Zwischen Neckar und Alb

Kunst kommt aus dem Kippenkasten

Detlev Schorlau will den ersten Kunstautomaten im ganzen Land nach Göppingen holen

So sieht ein Kunstautomat aus: Was man hier ziehen kann, gefährdet die Gesundheit nicht. Detlev Schorlau (kleines Bild unten) wi
So sieht ein Kunstautomat aus: Was man hier ziehen kann, gefährdet die Gesundheit nicht. Detlev Schorlau (kleines Bild unten) will Menschen Lust auf Kunst machen.Fotos: Margit Haas

Göppingen. Kunst statt Kippen – ein europaweites Kunstprojekt soll jetzt nach Göppingen kommen. In ausgedienten Zigarettenautomaten wird

für wenig Geld ein Kunstwerk angeboten werden.

Als Detlev Schorlau vom „Kunstautomaten“ las, war er sofort Feuer und Flamme und nahm mit dessen „Erfinder“ Lars Kaiser Kontakt auf. Der Potsdamer nimmt nämlich ausgediente Zigarettenautomaten und bestückt sie mit Kunst. Die steckt in kleinen Schächtelchen in der Größe einer Zigarettenschachtel. Er will „Menschen Lust auf Kunst machen“ und „Kunst wieder in unser normales Lebensumfeld bringen“.

Die Kunstschachtel enthält neben einem kleinen Unikat eine kurze Biografie des Künstlers. „Zwischenzeitlich gibt es diese Kunstautomaten außer in vielen deutschen Städten schon in Portugal und Spanien, in den Niederlanden und in Österreich“, berichtet Schorlau begeistert.

In ganz Baden-Württemberg wurde aber bislang noch keiner dieser Automaten aufgestellt. Der erste im Ländle soll jetzt nach Göppingen kommen. Der Künstler ist überzeugt, dass sich andere Künstler aus dem Landkreis von seiner Begeisterung anstecken lassen und ebenfalls kleine Kunstwerke für den Automaten fertigen. „Sie haben so die Chance, mit ihren Kunstwerken weit über die Region hinaus bekannt zu werden“. Denn die kleinen Schätze können sie sowohl in Göppingen als auch in einem der vielen anderen Automaten anbieten und den Kreis von 200 Künstlern, die sich bereits beteiligen, erweitern.

Die Kunstautomaten können ganz unterschiedlich bestückt werden. „Es kann Themenschächte geben wie etwa „ab Oktober in Fläming zu 500 Jahren Reformation“, erklärt Kaiser. Oder es gibt Kunst aus den Partnerstädten oder aus einer Schule – die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt.

„Jede Schachtel ist eine Überraschung“, sagt Detlev Schorlau und hält ein buntes Männchen aus Knöpfen in den Händen, das aus einer Schachtel herauskam. In einer anderen kam ein kleines getöpfertes Kunstwerk zum Vorschein. „Es ist das ideale Mitbringsel, und es bietet sich auch an, wenn man schnell noch eine Kleinigkeit verschenken möchte“.

Eine Kunstschachtel kostet vier Euro. Einen erhält der Künstler, einer geht an die Behindertenwerkstätte, die die Schächtelchen fertigt, einer an eine weitere Behinderteneinrichtung und einen Euro erhält der Automatenaufsteller Lars Kaiser. Der würde innerhalb von zwei Wochen einen Automaten in Göppingen aufstellen, vorausgesetzt, es fände sich ein guter Platz. Daran hapert es aber bislang. „Der Kunstautomat sollte ständig öffentlich zugänglich an einem zentralen Ort in Göppingen aufgestellt oder aufgehängt werden“, so Schorlau. Erste Gespräche mit Hausbesitzern führt er und hofft jetzt, dass sich bald eine Hauswand für den Kunstautomaten findet.

Kunst kommt aus dem Kippenkasten
Kunst kommt aus dem Kippenkasten