Zwischen Neckar und Alb

Historische Handwerkskunst im Weinberg

Workshop Trockenmauern zu bauen, ist schweißtreibende Arbeit, lohnt sich aber. Sie sind eine Art „Heizung“.

Stein um Stein wird die Trockenmauer gesetzt.Foto: Iris Koch
Stein um Stein wird die Trockenmauer gesetzt.Foto: Iris Koch

Esslingen. Terrassenweinberge mit ihren charakteristischen Trockenmauern prägen das Esslinger Stadtbild. Ihrer Erhaltung widmet sich der Verein „Staffelsteiger“ - bereits 1 000 Quadratmeter Trockenmauern wurden wieder aufgebaut, erzählt der Staffelsteiger-Vorsitzende Otto Rapp. „Das sind ungefähr 600 bis 700 Meter Mauer.“

Anzeige

Am Wochenende kamen wieder einige Meter hinzu: Zum dritten Mal hatten die Staffelsteiger zum Trockenmauerbau-Workshop geladen. Unter fachgerechter Anleitung von Otto Rapp machten sich neun Teilnehmer ans Werk. Nach allen Regeln der historischen Handwerkskunst wurde gehämmert, geklopft, Steine geschleppt und vermessen.

Ganz ohne Mörtel oder Beton kommen die Trockenmauern aus. Nur im unterirdischen Fundament dürfe betoniert werden, erläutert Otto Rapp. Der Gegensatz von trockenen, heißen Flächen an der Außenseite der Mauer und kühlen, feuchten Bereichen im Inneren lässt wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entstehen, darunter Wildbienen, Mauereidechsen, Zimbelkraut oder Mauerpfeffer. Da die Mauersteine tagsüber Sonnenlicht speichern und nachts wieder abgeben, fungieren sie auch als „Heizung“ des Weinbergs.

Dass die mühsam von Hand erbauten Mauern über viele Jahrzehnte Wind und Wetter trotzen, ist kein Hexenwerk, sondern traditionelle Handwerkskunst. Wichtig für die Stabilität sei vor allem das Hintergemäuer aus festgeklopften Steinen und Erdreich, sagt Otto Rapp. Verwendet werden die aus dem Mittelalter stammenden Mauersteine aus regionalem Stubensandstein.

Aufgrund des ökologischen Wertes wird der Trockenmauerbau sowohl von der Stadt Esslingen als auch von der Unteren Naturschutzbehörde mit 100 Euro pro Quadratmeter bezuschusst. Weitere 100 Euro schießt die Vereinskasse der „Staffelsteiger“ zu. Um die Weinbergterrassen attraktiver zu gestalten, ist ein weiterer Weinerlebnispfad in Arbeit - der „Kelterweg“. Im Juli soll der neue Weg eröffnet werden. Iris Koch