Zwischen Neckar und Alb

Lebensfilm läuft heute in Farbe

Austausch Bei einem Treffen von Teilnehmern der ambulanten Reha in Nürtingen ging es um den Ausstieg aus der Sucht.

Symbolfoto: Jean-Luc Jacques

Nürtingen. Einmal im Jahr lädt die Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtgefährdete und Suchtkranke Nürtingen (PSB) ehemalige und aktuelle Teilnehmer der ambulanten Sucht-Rehabilitation im Landkreis Esslingen zu einem ungezwungenen und informativen Treffen ein. Rund 60 Frauen und Männer kamen zum zwölften Jahrestreffen in die Alte Seegrasspinnerei in Nürtingen.

„Suchtprobleme berühren alle Lebensbereiche, sie können das ganze Leben verändern und wenn die Sucht überwunden ist, ist es oft noch ein harter Weg, bis alle Probleme gelöst sind“, sagte Maria Köster-Sommer, die Leiterin der Suchtberatung bei ihrer Begrüßung. Eberhard Haußmann, der Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen, der neben dem Landkreis Träger der PSB ist, freute sich über die große Resonanz: „Sie sind abstinent. Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen.“

Ein Gefühl der Freiheit

Therapeut Gunther Wöllenstein wollte von Vertretern von Selbsthilfegruppen wissen, wie ihr Weg von der Trockenheit zur Abstinenz verlaufen ist und wie sich das Lebensgefühl entwickelt hat. Für Peter K., der seit vier Jahren abstinent ist, war der Entschluss, dem Alkohol abzuschwören, eine relativ leichte Entscheidung. „Hilfreich war, dass ich rasch einen Platz in der ambulanten Reha bekam.“ Er erkannte aber auch, dass nur den Alkohol wegzulassen das eine ist. Er hat dann bemerkt, dass etwas ganz Neues kommt. Den Effekt beschreibt er so: „Es war wie der Wechsel von einem Schwarz-Weiß- in einen Farbfilm. Aber manches ist in Farbe auch ein bisschen gruseliger.“ Das Gefühl der Freiheit sei die entscheidende Veränderung gewesen.

Abstinenz mindert Rückfallgefahr

Der Weg von der Trockenheit zur Abstinenz war auch Thema im Fachvortrag von Dr. Isabelle Friedrich, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie beschrieb, welche Prozesse durch den Alkohol im Gehirn ausgelöst werden und warum irgendwann immer mehr Alkohol für die gleiche Wirkung benötigt wird. Diese Veränderungen im Gehirn, die während der „nassen“ Zeit stattgefunden haben, könnten sich jedoch bei Abstinenz zurückbilden. Die Ärztin machte aber auch klar, dass die „Pläne“ dafür im Gehirn erhalten bleiben. Nur Abstinenz schließe sicher aus, dass die Vorgänge im Gehirn wieder anspringen. Dies sei kein Automatismus. Jeder entscheide für sich selbst.pm

5 Informationen von der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtgefährdete und Suchtkranke gibt es unter der Nummer 0 70 22/93 24 40

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