Zwischen Neckar und Alb

Kreative Köpfe bereiten den Wandel vor

Innovation Aus dem Zukunftsdialog im Landratsamt sind 20 Projekte entwickelt worden. „Wir kommen jetzt aus dem Ideenstadium in die Realisierungsphase“, sagt Landrat Eininger. Von Roland Kurz

Ein Großteil der Arbeitsplätze befindet sich in der Automobilindustrie.Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques
Ein Großteil der Arbeitsplätze befindet sich in der Automobilindustrie.Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Wie gestaltet man die Zukunft eines starken Wirtschaftsstandortes? Man lässt Gutachter eine Analyse erstellen, man bringt viele Akteure zusammen, sammelt Ideen und hat am Ende eine Liste von Projekten und neuen Gesprächsforen. Es sind Projekte, die an Schwachstellen ansetzen und Netzwerke, um Stärken an künftige Anforderungen anzupassen. Im Kreis Esslingen startete dieser Zukunftsdialog vor einem halben Jahr, jetzt wurden im Landratsamt erste Ergebnisse vorgestellt.

Anzeige

Der Prognos-Zukunftsatlas 2016 gab den Anstoß, Vertreter von Wirtschaft, Hochschulen und Kommunalpolitik zusammenzutrommeln. Sich auf Platz 22 im Prognos-Ranking auszuruhen, war Landrat Heinz Eininger nicht genug. Dass die Kreise Böblingen auf Platz 4, Ludwigsburg auf Platz 5 und die Landeshauptstadt auf Platz 7 bei der Zukunftsfähigkeit weiter vorne lagen, hat ihn sicher gestupft.

Gemeinsam mit der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen lud der Landrat vor Pfingsten zur Auftaktrunde ein, moderiert vom Prognos-Institut. In den Monaten danach befassten sich Entscheidungsträger und Fachleute in vier Workshops mit Infrastruktur, Fachkräftesicherung, Strukturwandel und Digitalisierung.

In der ungewöhnlichen Atmosphäre der Esslinger Dive Base im „Dick“ brachten etwa 100 Leute insgesamt 90 Ideen zu Papier, von denen 20 in konkrete Projekte münden sollen. „Wir kommen jetzt aus dem Ideenstadium in die Realisierungsphase“, sagte Landrat Eininger.

Die starke Spezialisierung auf Maschinen- und Fahrzeugbau - 20 Prozent der Beschäftigten arbeiten in diesen zwei Branchen - mache den Landkreis anfällig für strukturelle Veränderungen, erläuterte Prognos-Referent Tobias Koch die Ausgangsbasis. Noch verliehen Wachstum von Bevölkerung und Beschäftigtenzahl dem Kreis Schub. Aber die wachsende Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen wirke zum Teil schon als Wachstumsbremse. Weitere Schwachstellen sind fehlende Flächen sowie eine Verkehrsinfrastruktur an der Kapazitätsgrenze.

Die Arbeitsgruppe Infrastruktur schlug vor, Gewerbebrachen als Vorzeigeprojekte der Internationalen Bauausstellung IBA 2027 umzugestalten. Der Umstieg der Pendler auf den ÖPNV könne über ein betriebliches Mobilitätsmanagement beschleunigt werden.

Fachkräfte anlocken

Aus der Werkstatt Fachkräftesicherung stammt die Idee, dass kleine Unternehmen bei der Weiterbildung kooperieren. Dual Career Centers sollen für den Standort werben und Fachkräfte anlocken. Um junge Leute auf Ausbildungsstellen aufmerksam zu machen, sollen sie per Shuttlebus zu den Firmen gefahren werden.

Die Gruppe Strukturwandel regte ein Forum Antriebstechniken an, das sich nicht allein auf die Elektromobilität fokussieren soll. Weil kleine und mittlere Unternehmen aufgrund voller Auftragsbücher kaum Zeit haben, sich um den Strukturwandel zu kümmern, soll die Hochschule Esslingen eine Plattform anbieten, etwa Labore und Beratung. Ähnlich sollen Digital Coaches wirken, die kleineren Firmen bei der Digitalisierung auf die Sprünge helfen. Jetzt, so fasste der Landrat zusammen, heiße es nicht mehr „man sollte“, sondern „wir machen“. Darauf wird im Kreis Esslingen jetzt dann ein „Initiativkreis Zukunft“ achten.