Zwischen Neckar und Alb

„Jeder dritte Betrieb hat Kurzarbeit“

Arbeitsmarkt Die Zahl der Menschen ohne Job steigt im April rasant an. Rund 7800 Betriebe haben im März und April Kurzarbeit für rund 130 000 Beschäftigte angezeigt.

Die Coronakrise ist auch auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Symbolfoto: Carsten Riedl
Die Coronakrise ist auch auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Symbolfoto: Carsten Riedl

Die Corona-Pandemie ist auf dem Arbeitsmarkt angekommen“, sagt Thekla Schlör, die Leiterin der Göppinger Arbeitsagentur, zu der auch der Landkreis Esslingen gehört. „Statt einer Frühjahrsbelebung müssen wir den stärksten Zuwachs der Arbeitslosenzahl binnen Monatsfrist berichten.“ Die Zahl der Arbeitslosen ist in Baden-Württemberg deutlich gestiegen, im Bezirk Göppingen/Esslingen lag der Anstieg sogar etwas über dem Durchschnitt. Insgesamt waren im Monat April im Bezirk der Arbeitsagentur 18 814 Frauen und Männer ohne Arbeit gemeldet, davon 11 913 Personen im Landkreis Esslingen.

Die Arbeitslosenquote­­­ stieg im Bereich der Arbeitsagentur Göppingen um 17,1 Prozent von 3,6 Prozent im März auf 4,2 Prozent im April. Zum Vergleich: In Kirchheim stieg die Arbeitslosenquote auf 4,0 Prozent, damit liegt die Teckstadt gleichauf mit dem Landkreis Esslingen, aber unter dem Schnitt des gesamten Bezirks.

Im Bezirk ist aber nicht nur die Zahl der Arbeitslosen sondern auch der Menschen in Kurzarbeit gestiegen. „Etwa jeder dritte Betrieb hat Kurzarbeit angezeigt. Unternehmen aller Branchen und Größen sind betroffen. Ohne den Einsatz des Kurzarbeitergeldes würde die Arbeitslosigkeit noch sehr viel deutlicher steigen“, betont Thekla Schlör. „Die Unsicherheit bei den Unternehmen ist allerdings enorm. Die Dauer dieser Krise wird darüber entscheiden, wie gut es mit den vielen staatlichen Programmen gelingt, diese schwierige Zeit für Beschäftigte und Unternehmen zu überbrücken“, fügt sie hinzu.

Die Zahlen zur angezeigten Kurzarbeit zeigen eine klare Tendenz: Im April zeigten 4292 Betriebe Kurzarbeit für 79 421 Arbeiter an. Im März waren es noch 3489 Unternehmen für 50 597 Beschäftigte. Das bedeutet aber noch nicht, dass die Kurzarbeit auch durchgeführt wird. „Die Situation stellt uns als Arbeitsagentur und Jobcenter vor eine riesige Herausforderung. Wir setzen unser Personal vorrangig ein, um die Auszahlung der finanziellen Leistungen an Betriebe, Arbeitslose und Bildungsträger zu sichern“, sagt Schlör.

Bei allen Altersgruppen ist die Zahl der Menschen ohne Arbeit gestiegen, am stärksten bei den unter 25-Jährigen: 1985 Arbeitslose zwischen 20 und 25 Jahren meldet die Arbeitsagentur, das sind rund 24 Prozent mehr als im Vormonat. Im Vergleich zum April 2019 sind es sogar 51 Prozent mehr.

Auch weniger Jobangebote gibt es im Bezirk Göppingen: Nur noch 6392 offene Stellen meldete die Agentur für April, das sind 11,3 Prozent weniger als im März, im Vergleich zum Vorjahr 4446 Stellen weniger. Ähnlich sieht es bei der Ausbildung aus: Seit Oktober 2019 sind 4948 Plätze gemeldet worden, 7,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. leba/zap/pm

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