Zwischen Neckar und Alb

Kandidaten sind in der Warteschleife

Wahl Die SPD legt die Entscheidung über die Bundestagskandidatur auf Wiedervorlage. Von Thomas Schorradt

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Kreis. Die SPD hat die Entscheidung darüber, wer die sozialdemokratischen Farben zur Bundestagswahl 2021 im Wahlkreis Esslingen vertreten soll, auf das Frühjahr verschoben. Ursprünglich war die Kandidatenkür für heute im Kubino in Ostfildern geplant.

„Wir mussten den Nominierungsparteitag verschieben. Eine Vollversammlung, zu der bestimmt rund 100 Mitglieder gekommen wären, verbietet sich in Corona-Zeiten“, begründet der SPD-Kreisvorsitzende Michael Beck die Absage. Zumal auch die Zeit nicht mehr drängt. Die Landespartei wird zu ihrem ursprünglich am 24. Januar geplanten Lis­tenparteitag ebenfalls erst wieder im Mai einladen.

„Wir hoffen, dass es, wenn die Impfungen Wirkung zeigen, wieder möglich ist, eine Versammlung vor Ort durchzuführen“, sagt Beck. Allerdings dürfte die sozialdemokratische Fieberkurve auch ohne Pandemie-Zutun bis zum Tag der Entscheidung weiter steigen. Bei der Wahl der Kandidaten, die sich für ein Mandat im Deutschen Bundestag bewerben wollen, steht die Basis vor einer Richtungsentscheidung. Neben der vom SPD-Kreisvorstand als Favoritin ins Rennen geschickten Argyri Paraschaki aus Esslingen hat der Kreisvorsitzende der Jungsozialisten, Daniel Krusic, seinen Hut in den Ring geworfen. Krusic ist 22 Jahre jung.

Der Bewerber, der sich als Mitbegründer des Jugendgemeinderats in Leinfelden-Echterdingen erste politische Meriten erworben hat, will denn auch im Wahlkampf bewusst auf seine Jugend setzen. Dabei kann er sich auf die Rückendeckung des Juso-Kreisverbandes verlassen. „Wir sind der Auffassung, dass Daniel Krusic ein hervorragender Kandidat für die kommende Bundestagswahl wäre“, hatte Selina Acartürk als Sprecherin der Jusos in der Stadt Esslingen und als Kreisvorstandsmitglied die Nominierung schon mal kund getan. Krusic verweist seinerseits auf Vorgespräche, die ihn ermutigt hätten, zu zeigen, „weshalb ich der richtige Kandidat für einen engagierten Wahlkampf für das Bundestagsmandat in Esslingen bin“.

Kreischef zeigt sich verwundert

Bevor sich Krusic mit dem CDU-Platzhirschen Markus Grübel, der seit dem Jahr 2002 als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis Esslingen fest im Sattel sitzt, messen darf, muss er sich erst einmal gegen Argyri Paraschaki durchsetzen. Die 42 Jahre alte Geschäftsführerin des Landesverbands der kommunalen Migrantenvertretungen Baden-Württemberg weiß immerhin den Kreisvorstand ihrer Partei geschlossen hinter sich. „Argyri Paraschaki ist von einer Findungskommission benannt worden. Sie hat unser Vertrauen. Letztlich entscheidet jedoch die Vollversammlung“, sagt Michael Beck. Nachdem sich ihr Gegenkandidat schon früh aus der Deckung gewagt hat, hat nun auch Argyri Paraschaki, eine gebürtige Griechin mit Esslinger Wurzeln, ihre Hausmacht mobilisiert. Dem Vernehmen nach rühren vor allem Genossinnen die Werbetrommel für die Kandidatin. Der Kreischef will sich nach wie vor nicht zu Krusic’ Vorstoß äußern. „Ich bin etwas verwundert“, lautete damals sein einziger Kommentar.

Die letzte SPD-Politikerin, die den Sprung aus dem Wahlkreis Esslingen ins Berliner Parlament geschafft hatte, war Karin Roth. Sie gelangte im Jahr 2002 erstmals über die Landesliste in den Bundestag, wo sie sich bis 2013 für die Belange des Wahlkreises einsetzte. Seit dem Jahr 2013 ist Markus Grübel der einzige Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Esslingen.

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