Zwischen Neckar und Alb

Hoteliers befürchten Überkapazitäten

Protest Gegen den auf dem Nürtinger Melchior-Areal geplanten Hotelkomplex regt sich immer mehr Widerstand. Drei Gemeinderatsfraktionen fordern inzwischen eine breitere Bürgerbeteiligung. Von Uwe Gottwald

In diesem Bereich, zwischen Fischtreppe und Stuttgarter Straße, plant ein Investor einen Hotelkomplex.Foto: Daniel  Jüptner
In diesem Bereich, zwischen Fischtreppe und Stuttgarter Straße, plant ein Investor einen Hotelkomplex.Foto: Daniel Jüptner

Nachdem die Fraktionen von NT 14, Nürtinger Liste/Grüne und SPD sich für eine Denkpause und eine breite Beteiligung der Bürgerschaft ausgesprochen hatten, wollen nun auch die Freien Wähler nicht mehr vor der Sommerpause entscheiden.

Bereits in der letzten Sitzung des Gemeinderats wurde die Befürchtung geäußert, die Entscheidung solle übers Knie gebrochen werden. Angemerkt wurde auch, dass es außer dem bisher interessierten Reutlinger Hotelier Hans-Joachim Neveling noch einen weiteren Interessenten gegeben habe. Außerdem hätten derzeit zwei alteingesessene Hoteliers weit fortgeschrittene Pläne für einen Hotelbau beziehungsweise eine Erweiterung an Standorten in der Innenstadt auf ihren Schreibtischen, weshalb die Notwendigkeit weiterer Hotelbetten am Neckar bezweifelt wird.

In der Stadtverwaltung und von Fraktionen des Gemeinderats wird dagegen ins Feld geführt, dass eine Belebung des Neckarufers mit einer Gastronomie nur in Verbindung mit einem Hotelbetrieb für einen Investor interessant sei. Dieser Zusammenhang wird dagegen von der Bürgerinitiative, die sich gegen den Verkauf des städtischen Geländes an den Reutlinger Investor ausspricht, bestritten.

Die Bürgerinitiative hatte Anfang des Jahres bereits 4 700 Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu einem Bürgerentscheid gesammelt. Mit einem abgeänderten Gemeinderatsbeschluss sah die Stadtverwaltung dieses Bürgerbegehren und somit die Abstimmung als abgewendet an. Die Bürgerinitiative hat dazu eine andere Meinung. Im neuen Beschluss sei zunächst zwar nicht mehr von einem Verkauf die Rede und er sehe zwar ein Mediationsverfahren vor, doch sei dieses nicht ergebnisoffen, wie von der Stadt dargestellt, weil dabei immer noch das Ziel eines Hotelbaus als gesetzt festgeschrieben werde. Die Bürgerinitiative will gerichtlich klären lassen, ob ihr Begehren mit den Unterschriften tatsächlich als abgewendet zu werten ist.

Dass es weitere Interessenten für einen Hotelbau am Neckar gab, bestätigte Philip Vetter aus der Nürtinger Gastronomen-Familie Vetter auf Anfrage. „Als ich hörte, dass dort ein Hotelbau möglich sein sollte, erkundigte ich mich bei Oberbürgermeister Otmar Heirich persönlich, wobei mir bedeutet wurde, dass ein Bau wegen der Hochwasserproblematik schwierig sei.“ In einer E-Mail an die Gemeinderatsfraktionen bestätigt Heirich das, er habe Vetter empfohlen, sich einen guten Architekten zu suchen.

Vetter hat in der Zwischenzeit entschieden, mit der Hauber-Gruppe zu kooperieren, die einen Hotelbau anstelle ihres ehemaligen Firmengebäudes an der Sigmaringer Straße gegenüber dem Hochschulneubau plant. In der E-Mail an die Fraktionen geht Heirich auch darauf ein. Heirich schreibt: „Herr Wolfram hat mir signalisiert, dass sich die beiden Hotelprojekte aus seiner Sicht nicht stören würden.“

Udo Wolfram ist jedoch lediglich der Projektsteuerer der Hauber-Gruppe. Philip Vetter mit seinem Studium des Tourismus- und Hotelmanagements im Hintergrund sieht das jedoch ganz anders: „Das liefe auf einen ruinösen Wettbewerb hinaus.“ Mit dem Projekt am Neckar bestünde die Gefahr, dass die ansässigen Hoteliers ins Hintertreffen geraten.

„Ruinöser Wettbewerb“

Dem Argument, es fehle an Zimmern, vor allem auch zu Zeiten von Messen auf den Fildern, hält Vetter konkrete Pläne für Hotelbauten auf dem Behr-Areal in Wendlingen und in Dettingen entgegen, „beides verkehrsgünstig gelegen“. Derzeit, so Vetter, gebe es in Nürtingen 270 Hotelzimmer. Mit seinen geplanten 80 Zimmern, weiteren rund 80 von Neveling und rund 30, die vom Hotel Pflum geplant seien, käme man auf eine Steigerung um 70 Prozent, was der Markt nicht verkrafte.

An die ansässigen Hotel- und Gaststättenbetreiber zu denken, ist auch der Appell von Werner Pflum. Bereits seit über zwei Jahren plane er einen Anbau an sein Hotel in der Steinengrabenstraße, doch seien ihm vom Landratsamt planerisch immer wieder Steine in den Weg gelegt worden. Seine Probleme seien dem Oberbürgermeister bekannt gewesen. „Aber aus dieser Richtung kam rein gar nichts und in der Zwischenzeit zähle ich auch nicht mehr auf dessen Unterstützung“, sagt er verbittert.

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