Zwischen Neckar und Alb

Heimaterde für die Hauptstadt geschaufelt

Aktion Der Bundestagsabgeordnete Nils Schmid bringt Boden aus dem Beurener Freilichtmuseum in den Reichstag.

Landrat Heinz Eininger (links), Museumsleiterin Steffi Cornelius und Nils Schmid im Freilichtmuseum.Foto: Haussmann
Landrat Heinz Eininger (links), Museumsleiterin Steffi Cornelius und Nils Schmid im Freilichtmuseum.Foto: Haussmann

Beuren. Einen knappen Zentner Erde von den Streuobstwiesen des Beurener Freilichtmuseums will der Nürtinger Bundestagsabgeordnete Nils Schmid (SPD) nach Berlin bringen. Im Lichthof des Reichstagsgebäudes soll das kostbare Gut dem Kunstprojekt „Der Bevölkerung“ hinzugefügt werden. Gemeinsam mit dem Esslinger Landrat Heinz Eininger und Museumsleiterin Steffi Cornelius begab sich Nils Schmid zur vorbereiteten Grabstelle. Beherzt stieß er die rote Schaufel ins gelockerte Erdreich und hatte keine Mühe, den aus Berlin mitgebrachten Sack zu befüllen. Auch ein paar verhutzelte Äpfelchen fanden den Weg in das Jutebehältnis.

Der Sack soll nun nach Berlin gebracht werden und dort in einen 21 mal sieben Meter großen Holztrog im Lichthof des Reichstags, in dessen Mitte die Widmung „Der Bevölkerung“ steht, entleert werden. Das „partizipatorische Kunstprojekt“ des Künstlers Hans Haacke aus dem Jahr 2000 lädt alle Bundestagsabgeordneten dazu ein, aus ihrem Wahlkreis einen Zentner Erde nach Berlin zu bringen. Schmid ist der dritte Volksvertreter aus dem Wahlkreis Nürtingen, der das tut - nach Rainer Arnold (SPD) und Uschi Eid (Grüne). Der Transport, so Schmid, stelle allerdings noch „eine kleine logistische Herausforderung“ dar.

Dass Schmid das Freilichtmuseum als Entnahmeort gewählt hat, war kein Zufall, wie er sagt. „Für mich ist das hier Heimaterde, denn Beuren war die Heimat meiner Eltern.“ Seine Großeltern hätten hier eine Streuobstwiese besessen, deshalb verbinde er mit diesem Begriff stets heimatliche Gefühle. Das Freilichtmuseum, das sich unter anderem dem Erhalt alter Obstsorten verschrieben habe, lobte der bekennende Apfel-Liebhaber als „tolle Einrichtung“.

„Wir schaufeln für Berlin“, kommentierte Landrat Heinz Eininger schmunzelnd die Grab-Aktion. Das Kunstwerk im Reichstag ist für ihn „ein Zeichen dessen, dass alle, die dort arbeiten, gut geerdet sind. Und diese Erdung brauchen wir auch.“ Museumsleiterin Steffi Cornelius wies auf die Ausstellung „Jüdisches Leben im ländlichen Baden-Württemberg“ hin, die kommendes Jahr im Museum zu sehen sein wird. „Man erkennt daran, dass Heimat vielfältig ist und Freilichtmuseen nicht nur dazu da sind, um Landleben zu vermitteln. Man muss auch kritische Fragen aufgreifen“, so Steffi Cornelius.Volker Haussmann

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