Zwischen Neckar und Alb

Liegt das Problem am Schleifen der Gleise?

Verkehr S-Bahn bringt Anwohner weiter um den Schlaf. Die Quietschgeräusche haben wieder zugelegt.

S-Bahn
Symbolbild

Wendlingen. Seit 35 Jahren wohnt Gudrun Waldner in der Spinnerstraße in Wendlingen. Während dieser Zeit hat sie so einiges an Lärm wegen der Bahn erduldet: früher mit den schweren Dieselloks und jetzt ist die S-Bahn Dauerthema. Dabei wurde von der Stadtverwaltung nichts unversucht gelassen, das Problem anzugehen. Bürgermeister Weigel war deswegen immer wieder in Kontakt mit der Bahn, darüber hinaus gab es Anwohnergespräche, technische Neuerungen am Gleis wie die Schienenschmieranlage, das zigfache Abschleifen der Gleise bis hin zur persönlichen Ansprache des Problems beim Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG, Sven Hantel, durch Bürgermeister Weigel.

Direkte Folge - ein Informationsgespräch zwischen Bahn, Anwohnern und Stadtverwaltung mit dem Ergebnis, dass drei moderne Schienenschmieranlagen auf einer Gesamtlänge von 550 Metern eingebaut wurden. Mit diesem Einbau stellten die Anwohner eine spürbare Minderung der Lärmemission fest. Das war jedoch nicht die Lösung des Problems.

Denn kurz vor Ostern fingen die Quietschgeräusche wieder an. Zusätzlich wurde ein durchdringendes Klopfgeräusch registriert, das mit der S-Bahn in Verbindung gebracht wurde. Seither ist nach den Äußerungen von Gudrun Waldner der Lärm unerträglich.

Das bestätigen auch Christel und Walter Weißenberger in der Albstraße. Das Ehepaar wohnt im Kurvenbereich direkt an der Bahnstrecke. Die Kreischgeräusche seien ihrer Meinung nach nicht immer gleich, denn es hinge auch mit den unterschiedlichen Fahrweisen der Lokführer zusammen. Obendrein verschlimmere sich der Lärm an warmen beziehungsweise heißen Tagen.

Fahnden nach den Gründen

Der Grund der Verschlechterung liegt für diese Anwohner aber hauptsächlich in einer Schleifaktion der Bahn vor Gründonnerstag. Seither habe sich der Lärm wieder verschlimmert, geben alle drei unabhängig voneinander an. Dabei hat das Abschleifen der Schienen in der Vergangenheit für Abmilderung des Lärms gesorgt, wenn auch nur für kurze Zeit.

In einem Schreiben an die Wendlinger Stadtverwaltung bestätigt die DB Netz AG, dass das Problem am Schleifen liege und erklärt: Nach einem Schleifvorgang ist die Schiene aufgeraut und wenn die S-Bahn darüberfährt ist sie lauter als vor dem Schleifen. Nach wenigen Wochen verringere sich die Lautstärke allerdings wieder, sodass es leiser als vor dem Schleifdurchgang sein sollte. - Ist es bisher aber nicht: Nachdem der letzte Schleifvorgang mindestens sechs Wochen her ist, kann von wenigen Wochen also nicht mehr die Rede sein.

Dass die Schienenschmieranlage schuld sei, könne nach der DB Netz AG auch nicht sein, da der Anlagenverantwortliche sich von der Funktionstüchtigkeit überzeugt habe. Woher also der neuerliche Lärm? Neben Gudrun Waldner und Walter und Christel Weißenberger gibt es noch viele weitere Anwohner, die sich bei der Stadtverwaltung beschwert haben. Nach Abmachung zwischen Bahn und Stadtverwaltung soll nach den Sommerferien Bilanz gezogen werden. Haben Maßnahmen gegriffen oder müssen neue in Betracht gezogen werden? So wie jetzt kann es für die Anwohner jedoch nicht bleiben, das sieht auch Bürgermeister Steffen Weigel so und hat bei der Bahn um weitere Prüfung gebeten.

Am Mittwoch kam die Antwort: Die Bahn will ein weiteres Mal die Schienenschmieranlage prüfen lassen. Die Rückmeldung wird mit Spannung erwartet. Gaby Kiedaisch

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