausschuss des Vereins mit der Baufirma und den beteiligten Kommunen auf ein neues Areal geeinigt, aber es gibt noch keine schriftlichen Zusagen. Die Abstimmung der MSC-Mitglieder steht auch noch aus. „Man kann doch nicht über etwas abstimmen, das noch nicht schriftlich fixiert ist“, sagt Jan-Henrik Alpers, der Vorsitzende des 250 Mitglieder starken Vereins.

„Die Verunsicherung bei uns im Verein ist groß“, beschreibt Schriftführerin Nadja Zimmermann die Stimmung. Sie formuliert die Ängste der Mitglieder drastisch: „Mittlerweile hat das Korn Misstrauen gekeimt und die Angst schwingt mit, dass der MSC auf irgendwelche Weise ausgebootet wird und man dann ohne alles da steht.“ Es wäre nicht der erste Umzug der Trial-Fahrer. Die Männer und Frauen, die derzeit 60 Jungen und Mädchen im Motorsport ausbilden, mussten 2007 bereits von Wendlingen nach Köngen umziehen. Der damalige Bürgermeister Hans Weil hatte sich für einen neuen Platz auf der „Alten Lache“ stark gemacht.

Die DHL muss das Postfrachtzentrum erweitern, weil vor allem durch den Online-Handel immer mehr Pakete umgeschlagen werden. „Köngen braucht eine mechanische Zustellbasis“, sagt der Bauunternehmer Walter Hellmich aus Dinslaken. Alternativen ziehe man nicht in Betracht. Außerdem werde durch die Erweiterung des Postfrachtzentrums der Verkehr neu geordnet, sodass lärmgeplagte Anwohner der Plochinger Straße entlastet würden, weil die Lastwagen außerhalb der Ortsgrenzen ausfahren. „Unsere Verhandlungen sind auf einem guten Weg“, ist Hellmich überzeugt. Die Sorgen der Vereinsmitglieder könne er nicht nachvollziehen. Auch mit dem letzten Eigentümer, mit dem noch verhandelt wird, werde man sich einig, ist der Chef der Baufirma überzeugt, die das Projekt für die DHL realisiert. Hellmich versichert, „dass wir das neue Trialgelände des MSC so herrichten, dass der Trainingsbetrieb weitergehen kann.“ Die Kosten für die Verlegung übernimmt die DHL. Da entstünden dem Verein keine Verluste. Einen Zeithorizont, wann das Projekt fertig sein soll, nennt er nicht. „Wir müssen am Standort Köngen erweitern“, sagt Hellmich. Dafür wird das bisherige Trainingsgelände des MSC gebraucht.

Matthias Zimmermann, stellvertretender Vorsitzender des Vereins, frustriert die Hängepartie. „Die Fläche ist deutlich kleiner als unser bisheriger Platz.“ Jan-Henrik Alpers spricht gar von einem „Käsedreieck“. Auf dem neuen Gelände könnte dann wohl auch die baden-württembergische Jugendmeisterschaft im Trialfahren nicht mehr stattfinden. „Die Einnahmen brauchen wir, um unsere Arbeit zu finanzieren.“ Außerdem ist die Veranstaltung für die Jugendförderung wichtig. Der MSC hat durch vorbildliche Nachwuchsarbeit weit über die Region hinaus einen sehr guten Ruf. Wolfgang Kaiser, der das Rechtsamt und die Wirtschaftsförderung in Wendlingen leitet, ist mit Vereinen in der Region im Gespräch. Auf deren Plätzen könnte der MSC die Meisterschaft abhalten. „Das ließe sich organisieren“, sagt Nadja Zimmermann. Über Kaisers Einsatz sei man sehr froh.

Die Ungewissheit ärgert die Mitglieder. „Ich bin nicht bereit, mehr Zeit mit Gesprächen zu verschwenden, die nicht zum Ziel führen“, sagt Matthias Zimmermann. Der Spagat zwischen Beruf und Ehrenamt sei ohnehin schwer. Die Vereinsspitze will sich wieder auf Vereinsarbeit und Jugendförderung konzentrieren. 350 Arbeitsstunden hat Zimmermann investiert, um das jetzige Gelände aufzubauen. Bei allem Verständnis für die Erweiterungspläne der DHL ärgert ihn, „dass man uns in der Luft hängen lässt.“ Wenn die Grundstücksverhandlungen abgeschlossen sind und der MSC ein schriftliches Angebot hat, lasse man die Mitglieder abstimmen: „Wie das ausgeht, weiß ich nicht.“

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