Zwischen Neckar und Alb

Klassiker mit eigener Handschrift

Naturtheater In Grötzingen beginnt die neue Spielzeit. „Der Mann mit der eisernen Maske“ und „Das Dschungelbuch“ versprechen spannende Theaterabende. Von Katja Eisenhardt

Die kreativen Köpfe in Grötzingen: die beiden Kostümbildnerinnen Kerstin Rosin (hinten) und Heike Pautkin, daneben die Regisseur
Die kreativen Köpfe in Grötzingen: die beiden Kostümbildnerinnen Kerstin Rosin (hinten) und Heike Pautkin, daneben die Regisseure Rob Doornbos (hinten) und Lars Kajuiter in der Kulisse des Affenbergs aus dem „Dschungelbuch“. Foto: Katja Eisenhardt

Seit über 60 Jahren wird auf dem Grötzinger Galgenberg Theater gespielt, gut 20 000 Zuschauer sind es pro Jahr. Ab Samstag, 9. Juni, ist es wieder so weit: Dann fällt der Startschuss für die zehnwöchige Spielzeit, die am 19. August endet. 35 Vorstellungen warten in dieser Zeit auf die Theaterfans, darunter drei Gastspiele.

Den Auftakt macht am Samstagabend „Der Mann mit der eisernen Maske“ (Regie: Rob Doornbos), dessen literarische Vorlage aus der Feder von Alexandre Dumas stammt. Einen Tag später feiert mit dem „Dschungelbuch“ (Regie: Lars Kajuiter) am Sonntagmittag das Kinderstück Premiere. Der Klassiker von Rudyard Kipling wurde bereits 1992 und 2000 auf dem Galgenberg aufgeführt.

Länger gesucht wurde in diesem Jahr nach einem passenden Erwachsenenstück: „Wir haben viele jüngere Spieler, da wollten wir etwas mit mehr Action, Abenteuer, Spannung und vielen Rollen. ,Der Mann mit der eisernen Maske’ spricht unterschiedliche Altersgruppen an, etwa auch Familien mit jugendlichen Kindern“, erklärt die künstlerische Leiterin Kerstin Schürmann die Wahl.

70 Schauspieler

14 Vorstellungen wird es innerhalb der Spielzeit vom „Mann mit der eisernen Maske“ geben, beim „Dschungelbuch“ steht das Ensemble 17 Mal auf der Bühne. Insgesamt 70 Schauspieler zwischen acht und 80 Jahren sind mit von der Partie, bei knapp 50 Rollen teils in einer Doppelrolle. Zusammen mit den Helfern hinter der Bühne sind an einem Wochenende mehr als 100 Theatermitglieder im Einsatz.

„Die erste Leseprobe fand im Dezember statt, im Januar haben wir angefangen zu proben“, berichtet Pressesprecher Kai Feldmaier. Früh einstudiert wurden die Choreografien der Fechtszenen und Bühnenkämpfe - vornehmlich für das Erwachsenenstück.

Bis zuletzt habe er immer wieder am Stück gefeilt, erzählt Rob Doornbos, der Regisseur beim „Mann mit der eisernen Maske“. „Mir war es wichtig, dass wir nicht nur die Geschichte nacherzählen, sondern dass die Spieler in ihren Rollen und im Zusammenspiel untereinander herausgefordert werden, sich neben den Regieanweisungen auch immer wieder ihre eigenen Freiräume zu suchen und für ihre Rolle zu nutzen - und das in jeder Vorstellung aufs Neue“, beschreibt der 33-Jährige seine Ambitionen.

Sein 22-jähriger Kollege Lars Kajuiter hat bei der Regiearbeit fürs „Dschungelbuch“ ebenso eine eigene Handschrift mit einfließen lassen: „Ich wollte das insgesamt nicht ganz so disneymäßig. An manchen Stellen kommt man natürlich nicht daran vorbei, etwa beim Charakter des Bären Balu mit seinem großen Herzen. Aber das Original zu kopieren, war nicht das Ziel.“ Kleine Änderungen gab es beispielsweise bei der Besetzung. So fehlt bei der Affenschar König Louie: „In unserer Interpretation haben die Affen keine Hierarchie, ein König hätte daher nicht gepasst“, so Kajuiter. Auch das Ende der Geschichte wurde abgewandelt, mehr will der Regisseur aber noch nicht verraten.

Das Bühnenbild für beide Stücke entwarfen die langjährigen Theater-Mitglieder Kai Feldmaier und Andreas Rilli. „Die aktuelle Bühne setzt sich aus drei großen Teilen zusammen: einer Drehbühne, einer Pyramide und einem Schloss“, erklärt Feldmaier: „Die große Herausforderung bestand darin, beiden Stücken gerecht zu werden und zu große Umbauten zu vermeiden. So wird beispielsweise die eine Seite der Drehbühne als Kerker fürs Erwachsenenstück genutzt, die andere stellt einen Berg im Dschungel dar.“

Die Kostüme werden größtenteils in Eigenregie hergestellt. Kostümbildnerin beim „Mann mit der eisernen Maske“ ist Heike Pautkin. 70 Kostüme werden dafür benötigt. 52 Kostüme sind es beim „Dschungelbuch“, für die Kerstin Rosin zuständig ist. Die Musik beider Stücke hat der erst 22-jährige Magnus Reichel komponiert.

Drei Gastspiele

Zur Spielzeit 2018 zählen neben den beiden Eigenproduktionen zudem drei Gastspiele: Eine Comedy Night mit Jörg Knör und Kay Ray am 29. Juni, eine Improshow der Tübinger Theatersportler am 6. Juli sowie die Musical Night am 13. Juli - alle jeweils um 20.30 Uhr.

Den Spielplan und weitere Infos findet man unter www.naturtheater-groetzingen.de
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