Zwischen Neckar und Alb

In fremden Betten zu Hause

Haustausch Online-Börsen wie „Intervac“ oder „HomeLink“ finden immer mehr Anhänger. Familie Müller aus Lichtenwald ist begeistert von der ungewöhnlichen und kostengünstigen Form des Urlaubs. Von Moritz Osswald

Sein Haus mit unbekannten Menschen aus aller Welt tauschen - das ist sicherlich nicht für jeden die Wunschvorstellung eines erholsamen Urlaubs. Manche aber sind fasziniert von dieser Alternative zur Pauschalreise. Auch Steffen und Sonja Müller aus dem Lichtenwalder Ortsteil Hegenlohe. Das ist für sie mittlerweile eine gängige Art des Reisens geworden. Für sie spielt nicht nur die Kostenersparnis eine Rolle.

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Das Prinzip ist denkbar einfach: Zwei Haus- oder Wohnungsbesitzer tauschen ihr trautes Heim, um dann darin Urlaub zu machen. Der Tausch kann zeitversetzt oder zur selben Zeit stattfinden. Theoretisch ist so ein Tausch auf der ganzen Welt möglich. Der Kontakt entsteht über Online-Tauschbörsen wie „HaustauschFerien“, „Intervac“ und „HomeLink“. Dort meldet man sich an, zahlt jährlich einen Mitgliedsbeitrag von 50 bis 150 Euro und kann sich dann auf die Suche nach dem Urlaubstraum machen. „Gratis logieren - leben wie die Einheimischen - die Welt entdecken“, verspricht die Tauschplattform „Haustauschferien.com“. Nachdem sie sich über das Prinzip informiert hatten, packte die Müllers der Reiz des Neuen, des Unbekannten. Sie stellten ein Inserat ihrer Wohnung samt Garten online. „Wir hätten nie gedacht, dass sich irgendjemand dafür interessiert, auf einem kleinen Berg nahe Esslingen Ferien zu machen“, sagt Steffen Müller. So war auch ihre anfängliche Erfahrung: kaum Anfragen, kaum Antworten, die Euphorie war schnell getrübt. Die junge Familie wollte den Haustausch schon aufgeben. Doch dann kam eine Anfrage aus der Schweiz. Es folgte eine Woche Urlaub im beschaulichen Aarau im gleichnamigen Kanton. „Der Urlaub in der Schweiz war ein Volltreffer“, schwärmt Steffen Müller. Ohne Haustausch wären sie nie auf die Idee gekommen, dort Urlaub zu machen. Auch die Schweizer waren begeistert von dem „kleinen Berg nahe Esslingen“.

Haustausch basiert auf gegenseitigem Vertrauen. Die einzige Sicherheit, die man hat, ist das Pfand, in der Wohnung des anderen zu wohnen. Wem es danach ist, kann beim Tausch sein Hab und Gut wegsperren oder Freunden geben. „Ich glaube nicht, dass Leute daran interessiert sind, Zeugnisse von fremden Kindern zu lesen“, sagt Grundschullehrerin Sonja Müller. Ein gewisses Grundvertrauen sei jedoch notwendig. „Uns gibt es in Deutschland nun seit 1977. Es ist uns kein einziger Fall bekannt, in dem jemand etwas mutwillig zerstört oder gestohlen hat“, sagt Manfred Lypold von „HomeLink“ Deutschland. Als einzige Tauschorganisation bietet „HomeLink“ einen Garantiefonds für den Schadensfall.

Familienvater Müller räumt dennoch ein, vor jedem Tausch ein gewisses Kribbeln zu verspüren. Man habe zwar vorher die Fotos online gesehen, aber man wisse nie so ganz, wie es wirklich aussehe. Aber genau das macht für die beiden 39-Jährigen den Tauschurlaub so spannend. „Es ist schon auch der Reiz des Unbekannten“, sagt Elektroingenieur Müller.

Ein Motiv, das manche zum Haustausch bewegt, ist die Tatsache, dass bei dieser Form des Urlaubs die Kosten für die Unterkunft wegfallen. Je nach Urlaubsziel kann das den Geldbeutel ordentlich entlasten. Doch in so manch sauren Apfel muss man als Haustauscher beißen. „Kompromissbereitschaft sollte man auf jeden Fall zeigen“, sagt Steffen Müller. Anders als beim Pauschalurlaub kann man sich seine Wunschdestination oft nicht frei wählen.

Familie Müller ist aber nach wie vor fasziniert von dieser ungewohnten Art des Reisens. Ihre Wunschziele für die Zukunft: Island und die Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern.