Zwischen Neckar und Alb

Heller erfreut sich voller Auftragsbücher

Maschinenbauer erwartet erneut ein gutes Jahr – In Nürtingen wurden 120 Mitarbeiter eingestellt

Der Nürtinger Maschinenbauer Heller blickt auf ein gutes Geschäftsjahr 2015 zurück. Der Umsatz lag mit einem Plus von 28 Prozent deutlich über dem Vorjahr. Die Auslastung war so hoch, dass in Nürtingen teilweise an der Kapazitätsgrenze gearbeitet wurde.

Nürtingen. „Wir haben noch nie so viel produziert wie 2015“, sagt Klaus Winkler, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Der Auftragseingang erreichte 561,4 Millionen Euro und übertraf das starke Vorjahr nochmals um ein Prozent. Es war mithin der zweithöchste Auftragseingang in der Geschichte von Heller. Das Spitzenjahr ist nach wie vor 2012, als der Auftragseingang noch um 35 Millionen Euro höher lag. Unverändert macht das Geschäft mit Automotive-Kunden mehr als 50 Prozent des Geschäftsvolumens aus.

Der Umsatz lag mit 555,9 Millionen Euro um 121,5 Millionen Euro über dem Vorjahr. Winkler gibt dafür die Schulnote „drei bis vier“. In diesem Jahr wolle man eine „Drei“ schaffen. Das Konzerneigenkapital erhöhte sich auf 111,4 Millionen Euro (Vorjahr 108,8 Millionen Euro), die Eigenkapitalquote beträgt nahezu unverändert 33,8 Prozent.

Entgegen des allgemeinen Trends sei das China-Geschäft für Heller richtig gut gelaufen, so Winkler. Für dieses Jahr erwarte man noch eine Steigerung. Damit habe das geplant rückläufige Europageschäft kompensiert werden können. Entsprechend verschoben hat sich die geografische Verteilung der Auftragseingänge. Europa dominiert mit 55 Prozent (Vorjahr 69 Prozent), Asien hat stark zugelegt auf 26 Prozent (Vorjahr acht Prozent), Nord- und Südamerika machen zusammen 19 Prozent des Auftragseingangs aus (Vorjahr 23 Prozent).

Sorgenkind ist allerdings Brasilien. Seit 1974 ist Heller dort mit einem Werk vertreten. In dem von ständigen Korruptionsaffären geschüttelten Land ist die Nachfrage komplett eingebrochen. Etwa 30 Kollegen aus Brasilien habe man fast das ganze Jahr über nach Nürtingen geholt. Dennoch wurden dort 60 Mitarbeiter gekündigt, ein Drittel der Belegschaft. „Es ist zu befürchten, dass auch 2016 am brasilianischen Markt vorbeigeht“, sagt Winkler. Man habe in das südamerikanische Werk jetzt Aufträge aus Nürtingen und aus England hinverlagert. „An Aufgeben denken wir nicht“, so der Geschäftsführer.

Sehr erfolgreich habe sich das Geschäft mit Fertigungsanlagen für ein thermisches Spritzverfahren zur Beschichtung von Zylinderbohrungen in Pkw-Motoren entwickelt. Der Hersteller Daimler, mit dem Heller die technische Umsetzung des Verfahrens entwickelt hat, werde ab Herbst seine neue Motoren-Reihe mit dieser Technologie herstellen. Auch Nissan und Renault statteten ihre Standorte mit diesen Anlagen aus.

Auf dem vergangenes Jahr von der Firma Metabo erworbenen Gelände soll bis gegen Ende des Jahres ein modernes Logistikzentrum entstehen. Die Werkshalle wird renoviert und ein Hochregallager ist geplant. Dann könne man seinen seitherigen „Flickenteppich“ an Logistikstandorten zusammenlegen, so Winkler.

Die Nürtinger Maschinenfabrik hat vergangenes Jahr die Belegschaft deutlich aufgestockt. In Nürtingen wurden, rund 120 neue Mitarbeiter eingestellt. Dies sei unter anderem auch vor dem Hintergrund passiert, dass in den nächsten Jahren einige altersbedingte Abgänge auszugleichen seien. Weltweit hat Heller jetzt 2 534 Mitarbeiter, einschließlich Auszubildender, in Deutschland sind es 1 970, in Nürtingen 1 664 Beschäftigte, darunter 120 Azubis. Für das laufende Jahr geht Geschäftsführer Winkler von einer gleich bleibenden Entwicklung aus. „Wir sehen keinen Grund für krisenhafte Entwicklungen, aber auch keine großen Wachstumsperspektiven“, so Winkler.

Zum 1. Februar wurde bei Heller die Geschäftsleitung mit Klaus Winkler und Manfred Maier um drei neue Geschäftsführer erweitert. Dieter Drechsler ist verantwortlich für das Projektgeschäft, Patrick Rimlinger übernimmt den Bereich Produktion und Dr. Jürgen Walz verantwortet die Entwicklung. Winkler und Maier werden weiterhin die strategische Entwicklung der gesamten Heller-Gruppe planen. „Wir wollten die Führungsmannschaft verbreitern, um Maier und mir Gelegenheit zu geben, uns stärker um die Gruppe zu kümmern und die Aufgaben insgesamt auf mehrere Schultern zu verteilen“, sagt Winkler. Und nicht zuletzt sei auch dies ein Einstieg in die Nachfolgeregelung.

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