Zwischen Neckar und Alb

Jazz klingt durch die Stadt

Festival präsentiert vom 2. bis 16. September große Namen der internationalen Szene

Stars der internationalen Szene und junge deutsche Musiker geben sich vom 2. bis 16. September beim zweiten Esslinger Jazzfestival die Ehre.

Die Sängerin Beady Belle zählt zu den stärksten Stimmen des europäischen Jazz. Auf dem Hafenmarkt stellt sie ihr neues Album vor
Die Sängerin Beady Belle zählt zu den stärksten Stimmen des europäischen Jazz. Auf dem Hafenmarkt stellt sie ihr neues Album vor. Foto: Nilsen

Esslingen. Maximilian Merkle, der aus Esslingen stammt und mittlerweile beim internationalen Medienkonzern Universal Music in Berlin arbeitet, hatte das Festival im vergangenen Jahr aus der Taufe gehoben. Und weil das ebenso ambitionierte wie facettenreiche Konzept in Esslingen und weit darüber hinaus viel Anklang fand, gibt es in diesem Jahr ein Dacapo. Internationale Kooperationsprojekte stehen diesmal im Mittelpunkt des Programms. Zudem darf sich das Publikum auf vielversprechende Album-Premieren freuen. Für die hohe musikalische Qualität des Festivals bürgt neben dem Veranstalter auch der Schirmherr: Der Bassist Eberhard Weber, dessen Karriere in Esslingen begonnen hatte, zählte jahrzehntelang zu den Stars der internationalen Jazzszene.

Große Namen wie John Scofield, Pablo Held, Marcin Wasilewski, Beady Belle, Avishai Cohen oder Jacob Collier zieren diesmal das Programm des Esslinger Jazzfestivals. Doch das ist nur die eine Seite des Konzepts. Maximilian Merkle und seine Mitstreiter haben auch den Nachwuchs fest im Blick: Um junge Jazzer zu fördern, haben sich die Veranstalter in diesem Jahr für einen besonderen Schwerpunkt entschieden: Während der Festivaltage bieten erfahrene Dozenten Workshops an. Dort soll der Jazznachwuchs ein eigenes Programm erarbeiten, das anlässlich des Konzerts von Jacob Collier im Schauspielhaus der Württembergischen Landesbühne präsentiert wird. Und wer sich auch auf theoretischer Ebene mit dem Jazz und seinen Machern beschäftigen möchte, ist bei zwei Gesprächsrunden im Markt der Alten Zimmerei an der richtigen Adresse.

Die Musiker werden auch in diesem Jahr an verschiedenen Spielstätten in der historischen Altstadt zu hören sein. Das Festival wird mit einem Open-Air-Wochenende auf dem Hafenmarkt eröffnet und zieht dann weiter ins Schauspielhaus der Württembergischen Landesbühne. Die Abende klingen jeweils mit Jamsessions im legendären Jazzkeller aus, bei denen die Festival-Stars in intimer Atmosphäre erneut die Bühne betreten. Wie reizvoll das sein kann, durfte das Publikum bereits im vergangenen Jahr erleben. Unvergessen ist jener Abend, an dem der Trompeter Roy Hargrove mit seiner Band die Instrumente erst in den frühen Morgenstunden zur Seite legte – sehr zur Freude der angereisten Jazz-Liebhaber.

Maximilian Merkle möchte sein Festival dauerhaft in Esslingen etablieren – ganz im Sinne einer Stadt, die auf eine reiche Jazztradition zurückblickt. Neben Jazzkeller, Dieselstraße und der sommerlichen Konzertreihe beim Dulkhäusle ist die Esslinger Szene mit dem Jazzfestival nun um eine Attraktion reicher. „Das Festival will keine Konkurrenz zu Bestehendem sein, sondern eine interessante Ergänzung der bestehenden Jazz-Infrastruktur der Stadt“, versichert Merkle.

Fahrplan für das Festival

2. September: Eröffnet wird das Festival vom Volker Engelberth Trio, das ab 19  Uhr Open Air auf dem Hafenmarkt spielt. Die Musik des Landesjazzpreisträgers ist von modernem europäischem Jazz ebenso beeinflusst wie von klassischer und folkloristischer Musik. Mit dem Marcin Wasilewski Trio ist danach eines der herausragenden europäischen Piano-Trios auf dem Hafenmarkt zu hören. Um 23 Uhr beginnt eine Jamsession im Jazzkeller in der Webergasse. 3. September: Der Weltklasse-Jazzer Eberhard Weber und sein Kollege Wolfgang Fuhr unterhalten sich ab 16.30 Uhr im Markt der Alten Zimmerei, Abt-Fulrad-Straße 2, über ein Leben für den Jazz. Weiter geht es am Samstag um 19 Uhr auf der Open-Air-Bühne am Hafenmarkt, wo zunächst das Mathias Eick Quintett zu hören ist, ehe die norwegische Sängerin Beady Belle ihr neues Album „On my own“ vorstellen wird. Und für jazzbegeisterte Nachtschwärmer beginnt um 23  Uhr eine Jamsession im Jazzkeller in der Webergasse. 4. September: Fabian Goppelsröder moderiert ab 16.30 Uhr im Markt der Alten Zimmerei ein Jazzgespräch mit der Kultursoziologin Silvana Figueroa-Dreher und dem Philosophen Dieter Mersch über Improvisation im Jazz, in den Künsten und im Alltag. Weiter geht’s um 19 Uhr auf der Open-Air-Bühne am Hafenmarkt mit der Gruppe Subtone. Anschließend ist dort das Avishai Cohen Quartett zu hören: Der Namensgeber dieses Ensembles hat sich als multikultureller Jazzer einen Namen gemacht, der seine musikalische Finesse im Zusammenspiel mit Yonathan Avishai (Piano), Yoni Zelnik (Bass) und Nasheet Waits (Schlagzeug) perfekt zum Ausdruck bringt. 9. September: Mit dem Pablo Held Trio wird sich eine der lebendigsten und bedeutendsten Formationen des europäischen Jazz erneut in Esslingen präsentieren – am Saxofon werden die drei Musiker begleitet von Chris Potter. Eröffnet wird das Konzert, das um 19  Uhr im Schauspielhaus der Württembergischen Landesbühne beginnt, vom Jochen Rückert Quartett, das an diesem Abend vom Saxofonisten Mark Turner verstärkt wird. Und um 23  Uhr beginnt wieder eine Jamsession im Jazzkeller in der Webergasse. 10. September: Der Sänger und Multiinstrumentalist Jacob Collier gehört zu den vielseitigsten Klangkünstlern dieser Zeit. In seiner Musik vereint er Jazz, Folk, Trip-Hop, Klassik, Latin, Gospel, Soul und Improvisationen. In der WLB präsentiert er ab 19 Uhr sein Debütalbum „In My Room“. Zuvor präsentiert die Festivalband ihr eigens für diesen Abend gestaltetes Programm. 16. September: Grammy-Gewinner John Scofield feiert beim Jazzfestival die Weltpremiere seines Programms „Country for old Men“. Das Konzert beginnt um 20 Uhr im Stuttgarter Theaterhaus. am

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