Zwischen Neckar und Alb

Halbzeit unter der Autobahn

ICE-Trasse Der Eisenbahntunnel neben der Raststätte Denkendorf ist zur Hälfte fertig. Die Autobahn wurde in dieser Woche komplett auf die neuen Spuren verlegt. Von Roland Kurz

In einem leichten Bogen unterquert der Tunnel die Autobahn. Fotos: Roberto Bulgrin
In einem leichten Bogen unterquert der Tunnel die Autobahn. Fotos: Roberto Bulgrin

Petrus hat es gut mit uns gemeint“, sagt Benjamin Denk, der technische Projektleiter für die ICE-Strecke zwischen Flughafen und Neckar. Am Sonntag und Montag hat es genau in den Zeitfenstern geschneit, als es die Bautrupps nicht störte. Und so war die A 8 bei Denkendorf am Dienstagfrüh komplett auf die neuen Spuren verlegt. Der Wechsel markiert die Halbzeit beim Tunnelbau neben der Raststätte. Dort unterquert die ICE-Strecke die A 8, um südlich der Autobahn bis zum Albrand zu laufen.

In einem etwa 150 Meter langen Trog, von Betonwänden eingefasst, wird sich der ICE von der Filderebene bis zur Tunnelsohle bewegen, mit einem Gefälle von 2,7 Prozent. Dann verschwindet der Zug ganz in dem 768 Meter langen Hohlkasten aus Beton. Die Denkendorfer Röhre wird einer der wenigen doppelgleisigen Tunnels der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm sein, denn im Hochgeschwindigkeitsbereich sind eigentlich zwei Röhren üblich. Die Rettungswege seien hier aber kurz genug, erläutert Projektleiter Denk.

Die erste Hälfte des Tunnels ist seit März betoniert worden: Bodenplatte, Seitenwände, Deckel. 39 Blöcke sind es, denn maximal zehn Meter lang könne ein Segment werden, erklärt Diplom-Ingenieur Markus Lachenmaier, dann müsse eine Fuge gesetzt werden, damit der Beton nicht reißt. Die Blöcke sind vor Ort gegossen worden.

In einem leichten Bogen unterschneidet der Tunnel die Autobahn, weiterhin mit leichtem Gefälle, so wie die Landschaft draußen abfällt. Momentan endet die Röhre genau dort, wo normalerweise die Autobahnmitte ist. Über eine Stahltreppe kann man derzeit hochsteigen und sieht nördlich davon die Autos auf den neuen Fahrspuren dahinrauschen, im Süden sind die alten Fahrspuren.

Von Weihnachten bis zum 8. Januar werden sich die Mannschaften erholen. Danach wird der Trog auf der Ostseite ausgehoben. Zwei bis drei Monate werde man dafür benötigen, schätzt Markus Lachenmaier von der westfälischen Bauunternehmung Bunte. Dann erst können die Betonbauer wieder ran, um die Bodenplatte von Block 40 zu gießen. Ende des Jahres 2018 soll der Rohbau des Denkendorfer Tunnels fertig sein. Dann erhält die Röhre ihr Interieur. Zum Schluss muss die Autobahn noch einmal nach Süden verlegt werden, damit auf der Seite zur Raststätte hin wieder die Lärmschutzwände aufgestellt werden können.

Insgesamt sind die Tunnelbauer auf dem Filder-Abschnitt 1.4 einigermaßen im Zeitplan. Gegenüber den ersten Ankündigungen haben sich die Arbeiten nur einige Monate verzögert. Aber in Denkendorf stehen die Bautrupps nicht unter akutem Druck. Ein Knackpunkt liegt drei Kilometer weiter, nämlich am Flughafen, der nächste unten am Stuttgarter Hauptbahnhof.

Im Osten des Tunnels, etwa 300 Meter weiter, wird ebenfalls gebaut. Die Überquerung des Denkendorfer Tals ist nahezu fertiggestellt. Der ICE-Brücke über die Landesstraße 1204 fehlen noch Blendschutzmauern an der Seite. Die sollen auch den Lärm abschirmen. Im April oder Mai werde man ganz fertig sein, kündigt Stefan Kaposztas an, der Teamleiter der DB Netze im Bauabschnitt Filder.

Vom Flughafen her kommend fährt der ICE in diesen Betontrog ein, bevor er im Tunnel verschwindet.
Vom Flughafen her kommend fährt der ICE in diesen Betontrog ein, bevor er im Tunnel verschwindet.

Der ICE-Tunnel bei Denkendorf

Länge: 768 Meter

Lichte Breite: 11,70 Meter

Lichte Höhe: 7,80 Meter

Höchstgeschwindigkeit im Tunnel: 250 km/h

Dauer der Durchfahrt: 11 Sekunden

Bauzeit: Erdarbeiten seit Herbst 2015. Rohbau Block 1 - 39: März bis Dezember 2017

Bauzeit Block 40 - 79: von Mai 2018 bis Jahreswechsel 2018/19

Aushub: 134 000 Kubikmeter

Betonmenge: 35 000 Kubikmeter

Auftragnehmer: Bauunternehmen Johann Bunte, Ahaus, sowie Ingenieur- und Kraftwerksbau Heitkamp, Essen

Auftragswert: rund 40 Millionen Euro

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