Zwischen Neckar und Alb

Kampf um Erhalt der Johanneskirche

Neubau Wendlingens Alt-Bürgermeister Hans Köhler versucht trotz des gescheiterten Bürgerentscheids den Abriss der Kirche doch noch zu verhindern. Die Gemeinde arbeitet bereits am neuen Bebauungsplan. Von Elisabeth Maier

Der Zeltdach-Bau der Johanneskirche in der Albstraße soll abgerissen werden.Foto: Roberto Bulgrin
Der Zeltdach-Bau der Johanneskirche in der Albstraße soll abgerissen werden.Foto: Roberto Bulgrin

Der geplante Abriss der Johanneskirche in Wendlingen rückt näher. Derzeit ist ein Bebauungsplan für das Areal in der Stadtmitte schräg gegenüber des Rathauses in Arbeit. Anstelle des Kirchenbaus mit der Zeltdach-Architektur will die evangelische Kirche ein Gemeindezentrum mit einem inklusiven Wohn- und Tagesprojekt der Bruderhaus-Diakonie bauen. Pfarrer Stefan Wannenwetsch rechnet damit, dass die Arbeiten für das Großprojekt Anfang nächstes Jahres beginnen. Um den Abriss doch noch zu verhindern, hat sich der ehemalige Wendlinger Bürgermeister Hans Köhler nun in einem offenen Brief an Landesbischof Frank July und an den Nürtinger Dekan Michael Waldmann gewandt.

Ein Bürgerentscheid, den zwei Initiativen angestoßen hatten, erreichte im November 2016 nicht das erforderliche Quorum. 14,7 Prozent der Stimmberechtigten (1 829 Stimmen) hatten mit „Ja“ gestimmt, die Stadt möge sich bei der evangelischen Kirchengemeinde für die Erhaltung der Kirche einsetzen. Zwölf Prozent (1 490 Stimmen) sagten „Nein“. Damit hatte keine der beiden Seiten das erforderliche Quorum von 20 Prozent erreicht. Danach brachte der Gemeinderat den Bebauungsplan für das Areal auf den Weg.

Die Entscheidung der evangelischen Kirche für den Abriss der Kirche in Unterboihingen hat aus der Sicht Köhlers „zu einer tiefen Spaltung und Zerrissenheit unter den evangelischen Gläubigen in unserer Stadt geführt“. Köhler kämpft nun weiter um das Kirchengebäude „mitten in der Stadt“, das eine große symbolische Kraft habe. In einer Zeit, da die Gesellschaft immer kirchenferner werde, betrachtet er es als ein fatales Zeichen „der Schwäche und des Rückzugs“, wenn die Kirche jetzt aus dem Zentrum verschwände. Das Verfahren sei „ausschließlich von immobilienwirtschaftlichen Daten geprägt“. Köhler appelliert an die Verantwortlichen, auch emotionale Aspekte in Erwägung zu ziehen. Deshalb appelliert er an Bischof July und Dekan Waldmann, den Kirchenbau zu erhalten und über eine Mehrfachnutzung nachzudenken.

„Wir haben die Aspekte lange und sehr sorgfältig abgewogen“, erinnert Pfarrer Wannenwetsch an den Diskussionsprozess, der den Abrissplänen vorausging. Er verteidigt das Projekt für ein Gemeindezentrum in Kooperation mit einem Wohnprojekt für behinderte Menschen, dessen Träger die Bruderhaus-Diakonie sein wird. „So lässt sich der Betrieb des Gebäudes auch auf Dauer finanzieren.“ Die Gutachten, mit denen die Kirchengemeinde Optionen für einen Erhalt oder für einen Umbau der bestehenden Kirche prüfen ließ, hätten ergeben, dass der Betrieb des bestehenden Kirchenbaus nicht wirtschaftlich sei.

Finanzielle Aspekte sieht Wannenwetsch erst in zweiter Linie. „Das Gemeindezentrum soll zum Ort der Begegnung werden.“ So ließen sich Menschen mit Behinderung gut integrieren. Der Theologe verlässt die Wendlinger Gemeinde mit seiner Frau Ute Biedenbach zum Sommer und wechselt in den Schwarzwald. Den von Köhler beschworenen „Riss in der Gemeinde“ sieht er nicht. Seit dem Bürgerentscheid sei es „ruhiger geworden“ um das Thema. Da verweist er auf den demokratischen Entscheidungsprozess.

Dass die evangelische Kirchengemeinde den Beschluss für den Neubau des Gemeindezentrums gefasst habe, stellt Bürgermeister Steffen Weigel klar. „Die Diskussionen sind geführt und abgeschlossen“, sagt der Verwaltungschef. Für den Bebauungsplan „Zwischen den Ortslagen Wendlingen und Unterboihingen“ hat der Gemeinderat im März den Aufstellungsbeschluss gefasst. Das Planwerk wird nach Weigels Worten erneut ausgelegt und wird im September wieder Thema im Gemeinderat. Bedenken und Anregungen der Abrissgegner, die sich auf den Bebauungsplan beziehen, werde man „in aller Sachlichkeit“ bearbeiten. Einem Baubeginn im Frühjahr 2020 steht nach Weigels Worten seitens der Stadt nichts im Wege.

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