Zwischen Neckar und Alb

In der Stadtmitte entsteht ein offenes Haus

Neubau Die evangelische Kirchengemeinde und die Bruderhaus-Diakonie bauen ein gemeinsames Zentrum.

Wendlingen. Nur der mit Tuffsteinen verkleidete rechteckige Glockenturm der Johanneskirche im Wendlinger Stadtzentrum steht noch. Das Kirchengebäude selbst ist abgerissen, auf dem Grundstück entsteht bis zum Frühjahr 2022 als gemeinschaftliches Bauvorhaben der evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen und der Bruderhaus-Diakonie ein Kombinationsgebäude aus Gemeindezentrum und Unterstützungs- und Wohnhaus für Menschen mit Behinderung. Der symbolische Spatenstich am Freitag markierte den Baustart.

„Wir wollen, dass an dieser Stelle Freiheitsräume entstehen, für uns als Kirchengemeinde und für die Menschen, die hier leben werden, Räume der Freiheit, in denen sich Menschen verwirklichen können“, sagte Pfarrer Peter Brändle am Freitag beim symbolischen Spatenstich für ein Bauvorhaben mit innovativem Charakter. Bis etwa April 2022 wollen die evangelische Kirchengemeinde und die Bruderhaus-Diakonie auf dem Grundstück der abgerissenen Johanneskirche gegenüber dem Rathaus in der Wendlinger Stadtmitte ein gemeinsames, dreigeschossiges Begegnungs- und Unterstützungszentrum mit knapp 2300 Quadratmetern Grundfläche errichten. Dort soll sowohl das Gemeindezentrum der Kirchengemeinde wie auch betreute Wohnungen der Bruderhaus-Diakonie für 23 Menschen mit Behinderung Platz finden.

Die Kirchengemeinde wendet rund 3,6 Millionen Euro für ihr neues Gemeindezentrum auf, die Bruderhaus-Diakonie inves­tiert rund 3,8 Millionen Euro in das Projekt. Das Gebäude sei bewusst als offenes Haus gedacht, in dessen Erdgeschoss sowohl Büros und Gruppenräume der Kirchengemeinde wie auch Räume für tagesstrukturierende Angebote für die Bewohner, Veranstaltungsräume für kirchliche Zwecke und private Feiern, Kunst und Kultur sowie große Begegnungsflächen für alle Wendlinger vorgesehen sind.

„Die Menschen, die hier ein neues Zuhause finden, erhalten Assistenz und Betreuung in kleinen Wohngemeinschaften und Apartments. Menschen mit Behinderung sollen selbstbestimmt und selbstverständlich teilhaben können“, sagte Ute Schwarzkopf-Binder, die Regionalleiterin Stuttgart der Bruderhaus-Diakonie.

Teilhabe wird ernst genommen

Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel stellte klar, dass die Stadt Teilhabe ernst nehme. Das Begegnungszentrum stelle einen „stadtbildprägenden Schlussstein“ an einem für die Stadtentwicklung wichtigen Ort dar, sagte er. Direkt beim zentralen St.-Leu-la-Forêt-Platz werde das Zentrum als offenes Haus gestaltet, das zeige, „dass wir Inklusion leben, dass das Leben in der Stadt mit den Menschen, die hier wohnen werden, noch bunter und vielfältiger wird“, betonte der Rathauschef Steffen Weigel.

Die Johanneskirche, um deren Erhalt oder Abriss in Wendlingen jahrelang „der eine oder andere Strauß ausgefochten“ wurde, wenngleich in „zumeist wertschätzender Auseinandersetzung“, wie Brändle und der Vorsitzende des Kirchengemeinderats Hans-Georg Class erzählten, wird nicht ganz in Vergessenheit geraten. Die Fassadenverkleidung aus Tuffstein und die Kirchenfenster wurden vor dem Abbruch ausgebaut und eingelagert und werden im neuen Zentrum wieder verwendet.Peter Stotz

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