Zwischen Neckar und Alb

Keine Blutspenden wegen Q-Fieber

In 15 Städten und Gemeinden hat das Rote Kreuz die Termine für die kommenden Wochen abgesagt

Wer in einer der Städte oder Gemeinden im Kreis Esslingen lebt, in der sich in den vergangenen Wochen gehäuft Menschen mit dem Q-Fieber angesteckt haben, darf erst mal kein Blut spenden. Betroffen sind Wernau, Köngen, Wendlingen, Denkendorf, Deizisau, Altbach, Plochingen, Reichenbach, Hochdorf, Schlierbach, Notzingen, Kirchheim, Dettingen, Unterensingen und Oberboihingen.

Die Übertragung des Q-Fiebers über Blutkonserven ist höchst unwahrscheinlich, trotzdem ist man beim DRK lieber vorsichtig. Foto:
Die Übertragung des Q-Fiebers über Blutkonserven ist höchst unwahrscheinlich, trotzdem ist man beim DRK lieber vorsichtig. Foto: dpa

Kreis Esslingen. Bis jetzt seien im Kreis 37 Q-Fieber-Fälle gemeldet worden, sagt Albrecht Wiedenmann, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin beim Gesundheitsamt Esslingen. Vier Fünftel der Erkrankten stammen aus Wendlingen und Oberboihingen. „Der Gipfel des Ausbruchs war Mitte Dezember und Anfang Januar, inzwischen geht die Zahl der Neuerkrankungen spürbar zurück.“ Für Entwarnung sei es aber noch zu früh. Man müsse noch einige Wochen abwarten, denn wer sich jetzt anstecke, bei dem breche die Krankheit erst in zwei, drei Wochen aus. Das Rote Kreuz hat deshalb auf die Warnungen reagiert und die Blutspendetermine im betroffenen Gebiet bis auf Weiteres abgesagt. „In den Risikokommunen im Kreis leben mehr als 2 000 uns bekannte Spender“, sagt Daniel Schnell, der beim DRK für die Organisation der Blutspendetermine im Raum Stuttgart, Esslingen und Göppingen zuständig ist. Das sei viel, zumal Blutkonserven zurzeit dringend gebraucht würden. „Wir hecheln immer noch Fasching hinterher. Das ist immer eine Zeit, in der sehr wenige Menschen Blut spenden. Außerdem haben wir in der Region Baden gerade sehr viele Grippe-Kranke, die nicht spenden dürfen.“

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Das Risiko, sich durch eine Blutkonserve mit dem Q-Fieber anzustecken, sei aber ziemlich gering, sagt der Mediziner Wiedenmann. Laut Robert-Koch-Institut sei nur eine einzige Übertragung über eine Bluttransfusion bekannt, in Deutschland gar keine. „Wir sind hier in einem Epidemiegebiet“, sagt Wiedenmann. Einzelne Q-Fieber-Fälle gebe es immer. „Letztes Jahr hatten wir im Monat im Durchschnitt ein bis zwei Erkrankungen im Kreis.“ Man müsse also immer damit rechnen, dass einzelne Spender das Q-Fieber haben. „Trotzdem sagt man die Termine nur im Ausbruchsfall ab.“

Die Q-Fieber-Erreger lieben warmes, trockenes, windiges Wetter. „Das hatten wir um die Jahreswende, als sich die meisten angesteckt haben“, sagt Wiedenmann. Der Regen der letzten Wochen sei also positiv, weil der Erreger so nicht mit dem Staub über weite Strecken verbreitet werde.

Obwohl vor allem Schafe als Überträger gelten, kämen die Erkrankten nicht vorwiegend aus der Landwirtschaft. „Aber die meisten berichten, dass sie Spaziergänge gemacht haben.“ Bei Schwangeren kann eine Infektion zu einem erhöhten Fehl- und Frühgeburtsrisiko führen. „Aber ich würde nicht so weit gehen und Schwangeren von Spaziergängen abraten“, sagt Wiedenmann. „Den Kontakt zu Schafen, Ziegen und anderen Weidetieren sollten sie aber meiden.“

In einer Schafherde im Raum Wendlingen/Wernau waren viele kranke Tiere gefunden worden, die als Keimzelle der zahlreichen Ausbrüche gelten. Doch es würden jetzt nicht systematisch sämtliche Tiere im Landkreis getestet. „Alle Tiere der Herde wurden geimpft. Und die Schafe dürfen jetzt nicht mehr auf der Weide ablammen, weil im Fruchtwasser die mit Abstand höchste Konzentration von Q-Fieber-Erregern ist“, sagt Wiedenmann. Die Einstreu im Stall werde mit Brandkalk behandelt, um das Bakterium unschädlich zu machen.

„Typischerweise gehen die Fallzahlen mit dem Ende der Ablammperiode zurück“, erklärt Wiedenmann. So sei das auch beim letzten Ausbruch im Landkreis vor fünf Jahren in Bissingen gewesen.

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Das Q-Fieber wird durch das Bakterium Coxiella burnetii übertragen und wird in den meisten Fällen über infizierte Schafe verbreitet. Die Erreger werden hauptsächlich bei der Geburt mit dem Fruchtwasser und der Nachgeburt in großen Mengen ausgeschieden. In geringerer Konzentration kommen sie auch in Urin, Kot und Milch vor. Da der Erreger im Boden eintrocknen und später auch mit dem Wind über weitere Strecken verbreitet werden kann, stecken sich die meisten Menschen an, indem sie infizierten Staub einatmen. Die akute Infektion (in der Regel zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung) beginnt meist mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen und ausgeprägten Stirnkopfschmerzen. Nach Schätzungen verläuft etwa die Hälfte der Erkrankungen beim Menschen ohne schwerwiegende Symptome und wird damit nicht erkannt; die Dunkelziffer dürfte also hoch sein. Bei der anderen Hälfte kommt es zu schwereren Erkrankungen bis hin zu Lungenentzündungen oder auch zu Entzündungen der Leber. Risikogruppen: Bei Infektionen in der Schwangerschaft kann es im schlimmsten Fall zu Fehl- oder Frühgeburten kommen. Auch Menschen mit einer Herzklappenerkrankung oder einer Herzklappenprothese haben ein erhöhtes Komplikationsrisiko, auch wenn keine Symptome aufgetreten sind. Das gilt auch für Menschen, deren Immunabwehr unterdrückt wird (zum Beispiel nach Organtransplantation oder beiMenschen mit einer HIV-Infektion). Weitere Infos: landkreis-esslingen.de/gesundheitsamt Blutspender erhalten weitere Infos unter der kostenlosen DRK-Hotline 08 00/1 19 49 11.