Zwischen Neckar und Alb

„Kinder brauchen Unterstützung“

Soziales Der Kreisjugendring Esslingen muss sich umstrukturieren. Dabei bleibt der Kontakt mit den Jugendlichen erhalten: Der KJR setzt jetzt auf virtuelle Räume, in denen sich die Kids austauschen können. Von Lena Bautze

Viele Schulkinder sind verunsichert, wie es weitergeht. Da sie immer mehr mit dem Handy zu tun haben, bietet der Kreisjungendrin
Viele Schulkinder sind verunsichert, wie es weitergeht. Da sie immer mehr mit dem Handy zu tun haben, bietet der Kreisjungendring viele Angebote online an. Foto: Carsten Riedl

Es ist eine Ausnahmesituation, in der sich die Menschen gerade befinden. Der Alltag von Kindern, Jugendlichen und Familien wird allein durch die Schließungen von Kindertagesstätten und Schulen, öffentlichen Räumen sowie Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit komplett umstrukturiert. „Doch gerade jetzt ist es wichtig, dass Kinder nicht allein gelassen werden, sondern Unterstützung erhalten“, findet der pädagogische Geschäftsführer des Kreisjugendrings Esslingen, Ralph Rieck. Auch die Hilfe der Kinder- und Jugendarbeit des Vereins wird durch Covid-19 beeinträchtigt.

„Uns ist es wichtig, in Kontakt mit den Jugendlichen zu stehen“, sagt der ehrenamtliche Vorsitzende Michael Media. Bei dem Verein passiert gerade vieles über das Telefon. Doch manche Kinder können auf den persönlichen Kontakt nicht verzichten. „Wenn es den Jugendlichen wichtig ist, ihre Ansprechpartner zu sehen, dann versuchen wir, das auch mit genügend Abstand bei einem Spaziergang möglich zu machen“, versichert Ralph Rieck.

Jedoch bietet der Verein einige Alternativen an und setzt auf den virtuellen Raum. So gibt es zum Beispiel ein Spielezimmer, einen Quizraum, einen Sportraum und manchmal finden in den Jugendhäusern auch Konzerte statt, die dann online angeschaut werden können. Auch Tipps gegen Langeweile oder zum Basteln bietet der Kreisjugendring an.

Chaträume, in denen sich die Kids austauschen, sind ebenso wichtig: „In unseren Einrichtungen haben wir Räume, in denen die Jugendliche machen dürfen, was sie wollen, und die sie so gestalten, wie sie es für richtig halten. Da kommt nur selten ein Sozialarbeiter vorbei“, sagt Ralph Rieck. Doch es gibt auch Orte, wo ein Moderator wichtig ist: „Um Mobbing entgegenzuwirken, braucht es in manchen Chats auch Erwachsene, die sagen, was geht und was nicht“, findet er.

Viele Jugendliche, die kurz vor ihrem Abitur stehen oder die Zusage für einen Ausbildungsplatz haben, sind verunsichert, ob sie den Abschluss erhalten oder die Ausbildung antreten können. Dort versucht der Kreisjugendring zu unterstützen, kann jedoch nur bedingt helfen: „Wir können nur begrenzt die Ängste nehmen, da wir selber nicht wissen, wie es weitergeht“, sagt Ralph Rieck.

Trotzdem treten seit einer Woche immer mehr nicht bekannte Familien und Jugendliche mit den Sozialarbeitern in Kontakt. Denn mit der Situation daheim kommen nicht alle klar: „Manche Eltern sind überfordert, von daheim zu arbeiten und parallel ihre Kinder zu unterrichten“, sagt Michael Media.

Michael Media freut sich zu helfen, ist jedoch noch mehr von dem Engagement der Jugendlichen begeistert: „Entgegen vielen Nachrichten, dass die Jugendlichen die Coronasituation ausnutzen und faulenzen, stelle ich das Gegenteil fest. Viele wollen mithelfen und den Zusammenhalt stärken.“

Auch Ralph Rieck teilt diese Meinung: „Die Jugendlichen wollen sich einbringen, so wie bei Fridays for Future, und dafür sind wir gerne das Sprachrohr.“ Auch die rund 140 Freiwilligen, die ein Soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst leisten, bringen sich jetzt umso mehr ein. „Sie wollen helfen und arbeiten. Nur rund 20 Prozent sind freigestellt, weil bei ihnen und ihrer Familie ein Gesundheitsrisiko bestehen würde“, sagt Ralph Rieck.

Angebote für Kinder:

In Kirchheim bietet das Mehrgenerationenhaus Linde mehrere Social-Media-Aktionen an. Zum Beispiel finden Kids Bastel- und Spielanregungen, ein Video zu Abstands- und Hygieneregeln sowie Videochatgruppen. Weitere Infos gibt es unter der E-Mail-Adresse j.ziller@linde-kirchheim.de.

In Weilheim kann man via Instagram und Facebook Kontakt zum Kinder- und Jugendtreff aufnehmen. Fragen können per Mail an Jugendtreff.weilheim@gmx.de gestellt werden. leba

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