Zwischen Neckar und Alb

Ins Rathaus zieht jetzt eine Firma ein

Wirtschaft Der Göppinger Gemeinderat gibt sein neues Verwaltungszentrum am Bahnhof frei. Dadurch erhält Teamviewer neue Möglichkeiten. Von Joa Schmid

Neues Rathaus am Bahnhof in Göppingen Tesm Viewer
Neues Rathaus am Bahnhof in Göppingen Tesm Viewer

Göppingen braucht Weltfirmen wie Teamviewer, daran lässt Oberbürgermeister Guido Till gar keinen Zweifel aufkommen. Wie schwierig die Situation für das im Jahre 2005 gegründete Unternehmen an seinem jetzigen Standort im ehemaligen Dienstleistungszentrum der Kreissparkasse geworden ist, darauf wies Firmenchef Oliver Steil kürzlich vor dem Göppinger Gemeinderat hin. Das rapide Wachstum des global agierenden Unternehmens, das ein Programm zur Fernwartung anbietet und weltweit auf 1,8 Milliarden Downloads verweisen kann, mache eine Erweiterung der Fläche dringend notwendig.

So wie es aussieht, können sich die rund 400 Mitarbeiter von Teamviewer in Göppingen auf einen Umzug im Jahr 2020 einstellen. Der Gemeinderat stimmte dem Verkauf des noch im Bau befindlichen Verwaltungszentrums direkt neben dem Bahnhof an die Göppinger Kreissparkasse grundsätzlich zu. Nur zwei SPD-Stadträte sprachen sich dagegen aus. Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, mit dem Käufer die finanziellen und inhaltlichen Eckdaten zu verhandeln. Über den konkreten Verkauf soll zugegebener Zeit entschieden werden.

Mit dieser positiven Entscheidung waren für Dr. Hariolf Teufel alle Voraussetzungen erfüllt, das Gremium samt der Stadtverwaltung am bevorstehenden Maientag auf einer Sänfte durch Göppingen zu tragen, wie er scherzhaft betonte. Der Vorstandschef der Göppinger Kreissparkasse meinte: „Es ist aller Ehren wert, dass die Stadt so etwas tut.“ Die Kreissparkasse wird der Stadt das 10 000 Quadratmeter große Gebäude beim Bahnhof abkaufen und zu marktüblichen Preisen an Teamviewer vermieten. Im Gespräch ist ein langfristiger Mietvertrag von zehn Jahren. „Wir zahlen alles, was die Stadt bisher ausgegeben hat“, betonte der Vorstandssprecher. Göppingen entstehe auf diese Weise keinerlei finanzieller Nachteil. Bisher war die Stadt nach Angaben von Oberbürgermeister Till von Kosten in Höhe von 25,5 Millionen Euro ausgegangen.

Eigentlich war geplant, dass Teamviewer in einen noch zu errichtenden Neubau auf dem Areal des früheren Unternehmens Müller-/Staufen-Pharmazie südlich des Schillerplatzes zieht. Doch die drei Jahre, die ein Neubau benötigen würde, dauerten dem Unternehmen zu lang. So sei der Gedanke, dass das neue Verwaltungszentrum der Stadt am Bahnhof helfen könnte, entstanden, berichtete Teufel.

Die Idee fand auch der Oberbürgermeister gut: „Damit schlagen wir mehrere Fliegen mit einer Klappe.“ Nicht nur, dass es auf diese Art gelinge, ein weltweit erfolgreiches Unternehmen in Göppingen zu halten - Gewerbesteuern und Arbeitsplätze inklusive. Man könne so zudem ein Sanierungsgebiet aufwerten und gleichzeitig das zweite in Angriff nehmen.

Tatsächlich möchte die Stadt Göppingen nun auf dem eigentlich für Teamviewer vorgesehenen Gelände ein neues Verwaltungszentrum bauen. Gedacht ist an ein dreiteiliges Konzept mit Räumen für Verwaltung, Wohnungen und Büroflächen. Guido Till zeigte sich zuversichtlich, dass bereits geflossene Sanierungsmittel des Landes relativ einfach in das Gebiet Bahnhofstraße umgeleitet werden können.

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