Zwischen Neckar und Alb

Herzklappe soll mitwachsen

Die Chemikerin Svenja Hinderer erhielt den Deutschen Studienpreis

Für ihre Doktorarbeit an der Universität Stuttgart wurde Svenja Hinderer aus dem Aichtal mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung ausgezeichnet. Die Doktorandin entwickelte künstliche Herzklappen, die im Gegensatz zu bisherigen Implantaten im Kindeskörper mitwachsen können.

Bundestagspräsident Norbert Lammert überreichte Dr. Svenja Hinderer den Deutschen Studienpreis in Berlin. Foto: Körber-Stiftung/
Bundestagspräsident Norbert Lammert überreichte Dr. Svenja Hinderer den Deutschen Studienpreis in Berlin. Foto: Körber-Stiftung/David Ausserhofer

Aichtal. „Wir versuchen, die Natur so weit wie möglich nachzuahmen“, sagt Dr. Svenja Hinderer. Der 30-Jährigen gelang es im Rahmen ihrer Doktorarbeit, ein neuartiges Herzklappen-Implantat zu entwickeln. „Bisherige Implantate wachsen im Körper nicht mit und müssen auch bei Erwachsenen nach einiger Zeit ausgetauscht werden“, erklärt Hinderer. Das von ihr verwendete Material besitzt dagegen die Eigenschaft, Stammzellen anzuziehen. Diese werden dazu angeregt, selbstständig Faserstrukturen zu bilden. So kann eine körpereigene Herzklappe entstehen, die das biologisch abbaubare Implantat ersetzt. „Durch die selbstwachsenden Klappenimplantate können auch Kinder langfristig therapiert werden“, so die Wissenschaftlerin.

Anzeige

Drei Jahre lang forschte Hinderer für ihre Arbeit, die sie 2013 fertigstellte. Nun wurde ihre Dissertation mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung ausgezeichnet. Mit ihrem Beitrag setzte sich Hinderer gegen 418 Bewerber durch und belegte im Bereich „Natur- und Technikwissenschaften“ den ersten Platz. Im November fand die Verleihung des Preises durch Bundestagspräsident Norbert Lammert in Berlin statt.

Die Wissenschaftlerin ist in Grötzingen aufgewachsen und besuchte das Gymnasium in Neckartenzlingen. An der Hochschule Reutlingen studierte sie Angewandte Chemie und promovierte an der Universität Stuttgart, in Kooperation mit einem Fraunhofer-Institut. Heute ist sie am Fraunhofer IGB tätig, wo sie als Gruppenleiterin Implantate für die regenerative Medizin entwickelt.

Bisher wurde das Klappenimplantat nur im Reagenzglas getestet. Allerdings erfolgreich. Deshalb sagt sie: „Die mitwachsende Herzklappe ist unser großes Ziel und noch lange nicht abgehakt.“ Bei zahlreichen Versuchen im Reagenzglas zeigte sich, dass das Implantat seine Aufgabe als Ventil erfülle, den Druckverhältnissen standhält und Stammzellen angezogen werden.

So steht das Klappenimplantat nun unmittelbar vor Versuchen am lebenden Tier. „Bis jetzt haben wir alles Notwendige getan, um mit gutem Gewissen an Tierversuche gehen zu können“, sagt Hinderer. Erzielt das Implantat bei Schwein oder Schaf die erhofften Ergebnisse, kann die künstliche Herzklappe auch bei Menschen angewendet werden. Svenja Hinderer sieht optimistisch in die Zukunft: „Wir haben große Hoffnung.“