Zwischen Neckar und Alb

Jeder schlug nur noch um sich

Justizfall Im Prozess um die Wernauer Messerstecherei sorgen Zeugenaussagen nicht für die erhoffte Klarheit.

Wernau. Zeugen reden von einem „Knäuel“. Eine Menschenmenge hatte sich am Vormittag des 25. Juni letzten Jahres vor einem Imbiss in der Kirchheimer Straße in Wernau mit Eisenstangen geschlagen und mit Messern schwer verletzt. Noch ist in dem Prozess am Stuttgarter Landgericht unklar, wer für die schweren Stichverletzungen zweier Menschen verantwortlich ist.

Jeder Zeuge weiß etwas. Ob richtig oder falsch, das ist die Grundfrage in diesem Verfahren gegen zwei 33- und 52-jährige Männer vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts. Nahezu vier Wochen verhandeln die Richter den Fall jetzt. Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung (wir berichteten). Immerhin kam es bei der Auseinandersetzung zu Rippenbrüchen, offenen, bis zu zehn Zentimeter langen Wunden an Köpfen und zu lebensbedrohlichen Stichverletzungen an Bauch und Armen.

Zeugen sind sich nicht sicher

Nun haben die Stuttgarter Richter inzwischen nicht nur die beiden Beschuldigten, sondern auch zahlreiche Zeugen vernommen. Einer, der unweit des Geschehens in der Kirchheimer Straße wohnt, hatte die Schlägerei beobachtet.

Doch wie viel Personen waren an der Schlägerei wirklich beteiligt? Keiner der Zeugen konnte dies bislang genau sagen. Der am Ende des Verhandlungstages vernommene Zeuge spricht von einem „Knäuel“ von Menschen, die sich auf der Straße prügelten. Er sah die Eisenstangen, von denen auch er als anfänglicher Zaungast einen Schlag auf den Arm abbekommen habe. Er sah auch Messer, aber er sah nicht, wer auf wen eingestochen hat. Und er sah letztlich die am Boden liegende, blutende 42-jährige Frau mit Stichverletzungen. Auch ihr 14-jähriger Sohn war lebensgefährlich verletzt. Ein anderer Zeuge hatte berichtet, dass eine der Eisenstangen nach dem Vorfall verbogen gewesen sei.

Das Knäuel, wie es der zuletzt vernommene Zeuge beschreibt, bestand aus sehr vielen Beteiligten. Es sei ein „Heilloses Durcheinander“ gewesen. Alle schlugen um sich. Der Zeuge sagte aus, dass er sich um die schwerverletzte Frau gekümmert habe. Was der Auslöser der gewaltsamen Auseinandersetzung war, das habe er nicht definieren können.

Die beiden Angeklagten machen übrigens Notwehr geltend. Nach ihrer Meinung seien sie zuerst angegangen worden. Diese Erklärung kam bereits schon am zweiten Prozesstag vonseiten der Anklagebank. Noch bleiben also viele Fragen offen. Die Verhandlung wird am 19. Februar fortgesetzt. Bernd Winckler

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