Zwischen Neckar und Alb

Kultur im Herzen Nürtingens

Veranstaltungsreihe Mit der Kulturbühne vor dem K3N betritt die Stadt ein für sie völlig neues Terrain. Theater, Musik und Gottesdienste finden unter freiem Himmel statt. Die Resonanz ist überwältigend. Von Elisabeth Maier

Susanne Ackermann, Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich, Michael Maisch, Bärbel Igel-Goll und Tobias Lang (von links)
Susanne Ackermann, Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich, Michael Maisch, Bärbel Igel-Goll und Tobias Lang (von links) freuen sich über die Kulturbühne. Foto: Tom Weller

Die Bühne vor dem K3N in Nürtingen ist bereits aufgebaut. Dort sollen ab Samstag, 4. Juli, bis Mitte September Kulturschaffende auftreten. Nach dem Lockdown wegen der Corona-Krise will die Stadt die Kultur „möglichst schnell und unkompliziert wieder etablieren“, sagt Michael Maisch, der die Stadthalle leitet. Auf einer kleinen Bühne vor bis zu 99 Zuschauern sind den ganzen Sommer über Auftritte unter freiem Himmel möglich. „Obwohl wir inzwischen für bis zu 250 Besucher bestuhlen könnten, belassen wir es bei 99 Besuchern“, sagt der Stadthallen-Manager. Denn das Publikum soll sich sicher fühlen.

Mit dem kleinen Format „Kultur im Schaufenster“ haben die Stadt Nürtingen und weitere Partner der Kultur bereits in Zeiten des Lockdown ein Forum geboten. „Die Künstlerinnen und Künstler sind diejenigen, die die Corona-Krise besonders hart trifft“, sagt Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich. Gerade den Musikern, Schauspielern und Comedians fehlten die Auftrittsmöglichkeiten. „Da geht es um Existenzen“, weiß Fridrich. Deshalb hat die Stadt entschieden, im Sommer die Kulturbühne zu etablieren. „Hier haben Kulturschaffende die Möglichkeit, Abgesagtes nachzuholen und auch Neues zu kreieren“, sagt Bärbel Igel-Goll. Die Leiterin des Amts für Stadtmarketing, Wirtschaft und Tourismus stellt klar, dass das reiche Kulturprogramm der Stadt ein wichtiger Standortfaktor für die Stadt Nürtingen ist.

Live-Erlebnis ist wichtig

Eine Bühne vor der Stadthalle K3N zu installieren, das war für den Kulturmanager Michael Maisch eine Herausforderung. Er hat den Veranstaltungstechniker Tobias Lang und sein Team gewonnen, die sich um die Bühnentechnik kümmern. Auch für die Bewirtung der Gäste ist gesorgt. Die Familie Ebermann von der „Linde“ in Oberboihingen, die das Veranstaltungszentrum bewirtet, serviert den Gästen bei der Kulturbühne kleine Snacks und Getränke. Weil viele der Großveranstaltungen wegen der Corona-Krise abgesagt oder verschoben werden mussten, findet es Michael Maisch umso wichtiger, gerade jetzt starke Zeichen zu setzen: „Die Kultur braucht ein Forum.“

Überwältigt ist der Stadthallen-Manager von der Resonanz der Künstler. „Erst wollten wir nur am Wochenende Programm machen, jetzt sind es meist vier Abende in der Woche.“ Einige wenige Termine hat Maisch noch zu vergeben. Wegen der unklaren Lage und den schwer vorhersehbaren Corona-Verordnungen hatten Bärbel Igel-Goll, Kulturamtsleiterin Susanne Ackermann und K3N-Chef Maisch zunächst über ein Autokino nachgedacht. Dass das Live-Erlebnis aber für alle Beteiligten mehr bringt, steht für die drei außer Frage. Als absehbar war, dass im Sommer Live-Formate wieder möglich sein werden, machte sich Michael Maisch daran, ein Konzept zu entwickeln, das den Hygiene- und Abstandsregeln gerecht wird.

„Endlich wird unser Schillerplatz wieder belebt“, schwärmt OB Fridrich von dem Krisen-Format, das für ihn mehr als ein bloßer Ersatz ist. Die Kulturbühne bietet für ihn die große Chance, ein breites Publikum zu erreichen. Obwohl die Zuschauerzahl begrenzt ist, ermöglicht die große Anzahl der Veranstaltungen einem breiten Publikum Kulturgenuss. Dabei setzen die Veranstalter bewusst auf einen breiten Kulturbegriff: Das Theater im Schlosskeller, das jetzt monatelang geschlossen war, wird die Bühne ebenso nutzen wie die Kirchen, die dort Gottesdienste planen. „Einige Musiknacht-Bands werden hier im kleinen Kreis rocken“, verspricht Michael Maisch allen Rockfans eine spannende Alternative. Auch das Sommernachtskino bekommt auf dem Platz vor der Stadthalle ein Domizil. „Es ist schön, dass wir diese und andere Veranstaltungen mitten in die Stadt holen“, sagt OB Fridrich. Er kann sich vorstellen, dass die Kulturbühne auch in den kommenden Jahren zum festen Bestandteil des Nürtinger Sommerprogramms werden könnte.

Info: Das ausführliche Programm der Kulturbühne ist auf der Homepage zu finden: www.k3n.de. Die Auftaktveranstaltung ist am Samstag, 4. Juli, 15.30 Uhr mit dem Abschlussfest der Hilfsaktion „Kultur im Schaufenster“. Weitere Informationen zum Programm und zum Ticketverkauf sind auf der Internetseite zu finden. Der Spielplan der Kulturbühne wird laufend aktualisiert.

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