Zwischen Neckar und Alb

Keine Belastung durch Strahlung

Tschernobyl Das Bundesamt für Strahlenschutz hat keine erhöhte Radioaktivität in der Region rund um die Teck wegen der Waldbrände in der Ukraine festgestellt. Von Iris Häfner

Wildschweine haben nicht nur Blätter zum Fressen gern, sondern auch Pilze, die mitunter immer noch radioaktiv belastet sind.  Fo
Wildschweine haben nicht nur Blätter zum Fressen gern, sondern auch Pilze, die mitunter immer noch radioaktiv belastet sind. Foto: Karl Stolz

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Obwohl rund um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl wochenlang die Wälder gebrannt haben - und in dieser Zeit eine stabile Ost-Wetterlage mit teilweise starkem Wind herrschte - wurden keine erhöhten Werte an Radioaktivität in Baden-Württemberg gemessen. Für die Beurteilung der Auswirkungen der Waldbrände rund um Tschernobyl auf Deutschland ist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zuständig.

Die Brände im Norden der Ukraine sind mittlerweile im Wesentlichen gelöscht, das BfS stellte keine erhöhten Werte fest. „Entsprechend bestand keine Gefahr für Bevölkerung und Umwelt. Dies bestätigen auch unsere Messungen“, erklärt Tatjana Erkert, Pressesprecherin der LUBW (Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg) mit Sitz in Karlsruhe.

Das Bundesamt für Strahlenschutz betreibt in Deutschland rund 1800 eigene Stationen zur permanenten und kontinuierlichen Überwachung der Umweltradioaktivität. Über 200 dieser Sonden stehen in Baden-Württemberg, beispielsweise in Neuffen, Bad Urach und Mühlhausen im Täle. Weitere Messdaten liegen über einen internationalen Datenaustausch vor, an dem sich auch Deutschland und die Ukraine beteiligen. Es werden dabei regelmäßig Daten der sogenannten Ortsdosisleistung an die EU übermittelt. „Aufgrund der Erfahrungen der zahlreichen Brände in der Vergangenheit rund um Tschernobyl und den Analysen durch das BfS bestand aus unserer Sicht zu keinem Zeitpunkt Anlass zur Besorgnis“, sagt Tatjana Erkert.

Neben den flächendeckenden Messungen des Bundes in Baden-Württemberg dienen 120 Ortsdosisleistungs-Messstationen der LUBW in der Umgebung der kerntechnischen Anlagen im Land sowie der grenznahen Kernkraftwerke in der Schweiz und Frankreich der Überwachung des Strahlenpegels. Außerdem betreibt die LUBW insgesamt zwölf Radioaerosolmessstationen, die luftgetragene Radioaktivität sehr empfindlich nachweisen können, beispielsweise auch auf dem Stuttgarter Fernsehturm. Auch bei diesen Messungen gab es keine Hinweise auf künstliche Radioaktivität, die von den Waldbränden bei Tschernobyl stammen, so die Aussage der LUBW.

„Die in der Natur infolge des Reaktorunfalls in Tschernobyl im Jahr 1986 künstlichen radioaktiven Stoffe liegen heute unterhalb oder geringfügig oberhalb dessen, was messtechnisch nachgewiesen werden kann“, sagt Tatjana Erkert. Ausnahmen bilden einzelne Umweltbereiche, in denen natürlicherweise eine Anhäufung des langlebigen Radionuklids Cäsium-137 stattfindet. Hierzu zählen bestimmte wildwachsende Pilze wie beispielsweise Hirschtrüffel sowie Wildtiere, die sich von diesen Pilzen ernähren, insbesondere Wildschweine. „Das Wild-Überwachungsprogramm der Landesregierung Baden-Württemberg stellt sicher, dass Wildfleisch mit mehr als 600 Becquerel pro Kilogramm Cäsium-137 nicht vermarktet wird“, so die Pressesprecherin.

Jedes Jahr werden mehrere Tausend Wildschweinproben aus Baden-Württemberg auf ihren Radioaktivitätsgehalt (Cs-137) untersucht. Die Messungen erfolgen an den Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern (CVUA) Stuttgart und Freiburg sowie bei über 20 Eigenkontrollstellen der Jägerschaft. Das CVUA Freiburg wertet zentral für Baden-Württemberg die Untersuchungsergebnisse der amtlichen und privaten Messstellen aus.

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