Zwischen Neckar und Alb

Landwirte befürchten Flächenverluste

Landwirtschaft Geplante Neubaugebiete in Esslingen bedrohen Agrarflächen.

Reinhard Clauß ist stolz auf das Gemüse von seinen Äckern. Aber er fürchtet, dass die Fläche schrumpft. Foto: Roberto Bulgrin
Reinhard Clauß ist stolz auf das Gemüse von seinen Äckern. Aber er fürchtet, dass die Fläche schrumpft. Foto: Roberto Bulgrin

Esslingen. Kürbis, Rosenkohl und Zwiebeln, Radicchio und Rucola, Petersilie, Thymian und Pfefferminz: In langen Bahnen reihen sich kräftig grüne Pflanzen und Früchte in allen Farben zwischen Waldorfschule und Neckar-Center in Weil aneinander. Mehr als 30 Gemüsesorten und um die 20 verschiedene Kräuterarten bauen Esslinger Landwirte hier an. Sie sind stolz auf diese Vielfalt und froh über den guten Boden und das milde Klima – dennoch fürchten sie Verluste. Denn sie sehen ihre Flächen durch immer neue Baugebiete bedroht.

Mit Sorge blicken die Landwirte Reinhard Clauß, Dieter Clauss und Horst Binder auf die Diskussionen um den neuen Entwurf des Flächennutzungsplans für Esslingen, die in den kommenden Monaten im Gemeinderat geführt werden sollen. Denn dabei wird es auch darum gehen, wo neue Baugebiete entstehen sollen – im Visier sind dafür unter anderem Flächen im Spitalwald und in Berkheim, Bereiche, die auch wichtige Anbaugebiete für die Landwirte sind. „Das Problem ist, dass es die besten Böden sind, die hier bebaut werden sollen“, sagt Dieter Clauss.

So etwa die Ebene im Neckartal in Weil: Noch immer ist nicht geklärt, wie künftig das Danfoss-Areal angefahren werden kann, auf dem in Zukunft wieder Gewerbe angesiedelt werden soll. Nachgedacht wird unter anderem über eine Straße, die von dem Gewerbegelände quer über die Gemüsefelder bis zur Weilstraße führen könnte. Für die Landwirte ist diese Streckenführung völlig unverständlich: „Das Danfoss-Areal grenzt an die B 10, die richtige Lösung wäre, es direkt an diese anzubinden“, findet Reinhard Clauß.

Allerdings sind die Esslinger Landwirte insgesamt alles andere als unzufrieden mit ihrer Situation: „Vom Klima und vom Boden her sind wir im Schlaraffenland“, sagt Dieter Clauss. Wie fast alle Landwirte in Esslingen bewirtschaftet er Flächen in verschiedenen Höhenlagen. Dadurch könne man im Prinzip das ganze Jahr lang ernten: Im Sommer seien die kühleren Höhenlagen ideal, im Winter punkte das Neckartal mit milden Temperaturen. Daher könne man die Mitarbeiter das ganze Jahr über gut beschäftigen und sei kaum auf Saisonkräfte angewiesen.

Mit einigen Hilfsmitteln und Tricks sei es zudem möglich, eine enorme Bandbreite an Gemüse und Früchten zu ziehen. So stehen auf den Feldern nicht nur Lauchstangen, Brokkoli und Feldsalat, sondern in Gewächshäusern reift Paprika, unter Glas ranken Melonen und unter Folien gedeihen auch im Winter Fenchel und Mangold. „Diese Vielfalt ist im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland schon eine Besonderheit“, sagt Reinhard Clauß. Diese wolle man erhalten. Schließlich müssten die lokalen Produkte, die derzeit allerorten so gefragt seien, ja auch irgendwo angebaut werden können. Daher ist die Forderung der Landwirte klar: „Wir wollen, dass es so bleibt wie es ist“, sagt er. „Wir wollen keine Flächen abgeben.“ Es ist angesichts der Nachfrage nach regionalen Produkten erforderlich, Flächen für die Landwirtschaft vorzuhalten .Melanie Braun

Traktordemo in Esslingen

„Esslingen wohin? Neubaugebiete - Der Ausverkauf unserer Esslinger Kulturlandschaft!“ veranstalten die Esslinger Gärtner und Landwirte zusammen mit dem Aktionsbündnis Lebenswertes Esslingen, der Initiative attraktives Berkheim, dem Verein Rettet das Greut, dem BUND und dem NABU am Freitag, 21. Oktober, eine Traktor-Demo in der Stadt. Los geht es um 15 Uhr mit einer Parade von Weil bis zum Esslinger Marktplatz. Dort wird es um 16 Uhr eine Kundgebung geben. Zudem werden Esslinger Erzeugnisse wie Äpfel und Apfelsaft, Gemüse und Kräuter sowie Milch verkostet. mb

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