Zwischen Neckar und Alb

Ideenaustausch unter Freunden

Oberbürgermeister der israelischen Partnerstadt Givatayim macht Station im Kreis Esslingen

Wie organisiert man ein Bürgerbüro? Wie bindet man Bürger in die Stadtplanung ein? Zwei Fragen, die Ran Kunik, den Oberbürgermeister aus dem israelischen Givatayim, während seines Besuchs im Kreis Esslingen interessierten.

Givatayims Oberbürgermeister Ran Kunik (rechts) und Landrat Heinz Eininger im Freilichtmuseum Beuren, wo der Schulausschuss tagt
Givatayims Oberbürgermeister Ran Kunik (rechts) und Landrat Heinz Eininger im Freilichtmuseum Beuren, wo der Schulausschuss tagte. Foto: Jürgen Holzwarth

Kreis Esslingen. Am Mittwoch war Kunik in den Rathäusern in Esslingen und Denkendorf. Am Donnerstag nahm er an der Sitzung des Kultur- und Schulausschusses des Kreistags teil, die im Freilichtmuseum Beuren stattfand. Er habe in den letzten 48 Stunden viel über Städteplanung und Gemeindeführung erfahren, berichtete Kunik. Givatayim gehört zum Raum Tel Aviv, ist dicht besiedelt und hat kaum freie Flächen für den Wohnungsbau. Für dieses Problem hatte der israelische Rathauschef mit Esslingens Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht den richtigen Gesprächspartner gefunden. Auch die Organisationsform des Bürgerbüros in Denkendorf fand Oberbürgermeister Kunik spannend, weil auch seine Bürger stärker in der Lokalpolitik mitreden wollen, jedoch vorwiegend über Facebook.

Ran Kunik, seit eineinhalb Jahren Bürgermeister der Stadt mit 60 000 Einwohnern, kennt Deutschland, weil er als Jugendlicher mit der Tischtennis-Nationalmannschaft häufiger hier war. Im Kreis Esslingen ist er zum ersten Mal. Landrat Heinz Eininger kennt er aber von dessen Besuch voriges Jahr. Er habe hier jetzt „Freunde vorgefunden“, fühlte sich Kunik nicht als Fremder. In seiner Rede vor den Kreisräten versprach er, die Partnerschaft und Verbundenheit „zu erhalten und zu vertiefen“. Eckstein der Beziehungen bleibe jedoch die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse vor 70 Jahren. Auch der größte Teil seiner Familie wurde von den Nazis ermordet. Bei seinen Besuchen in den Schulen hier habe er positiv registriert, dass auch deutsche Jugendliche nach Polen reisten, um die Konzentrationslager zu sehen, nicht nur die israelischen Schüler.

Der Landkreis Esslingen fühle sich verpflichtet, sagte Landrat Eininger, jungen Leuten die historische Verantwortung zu vermitteln. Der Austausch mit Givatayim diene dem besseren Verständnis zwischen beiden Ländern. Eininger: „Israel zu verstehen, setzt voraus, dass man Israel gesehen hat.“

Auf dem Programm der Delegation standen zwei berufliche Schulen: die Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule in Kirchheim und die Phillip-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen. Beide pflegen einen intensiven Austausch mit Givatayim. In der Jugendmusikschule Nürtingen informierte sich OB Kunik außerdem über die außerschulische musikalische Erziehung. Musik bringen die Israelis quasi als Gastgeschenk mit: Die Jazzband der Thelma Yellin Highschool ist heute Nacht angekommen und hat mehrere Auftritte.

Die Jazzband der Thelma Yellin Highschool spielt am Sonntag von 11 bis 13 Uhr auf dem Killesberg (Café) und am Dienstag, 7. Juli, um 20 Uhr im Kircheimer Club Bastion.

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