Zwischen Neckar und Alb

Jüdischer Geschichte auf der Spur

Kultur Sieben Komponistinnen und Komponisten haben für das Podium-Festival einen Soundwalk fürs Handy entwickelt.

Esslingen. Zum Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ entwickelt Podium Esslingen einen Soundwalk. Sieben Komponistinnen und Komponisten gehen im Rahmen des Festivals ab dem 15. Juli mit elektro-akustischen Stücken auf Spurensuche. Das Projekt ist auf Esslingen zugeschnitten.

Die Recherchearbeit hat nach den Worten von Projektleiterin Pamina Rottok bereits begonnen. Am Montag, 7. Juni, kommen die Künstlerinnen und Künstler für eine einwöchige Residenz nach Esslingen. „Entlang historischer wie gegenwärtiger Orte jüdischen Wirkens entsteht ein eindrücklicher musikalischer Parcours, der über das eigene Smartphone jederzeit und zeitsouverän erlebbar ist“, beschreibt Rottok das Konzept für das Projekt im Esslinger Stadtraum.

Die Eröffnung findet im Rahmen des diesjährigen Podium-Festivals vom 15. bis 25. Juli statt. Das besondere musikalische Format zwischen Komposition, Radio­kunst und Mashup-Kultur sowie das innovative Rezeptionsformat soll nach Rottoks Worten „neue künstlerische Experimentierräume öffnen und dabei ungewöhnliche Perspektiven auf jüdisches Leben ermöglichen“.

Recherchen auf der Straße

Einer dieser Orte wird Esslingen sein. In den vergangenen neun Jahrhunderten wurde jüdische Präsenz in Esslingen mehrfach ausgelöscht und immer wieder neu begründet. Diese Geschichte und die Gegenwart zwischen Kreativität und Alltag, Resilienz und Bedrohung, sind Basis der künstlerischen Beiträge. Im Gespräch mit Experten und Menschen aus der jüdischen Community, im Archiv und auf der Straße recherchiert die Dramaturgin Lena Fritschle zur jüdischen Gemeinde. „Im Rahmen der Residenz entstehen klanglich-dokumentarische Werke, in denen biografische Fragmente und Assoziationen sowie aktuelle Bezüge mit elektroakustischer Musik verwoben werden“, erläutert Rottok den Schaffensprozess. So entstehen sieben Episoden zu sieben Stationen. Später werden diese auf dem Smartphone der Nutzerinnen und Nutzer an den ausgewählten Orten der Innenstadt zu hören sein. Die Esslinger Jüdische Gemeinde hat heute etwa 250 Mitglieder. Ihre Synagoge ist das 1819 erworbene Fachwerkhaus „Im Heppächer“. Da sich in Deutschland verstärkt ein offen gelebter Antisemitismus zeigt, will das Projekt dem entgegenwirken. Mit einem auf Kinder und Jugendliche zugeschnittenen Podcast will es auch Schulen erreichen.Elisabeth Maier

1 Weitere Informationen zum Programm und den Inhalten unter www.podium-esslingen.de

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