Zwischen Neckar und Alb

„Im Zimmer war es ganz still“

Köngener Kindermord-Prozess: Ein Kriminalbeamter berichtet, wie er die getöteten Kinder aufgefunden hat

Im Prozess gegen die Köngener Mutter, die ihre Kinder mit Messerstichen ermordet haben soll, ist einer der letzten Zeugen vernommen worden: Ein Beamter des Nürtinger Kriminal-Dauerdienstes war als Erster in der Tatwohnung.

Köngen. Wie an jedem Prozesstag vor dem Stuttgarter Schwurgericht wurde auch am dritten Verhandlungstag die Angeklagte in Handschellen in den Schwurgerichtssaal des Stuttgarter Landgerichts geführt. Die 41-Jährige sah nach der langen Prozesspause von nahezu drei Wochen recht erholt aus, hatte die Haare lang und offen frisiert und lachte sogar ihren Verteidiger an. Generell bleiben die Hände von Angeklagten in den Prozessen stets so lange gefesselt, bis das Gericht erscheint. Auch bei Frauen macht die Justiz hier keine Ausnahme – aus Sicherheitsgründen.

Der gestrige Verhandlungstermin dauerte allerdings nur eine gute halbe Stunde, ehe das Verfahren dann auf den 9. Juni vertagt wurde. Als Zeugen rief das Gericht den 41-jährigen Kriminalbeamten auf, der an jenem 1. November vergangenen Jahres Wochenenddienst hatte und gegen 14.30 Uhr zu der Tatwohnung nach Köngen gerufen wurde. Ihm wurde zunächst per Funk mitgeteilt, dass sich dort eine verletzte Frau befindet. Als er ankam, seien ein Notarztwagen und zwei Streifenfahrzeuge der Polizei bereits anwesend gewesen. Ein Mann – wie sich herausstellte, der Ehemann der Frau – sei hin und her gerannt und habe ständig nach seinen Kindern gerufen.

Noch sei nicht genau bekannt gewesen, was passiert war. Erst als der Kriminalbeamte vor dem Ehemann die Treppe in dem Gebäude hochging, in dessen Obergeschoss sich die Wohnung befand, sah er die Blutflecke. Als er dann durch die geöffnete Tür in das Kinderzimmer ging, sei auch ihm und einem zweiten Kollegen das Schreckliche gewahr geworden. Der Ehemann und Vater der beiden Kinder wurde am Betreten des Zimmers gehindert. „Im Zimmer war es ganz still“, sagte er den Richtern. In diesem Augenblick war es auch im Gerichtssaal sekundenlang absolut still.

Die beiden Kinder, so der Zeuge, seien in Rückenlage in den Betten gelegen, übersät mit Messerstichen am ganzen Körper. Die anwesende Notärztin stellte den Tod der Kinder fest. Danach war ihre Arbeit beendet.

Dafür begann die Arbeit der kriminalpolizeilichen Spurensicherung. Der Zeuge beendete seine Angaben mit der Bemerkung: „Ich ging dann wieder aus der Wohnung.“ Verständlicherweise hatte keiner der Prozessbeteiligten, weder das Gericht noch der Staatsanwalt und der Verteidiger, weitere Fragen an den Zeugen.

Der Prozess wurde auf Dienstag, 9. Juni, vertagt. An diesem Tag soll nach dem Gerichtsplan der psychiatrische Gutachter, der die angeklagte 41-jährige Mutter aus Köngen zu ihrer gesundheitlichen Situation am Tattag befragt hatte, vernommen werden.

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