Zwischen Neckar und Alb

Jungbauern starten voller Zuversicht

Landwirtschaft Ein Traum, der sich endlich erfüllt: Matthias und Johanna Schöllkopf aus Denkendorf bauen für rund eine Million Euro einen neuen Biobauernhof. Die ersten 300 Hühner sind bereits da. Von Roland Kurz

Familie Schöllkopf auf der Bodenplatte, wo nun der Stall gebaut wird. Links soll das Wohnhaus seinen Platz finden. Foto: Roberto
Familie Schöllkopf auf der Bodenplatte, wo nun der Stall gebaut wird. Links soll das Wohnhaus seinen Platz finden. Foto: Roberto Bulgrin

Jeder dritte Bauernhof in Deutschland hat in den vergangenen 20 Jahren aufgegeben. Baden-Württemberg und Bayern sind vom Höfesterben besonders betroffen. Und was passiert auf einem Feld zwischen Denkendorf und Neuhausen? Dort bauen Matthias und Johanna Schöllkopf einen neuen Bioland-Hof, investieren rund eine Million Euro und sind voller Zuversicht. „Für mich ist es der schönste Beruf“, sagt der 37-Jährige Landwirt, der als gelernter Zimmermann vor allem auf seine Eigenleistung setzt. Seine Frau Johanna, 33, hält gerade den elf Monate alten Samuel im Arm, den Jüngsten von drei Buben, und bekräftigt: „Es war schon immer unser Traum, einen Bauernhof zu führen.“ Wen wundert es, dass sich die beiden auf einem Hof kennengelernt haben. Als Jugendlicher, so erzählt Matthias Schöllkopf, habe er seine komplette Freizeit auf dem Henzler-Hof verbracht - jener Hof, auf dem seine Frau sich um die Pferde kümmerte.

Der neue Hof oberhalb des Erlachsees ist nicht der erste Hof der Schöllkopfs. Mit seiner Frau pachtete der Zimmermann, der 2006 die Abend-Fachschule für Nebenerwerbs-Landwirte besucht hatte, einige Jahre eine Hofstelle in der Nähe des Denkendorfer Klosters. Ende 2018 lief der Vertrag aus. Der passgenaue Umzug in den neuen Hof klappte leider nicht so wie geplant. Übergangsweise wohnt das Paar in einem Haus im Wohngebiet Lange Äcker und vom neuen Hof ist bisher nur die große Lagerhalle mit Kühlraum fertig. Die hat Matthias Schöllkopf in den vergangenen zwei Jahren erstellt, mehr oder weniger allein, ein paar Freunde und die Familie haben geholfen. Vom Stallbau versteht der 37-jährige etwas, denn seit 2011 hat er die Firma MS-Stalltechnik geführt und vor allem Pferdeboxen gebaut. Der Pachthof lief nebenbei.

Jetzt steht Schöllkopf auf der Betonplatte, wo demnächst die Holzkonstruktion für den Kuhstall aufgestellt werden soll, genauer gesagt: ein Stall mit Heulager, Verkaufsraum, Backraum, Eierpackstelle und Fleischverarbeitung. Drei Kühe und zwei Kälber vom alten Hof stehen noch in der Halle zwischen den Traktoren. Im neuen Stall will Schöllkopf 15 Mutterkühe halten, mit der Nachzucht sollen es 40 Angusrinder werden. Das reiche, um monatlich ein Tier schlachten zu lassen. In drei Buchten werden 24 Schweine einziehen - für ein halbes Jahr, dann sind sie schlachtreif. Die dürften bei ihm auch 150 Kilo wiegen, meint der Bauer, geschlachtet werde, wenn der Laden Nachschub brauche. Ob sich die Mutterkühe lohnen, da ist sich Schöllkopf nicht sicher, aber Tiere gehören für ihn einfach auf den Hof und ihr Fleisch bereichert das Verkaufssortiment. Nicht zu vergessen der Mist, der zur Kreislaufwirtschaft eines Biohofs gehört.

Wohnen und arbeiten vereinen

Vorletzte Woche wurden 300 Hühner geliefert. Ihr Zuhause ist das Hühnermobil, autark durch einen Futterautomaten und das Solarpaneel. Rund 60 000 Euro hat die fahrbare Unterkunft gekostet. Tagsüber können die Hennen und die fünf Hähne durch eine Klappe auf die umzäunte Wiese spazieren. Die ersten Eier liegen schon im mit Spelzen gefüllten Legefach. Doch fürs Ostergeschäft reicht es nicht mehr, weil die Hühner noch in der Eingewöhnungsphase sind. Das Häuschen mit dem Verkaufsautomaten stünde bereit.

Auf dem gutem Filderboden wird der Gemüseanbau ein wichtiges Standbein sein. Zucchini, Blumenkohl, Wirsing, Kartoffeln und Kürbis sollen auf den 3,5 Hektar angepflanzt werden. Um die Pflanzmaschine zu besetzen, will Schöllkopf einige Hilfskräfte auf 450-Euro-Basis einstellen. Aber die Ernte will er so weit wie möglich eigenhändig erledigen. Für den Getreideanbau kooperiert Schöllkopf mit seinem Kollegen Rommel im Körschtal.

Ein neues Wohnhaus braucht die Familie Schöllkopf auch. Es kommt zwischen Lagerhalle und Stall. Weil im Außenbereich gebaut wird, wird die Freigabe erst erteilt, wenn das Dach auf dem Stall drauf ist. Ende Mai soll das geschehen und Anfang 2021 soll das Fertighaus bezugsfertig sein. Dann sind Wohnen und Arbeit wieder vereint.

Und was macht der Landwirt zur Entspannung? Matthias Schöllkopf ist im Denkendorfer Gemeinderat. „Da kann ich früher Feierabend machen, komme runter und es ist eine Abwechslung.“ Der letzte Urlaub? Liegt schon viele Jahre zurück. Eine Woche Mallorca hat sich das junge Paar damals genehmigt.

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