Zwischen Neckar und Alb

„Hilf du mir, dann helf ich dir“

Netzkultur 17 000 Mitglieder einer Facebook-Gruppe meistern das Leben gemeinsam. In Esslingen haben sie sich getroffen.

Symbolbild

Esslingen. Die Internetplattform, auf der sich weltweit über zwei Milliarden Menschen tummeln, steht immer wieder in der Kritik, weil mit Daten nicht sorgfältig umgegangen wird. Ebenso herrscht in vielen Gruppen bei Facebook schnell ein Kleinkrieg zwischen den einzelnen Usern, die sich kaum kennen. Dass es auch anders geht, zeigt die Gruppe „Hilf du mir, dann helf ich dir“, die sich nun leibhaftig in Esslingen getroffen hat.

Gründerin Anna-Serafina Grassadonia aus Stuttgart hatte die Idee zur Gründung vor vier Jahren. Nach der Geburt ihrer Tochter suchte sie Hilfe bei den sozialen Einrichtungen, weil kurz nach der Entbindung krankheitsbedingte Rückschläge dafür sorgten, dass sie sich kaum um ihr Neugeborenes kümmern konnte. „Statt sofortiger Hilfe wurde ich von den kirchlichen und sozialen Stellen von Hinz zu Kunz geschickt und überall wurden erstmal Formulare eingefordert.“ Wütend darüber, gründete sie auf Facebook die Selbsthilfegruppe. Sie bekam die gewünschte Unterstützung von wildfremden Menschen.

Mittlerweile gehören der Gruppe rund 17 000 Mitglieder aus ganz Deutschland an. Anna-Serafina Grassadonia erinnert sich an den ersten Aufruf. „Da bat uns eine junge Frau um Hilfe, weil sie das Chaos in ihrer Wohnung nicht mehr im Griff hatte. Acht Leute meldeten sich darauf, um zu helfen.“ In gut zwei Stunden war die Wohnung der Hilfesuchenden aufgeräumt und Spenden wurden dafür genutzt, Klamotten für die junge Frau zu beschaffen. Die Hilfsaktionen werden jeweils mit Fotos und Videos - nach Zustimmung der betreffenden Mitglieder - dokumentiert. Die Idee der Gruppe ist einfach: „Jeder hilft so, wie er kann.“ In der Gruppe sind viele Nationalitäten vertreten und auch unterschiedliche Berufsstände und Menschen mit Behinderung. „In unserer Gesellschaft fehlt das Menschliche“, bemerkt Grassadonia. „Wer selbst in einer Krise steckte, kann am besten nachfühlen, wie schwierig es ist, um Hilfe zu bitten.“

Oft sehen sich die Mitglieder bei den verschiedenen Hilfsaktionen. Eines der regelmäßigen Treffen fand nun im Gewerkschaftshaus in Esslingen statt. Die Mitglieder waren eingeladen, Klamotten, Spielzeug und andere Dinge mitzubringen und zu tauschen. Es herrschte eine fröhliche Stimmung. Eine Familie war aus Friedrichshafen angereist. Die Gruppe hatte ihr Tankgutscheine für die Anreise geschenkt. Grassadonia ist vom Treffen in Esslingen begeistert: „Es gab viele gute Gespräche und alle waren ein Teil der Gemeinschaft.“ Die übrig gebliebenen Artikel und Esswaren wurden im Anschluss an Bedürftige weitergegeben.Thomas Krytzner

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