Zwischen Neckar und Alb

Jungmusiker leben den digitalen Traum

Musik Für ein Projekt des Kreisjugendblasorchesters Esslingen haben insgesamt 130 Kinder und Jugendliche aus 22 Vereinen zu Hause für ein gemeinsames Video gespielt. Von Thomas Krytzner

Lena Seyfang, Benedikt Strambach und Judith Blank (von links) musizieren mit Abstand. Foto: Thomas Krytzner
Lena Seyfang, Benedikt Strambach und Judith Blank (von links) musizieren mit Abstand. Foto: Thomas Krytzner

Corona macht auch vor der Blasmusik nicht halt: Die Vereine im Landkreis dürfen noch nicht gemeinsam proben, die geplanten Feste fallen aus und so langsam fällt den Musikern die Decke auf den Kopf. Genau so ging es auch dem Kreisjugendblasorchester Esslingen, wie die Vorsitzende, Katja Landhäußer bestätigt: „Wir hatten für 2020 einige Projekte mit dem Orchester geplant. Es sollte ein Probenwochenende, ein Wertungsspiel und eine Uraufführung geben, doch nach der ersten Probe in Nürtingen war alles vorbei. Corona machte uns einen Strich durch die Rechnung.“

Da die Orchesterbesetzung mit den Jungmusikern bereits bestand, überlegte sich Landhäußer gemeinsam mit Dirigent Julien Meisenzahl, wie man den Betrieb dennoch aufrechterhalten kann. „Rasch entschieden wir uns, die digitalen Medien zu nutzen und dabei kam uns die Idee mit dem gemeinsamen Konzert als digitales Jugendorchester.“ Der Titel stand bereits fest: „Leb‘ deinen Traum“ von Hidenori Chiwata und Cher Watanabe. Das Stück wurde bereits für die Geburtstagsfeier des Verbandspräsidenten des Blasmusikverbands Esslingen, Markus Grübel, einstudiert.

Der Aufruf in den sozialen Medien, dass junge Musiker ihr eigenes Video aufnehmen und einschicken sollen, fand eine überraschend hohe Resonanz. Katja Landhäußer ist überwältigt: „Wir hätten niemals mit so vielen Rückmeldungen gerechnet, aber am Schluss hatten 130 Kinder ihre Musikvideos eingeschickt.“ Für Dirigent Julien Meisenzahl hieß dies mehrere Wochen und insgesamt rund 100 Stunden Arbeit: „Zuerst musste ich die Videos und Tonspuren sichten, anschließend ging es ans Schnittpult, um Ton und Bild zusammen zu bringen.“

Mehrere Anläufe sind nötig

Für die 13-jährige Lena Seyfang aus Neckartailfingen war sofort klar, dass sie beim Projekt mitmacht. Normalerweise spielt sie bei der Jugendgruppe des Musikvereins Neckartailfingen. Da aber seit Wochen keine Proben mehr stattfinden, freute sich Lena über die Abwechslung. „Die Musik ist mein Leben, ich spiele nebst Bariton auch noch Trompete und Cello, mir fehlt das Vereinsleben.“ Für die Aufnahme des Videos hatte sie eine Anleitung und Musikdatei erhalten.

Benedikt Strambach hat über eine WhatsApp-Gruppe vom digitalen Orchester erfahren und war sofort Feuer und Flamme. „Das geforderte Stück ist sehr dynamisch und spritzig. Ein Lied voller Freude, also genau richtig in der trüben Corona-Zeit.“ Da Strambach Perfektionist ist, hat er Ton und Video separat aufgenommen. „Damit konnte Dirigent Meisenzahl besser abmischen“, erklärt der 20-Jährige. Auch für ihn war es ungewohnt, ohne Orchester zu spielen. „Da hört man jeden schrägen Ton, jedes Geräusch“, sagt Strambach.

Judith Blank aus Frickenhausen war vom Konzert auf Distanz begeistert. Für die 19-Jährige war die Aufnahme eine Herausforderung: „Man hört zwar den Takt und Musik im Ohr, aber spielen, ohne dass drumherum etwas ist, ist ungewohnt.“ Judith Blank spielte das Stück auf dem Saxofon. „Damit war es gut spielbar. Es war zwar anspruchsvoll, aber auch für jüngere Musiker geeignet.“

Auf der Plattform Youtube ist das Video zu sehen unter dem Link www.youtube.com/watch?v=rCbBbqS4WVg

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