Zwischen Neckar und Alb

Kinder erforschen stille Örtchen

Die Führung „Keller, Kammer, Klo“ im Freilichtmuseum gewährt Einblicke in versteckte Räume

Wofür steht eigentlich die Abkürzung WC? Wie sind die Menschen früher auf die ­Toilette gegangen und welche dunklen Räume gibt es noch in alten Häusern? Die Führung „Keller, Kammer, Klo“ im ­Freilichtmuseum Beuren nimmt ihre kleinen Besucher an spannende Orte in den historischen Gebäuden mit.

Viele Führungen im Museumsdorf Beuren besichtigen nur die Küchen und Stuben. Dieses Mal konnten die Kinder auch im Keller und en
Viele Führungen im Museumsdorf Beuren besichtigen nur die Küchen und Stuben. Dieses Mal konnten die Kinder auch im Keller und engem Plumpsklo alten Zeiten nachspüren. Fotos: Jean-Luc Jacques

Beuren. Die steile Treppe führt hi­nab in den hohen Gewölbekeller des Wohn- und Wirtschaftsgebäudes. Es wird dunkler und die Temperatur sinkt merklich. Auf dem festgestampften Lehmboden liegen große Wein- und Mostfässer in der Ecke, davon abgesehen, wurde der geräumige Keller leer geräumt. „Heute widmen wir uns den Räumen, die im Rundgang normalerweise nicht begangen werden“, beginnt Daniel Kondratiuk vom Freilichtmuseum die Führung „Keller, Kammer, Klo –Dunkle Orte in alten Häusern“. „Wie ihr spüren könnt, ist die Temperatur hier unten ganz anders als oben.“ Um das selbst zu testen, dürfen die Kinder vom Wasser kosten, das hier unten gelagert wurde – es ist erfrischend kalt.

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Damit haben sie auch schon den Zweck des Kellers erforscht: Früher wurden hier die Lebensmittel gelagert, die kühl bleiben sollten. „Es gab ohne Strom natürlich keinen Kühlschrank“, erzählt Kondratiuk. Die Kälte ist aber für viele Lebensmittel wichtig, um frisch zu bleiben. Heute ist dank des besagten Kühlschranks mehr Platz im Keller: Da stehen zum Beispiel Waschmaschine und Trockner oder es gibt einen Hobbyraum, wie die Kleinen wissen.

Weiter geht es zu einer kleinen Schlafkammer, die im 1. Stock über dem Stall liegt. Nicht aus purem Zufall: „Der Mist der Kühe wärmte das Schlafzimmer“, erklärt der Museumspädagoge. Und wenn es im Winter kalt war, konnten die Bewohner ihre Notdurft auch im Stall verrichten. Warum die Betten damals kleiner waren, wissen die Kinder sogar selbst: Zum einen waren die Menschen früher kleiner. Außerdem saßen sie nur im Bett, weil sie oft krank waren und so besser Luft bekamen.

Um in die nächste Kammer zu gelangen, geht es wieder steil hinab unter die Erde. Durch die Lichtschächte fällt nur spärliches Licht auf Kartoffeln, Brot, Eier und eingelegte Lebensmittel. In einem Sandhaufen stecken Karotten, damit sie länger frisch bleiben. Auch Most lässt sich in dieser Speisekammer finden. „Most und Bier waren damals Standardgetränke, auch für Kinder“, meint Kondratiuk. „Natürlich verdünnt!“ Ein Problem waren die vielen Mäuse: Manchmal schnitten die Menschen ein Brot auf, um nichts darin vorzufinden außer einer frechen Maus, die innen alles aufgefressen hatte – nur die äußere Kruste ließ sie übrig. Solche Probleme gibt es mit den modernen Speisekammern, den Kühlschränken, glücklicherweise nicht mehr.

Auch die Toilette ist heute komfortabel und warm, ganz im Gegensatz zu den Aborten noch vor hundert Jahren. Kondratiuk erzählt von interessanten Unterschieden: Die Häuser im Museumsdorf aus der mittleren Neckar-Gegend haben alle irgendwo eine Toilette, bei den Exemplaren von der Schwäbischen Alb ist ein Klo die Ausnahme. Die Menschen gingen dort einfach in den Wald. Manche brachten dabei einen Holzbalken zum Hinsetzen über einer Sickergrube an, den sogenannten Donnerbalken. Im Winter gewannen die Nachttöpfe immer mehr an Beliebtheit. Deren Entsorgung war aber vor allem in der Stadt nicht einfach. Oft wurden die Töpfe dann einfach aus dem Fenster gekippt. Um dann noch unbehelligt durch die Stadt laufen zu können, wurden erhöhte Steine angebracht, alternativ dazu gab es Stelzenschuhe, um über den Morast zu steigen.

Dagegen war das Plumpsklo fast schon angenehm: Über die ausgehobene Grube konnte man immerhin einen Deckel klappen und der Geruch war so gut wie verschwunden. Auch lästige Fliegen blieben fern. Ein WC war das jedoch noch nicht, verrät Daniel Kondratiuk. Diese Abkürzung steht nämlich für „water closet“, englisch für „Wasserklosett“. Eine Wasserspülung gab es beim Plumpsklo aber noch gar nicht, stattdessen „plumpsten“ die Fäkalien in die Grube. Das weiche Toilettenpapier wurde erst im 20. Jahrhundert gebräuchlich. „Früher hamma noch die Zeitung g‘nomma“, erinnert sich ein älterer Besucher.

Nun dürfen die Kinder noch in einen Eimer mit Papierbrei, dem Rohmaterial für das Toilettenpapier, greifen. „Ganz feucht und faserig“, beschreiben sie die Masse. Daniel Kondratiuk findet es wichtig, zu zeigen, dass der heutige Lebensstandard nicht selbstverständlich ist und eine lange Entwicklung hinter sich hat. „Außerdem hat das alles für Kinder eine faszinierend-abstoßende Wirkung“, schmunzelt er und teilt zum Schluss noch ein Plumpsklo-Vokabular aus, das alle möglichen Synonyme für das Wort „Toilette“ bietet.

Führung für Kinder im Freilichtmuseum Beuren : Keller, Kammer, Klo. Dunkle Orte in alten Häusern
Führung für Kinder im Freilichtmuseum Beuren : Keller, Kammer, Klo. Dunkle Orte in alten Häusern
Führung für Kinder im Freilichtmuseum Beuren : Keller, Kammer, Klo. Dunkle Orte in alten Häusern
Führung für Kinder im Freilichtmuseum Beuren : Keller, Kammer, Klo. Dunkle Orte in alten Häusern
Führung für Kinder im Freilichtmuseum Beuren : Keller, Kammer, Klo. Dunkle Orte in alten Häusern
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Führung für Kinder im Freilichtmuseum Beuren : Keller, Kammer, Klo. Dunkle Orte in alten Häusern