Zwischen Neckar und Alb

Im Notfall sofort informiert

Notfallplan Es gibt nur noch wenige Warnsirenen im Landkreis Esslingen. Wenn es gefährlich wird, übernehmen deren Aufgabe nun Smartphone-Apps. Von Pia Hemme

Sie gehört zu einer aussterbenden Spezies: die Sirene auf der LImburghalle in Weilheim. Allerdings ist auch sie mittlerweile auß
Sie gehört zu einer aussterbenden Spezies: die Sirene auf der LImburghalle in Weilheim. Allerdings ist auch sie mittlerweile außer Funktion. Fotos: Markus Brändli

Auf dem Bildschirm des Smartphones ploppt eine Nachricht auf: „Amtliche Unwetterwarnung vor schweren Gewittern mit Sturmböen und Hagel.“ Wer eine Warn- App auf seinem Smartphone hat, wird rechtzeitig vor möglichen Gefahren in seiner Umgebung gewarnt. Aber nicht bloß über Unwetter, auch über Chemie- und Reaktorunfälle oder verunreinigtes Trinkwasser wird man benachrichtigt. Häufig wird im Radio, Fernsehen und Internet über Gefahren informiert. Mit der Sirene in der Hosentasche soll man kein mögliches Risiko verpassen - per App wie „Nina“ oder „Katwarn“, die an das Warnsystem des Bundes angeschlossen sind.

„Nina“ ist nur eine von vielen Anwendungen für das Smartphone, die dem Bevölkerungsschutz dient. Sie steht für „Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes“. Technischer Ausgangspunkt für „Nina“ ist das modulare Warnsystem des Bundes, das vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe entwickelt wurde. Renato Gigliotto, Pressesprecher des Ministeriums für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg, empfiehlt ausdrücklich, die App herunterzuladen. „Sie alarmiert die Bevölkerung bei Gefahren per Push-Meldung. Die Nutzer können bestimmte Orte auswählen, für die sie Warnungen erhalten möchten, oder auch an ihrem jeweils aktuellen Standort alarmiert werden.“ Neben den Warnmeldungen bietet „Nina“ auch Empfehlungen für richtiges Verhalten in Gefahrensituationen, erklärt Gigliotto.

„Das letzte Ereignis, das eine Warnung im Landkreis Esslingen erforderlich machte, war im Jahr 2017 in Kirchheim“, sagt Bernhard Dittrich, Leiter des Amts für Katastrophenschutz und Feuerlöschwesen. Bei einer Großbaustelle wurde versehentlich eine Abwasserleitung mit einer Frischwasserleitung angeschlossen. „Das hatte zwar keine weitreichenden Folgen“, sagt Dittrich, „doch die Bevölkerung wurde über Rundfunk, per Warn-App ‚Nina’, Facebook und über die Homepage der Stadt vorsorglich gewarnt, man solle Leitungswasser vor Gebrauch abkochen.“

Während des Kalten Krieges gab es noch keine Warn-Apps, dafür viele Sirenen im Landkreis Esslingen. Sie sollten die Bevölkerung bei möglichen Luftangriffen lautstark warnen. Nach aktuellem Stand existieren nur noch 43 Sirenen im Landkreis, so Bernhard Dittrich von der Katastrophenschutzbehörde. Zum Vergleich: Während des Kalten Krieges waren es 240. „Als dieser vorbei war, gab es die Ansicht, dass man die Sirenen nicht mehr unbedingt braucht.“ Gemeinden, die die Sirenen weiterhin behalten wollten, müssen seitdem selbst die Wartung übernehmen, so Dittrich. In Esslingen gebe es keine einzige Warnsirene mehr, in Ostfildern, Owen, Aichwald und Baltmannsweiler jeweils eine, sagt Dittrich.

Bevor aber irgendjemand von den Bürgern informiert wird, prüfen zuerst verschiedene Einheiten, wie gefährlich das Ereignis tatsächlich ist und über welche Kanäle die Meldung gestreut werden soll. Diese Absicherung sei deswegen so wichtig, damit es zu keinen Fehlmeldungen wie in Hawaii kommen könne, erklärt Dittrich. Dort wurde die Bevölkerung 38 Minuten lang im Glauben gelassen, dass nordkoreanische Raketen in wenigen Minuten bei ihnen einschlagen würden. Dabei war die Meldung falsch: Ein Mitarbeiter der Regierung soll laut Medienberichten auf einen falschen Knopf gedrückt haben.

Im Kirchheimer Fall informierte die Polizei das Gesundheitsamt im Landratsamt Esslingen und das Lagezentrum im Innenministerium über die falsch verbauten Wasserleitungen, sagt Dittrich. Nach dem sogenannten „Vieraugenprinzip“ prüfen die Kommunen oder der Landkreis sowie das Lagezentrum der Landesregierung die Gefahrenlage. Diese gibt das Ereignis als letzte Instanz über das satellitengestützte modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS) frei. Je nach Warnstufe wird die Bevölkerung per App, Rundfunk und Fernsehen informiert.

Und je nach Wichtigkeit des Ereignisses werden alle Sendungen unterbrochen oder das Geschehen in der nächsten Programmlücke ausgestrahlt. Bei weniger gefährlichen Ereignissen können die Medien selbst darüber entscheiden, wie sie mit der Situation umgehen wollen.

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