Zwischen Neckar und Alb

Kirche will Gemeindehaus am Blarerplatz verkaufen

Abstimmung Mit nur fünf Gegenstimmen ist die Entscheidung des Rats deutlich. Das Defizit gibt den Ausschlag.

Symbolbild

Esslingen. Esslingens evangelische Gesamtkirchengemeinde will mit der Stadt über einen Verkauf des Gemeindehauses am Blarerplatz und der Franziskanerkirche verhandeln. Mit 21 zu 5 Stimmen gab das Gremium grünes Licht für Gespräche mit der Kommune, die sich vorstellen kann, dort ihre Bücherei unterzubringen. Damit folgte der Gesamtkirchengemeinderat nicht den Empfehlungen seines Vorsitzenden Siegfried Bessey und des Dekans Bernd Weißenborn. Auch ein Vorschlag des Verwaltungsausschusses, von der Stadt zunächst ein Kaufangebot einzuholen, wurde abgeschmettert.

Letzterer hatte in einer engagierten Rede dafür geworben, das Gemeindehaus und die Franziskanerkirche zu halten und Konzepte zu entwickeln, um die Gebäude auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen. Chöre und Orchester, aber auch Mitglieder der Kirche hatten wiederholt ihre Bereitschaft erklärt, daran mitzuwirken. Doch obwohl sich Weißenborn zuversichtlich zeigte, eine Lösung zu finden, verweigerte ihm der Gesamtkirchengemeinderat mit erdrückender Mehrheit die Unterstützung. Nun wird immer fraglicher, ob der Gemeinderat vor der Sommerpause über den künftigen Standort der Bücherei entscheiden kann.

In Kirchenkreisen gehen viele davon aus, dass die Mehrheiten im Grunde schon vor der Sitzung standen. Dennoch brach Weißenborn eine Lanze für den Erhalt von Franziskanerkirche und Blarer-Haus. Mit Blick auf ein jährliches Defizit von rund 100 000 Euro hatte er zunächst ebenfalls mit einem Verkauf der Gebäude geliebäugelt, wie ihn Mitglieder einer kircheninternen Immobilien-AG ins Gespräch gebracht hatten. Der breite bürgerschaftliche Widerspruch ließ den Dekan umdenken: „Das Haus hat eine große kulturelle Bedeutung für Esslingen, auch viele Gemeindemitglieder haben sich für den Erhalt eingesetzt.“ Zudem ha­be er den Eindruck, dass sich nicht viele Esslinger dort eine Bücherei wünschten.

Keine Immobilien verscherbeln

Weißenborn empfahl, sich nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen, zumal die Fachleute des Oberkirchenrats noch keine exakte Preisvorstellung vorgelegt hätten. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass die Kirche wertvolle Immobilien verscherbeln wolle. Namhafte Spenden seien fest zugesagt, die Gründung eines Fördervereins werde geplant, erste Maßnahmen zur Verbesserung der Einnahmesituation seien auf den Weg gebracht, und aus der Kultur gebe es das Angebot, konstruktiv an der konzeptionellen Neuaufstellung mitzuarbeiten.

Doch bereits die ersten Wortmeldungen zeigten, dass der Dekan für seinen Kurs nur wenig Zustimmung finden würde. Siegbert Ammann, Pfarrer in Hegensberg-Liebersbronn und Mitglied der Immo-AG, warnte davor, die finanziellen Ressourcen zu stark auf das Blarer-Gemeindehaus zu konzentrieren. Bei zwölf Kirchenveranstaltungen jährlich sei das schwer zu rechtfertigen, wenn etwa in Sirnau und Weil Kirchen wegen fehlender 7 000 Euro beziehungsweise 17 000 Euro jährlich schließen müssten. Auch beim Thema Spenden gelte es zu relativieren: Wenn eine Spende an einer Stelle fließt, fließe sie anderswo nicht mehr. Deshalb müsse der Gesamtkirchengemeinderat mit Blick auf die Stadtteilgemeinden solidarisch denken. Ammann beklagte, dass die innerkirchlichen Entscheidungsprozesse im Vorfeld nicht viel transparenter gemacht worden seien. Ursprünglich sei die Immo-AG auf die Stadt zugegangen mit dem Vorschlag, das Blarer-Haus als Veranstaltungsort für Chöre und Musikensembles zu übernehmen. Gerhard Heubach, Mitglied der Immo-AG und ehemaliger CDU-Fraktionschef im Gemeinderat, versicherte außerdem, dass man sich viele Gedanken gemacht habe, wo die Nutzer des Gemeindehauses künftig unterkommen könnten. Die Frauenkirche sei der ideale Ersatzort.

Für die Stadt Esslingen kam die Entscheidung erklärtermaßen überraschend. Mit Blick auf den künftigen Bücherei-Standort werde man nun auch diese Option wieder genauer prüfen, erklärt Rathaus-Sprecher Roland Karpentier. Ob eine Grundsatzentscheidung nun noch vor der Sommerpause möglich sei, bezweifelt er: „Aber das ist die Entscheidung des Gemeinderats.“ Alexander Maier

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