Zwischen Neckar und Alb

Lieber selbst anbauen

Versorgung Viele Kleingärtner bauen lieber selbst Gemüse an, statt zum Discounter zu gehen. Doch trotz der Vorzüge eines eigenen Schrebergartens haben Gärtnervereine Nachwuchssorgen. Von Thomas Krytzner

Gärtnern ist in, Kleingartenvereine nicht mehr so. Das bereitet dem Bezirksverband der Gartenfreunde Sorgen. Foto: Jean-Luc Jacq
Gärtnern ist in, Kleingartenvereine nicht mehr so. Das bereitet dem Bezirksverband der Gartenfreunde Sorgen. Foto: Jean-Luc Jacques

Es ist ja nicht so, dass keiner mehr Kleingärtner sein will. Im Gegenteil. „Die Nachfrage nach Kleingärten ist groß. Vielerorts gibt es lange Wartelisten“, erklärt Gerd Blankenhorn, Vorsitzender des Bezirksverbandes Esslingen der Gartenfreunde. Trotzdem haben viele Ortsvereine Nachwuchssorgen und überaltern. Dabei haben Klein- und Schrebergärten in Deutschland eine große Tradition – auch wenn sie anfangs ganz anders waren.

Um über die Zukunft der Kleingärtner zu sprechen, fanden sich jetzt 120 Mitglieder der Kleingarten- und Siedlervereine in Denkendorf ein, um gemeinsam das 75-jährige Bestehen zu feiern. In seiner Festrede verweist der Chefgärtner Blankenhorn auch auf das aktuelle Thema Selbstversorgung: „Das Misstrauen gegenüber den Discountern und auch des Einzelhandels lässt viele ihre Früchte und ihr Gemüse selbst anbauen“, sagt er. Er vermutet, dass sich das Bewusstsein der Kleingärtner geschärft hat. Denn: „Billiger ist die Selbstversorgung meist nicht, aber für uns zählt: Naturgemäß gärtnern und umweltbewusst leben.“ Die Sensibilisierung hat längst Einzuge gehalten und die Menschen interessieren sich wieder für die Belange von Natur und Umwelt. Auch deswegen sei das Interesse an Kleingärten im Moment so hoch.

Den ersten Schreberverein, benannt nach dem Arzt Moritz Schreber, gründete schon 1864 der Leipziger Schuldirektor Ernst Innozenz Hauschild. Ein Jahr drauf entstand der Schreberplatz in Leipzig, der damals noch nicht viel mit einem Garten gemein hatte. Die Wiese war für Kinder zum Spielen und Turnen gedacht. Erst der damalige Lehrer Heinrich Karl Gesell legte Beete und Gärten als Beschäftigung für Kinder an. Daraus entwickelten sich später abgezäunte Schrebergärten für Familien.

Während des Zweiten Weltkriegs empfahl die Regierung den Kommunen dann, Kleingärten anzulegen, um die Selbstversorgung der Bevölkerung zu sichern. „Bald kam auch der Wunsch hinzu, sich in Organisationen zusammenzuschließen“, sagt Blankenhorn. Im Kreis Esslingen gab es zunächst zwei Bezirksverbände: einen in Kirchheim und einen in Esslingen, die erst vor einigen Jahren fusionierten.

Die Nachwuchsprobleme in den Ortsvereinen sieht Blankenhorn mit großem Bedauern. „Hinzu kommt, dass Menschen aus anderen Kulturen auch andere Vorstellungen vom Kleingartenwesen haben.“ Die aktiven Mitglieder machen ihren Job hingegen gut: Im Laufe des Jahres war das Bewertungsteam in vielen Gärten in der Region unterwegs. 15 Mitglieder wurden bei der Jubiläumsfeier für ihre Gärten ausgezeichnet. Dazu gehören auch Nikolai Merk und Oliver Berndt aus Kirchheim.

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