Zwischen Neckar und Alb

Lkw-Test im Steinbruch auf der Alb

Der Autohersteller Mercedes-Benz stellt in Erkenbrechtsweiler neue Baufahrzeuge vor

Die Schwäbische Alb ist seit Jahren Testregion für Pkw- und Lkw-Hersteller. Iveco, Kässbohrer, Liebherr und Porsche laden regelmäßig Journalisten aus der ganzen Welt zu exklusiven Probefahrten ins Biosphärengebiet ein. Jetzt stellte Mercedes-Benz erstmals in Erkenbrechtsweiler im Steinbruch Bauer neue Baufahrzeuge vor.

Lkw-Test von Mercedes-Benz im Schotterwerk Bauer - ein Spektakel.Foto: Joachim Lenk
Lkw-Test von Mercedes-Benz im Schotterwerk Bauer - ein Spektakel.Foto: Joachim Lenk

Erkenbrechtsweiler. Im Jahr 2011 hat Mercedes-Benz den Lastkraftwagen Actros im Alten Lager in Münsingen Journalisten aus aller Welt vorgestellt. Zwei Jahre später wurden Medienvertreter aus allen Kontinenten abermals in die ehemalige Soldatensiedlung eingeladen, um die neue S-Klasse zur Premiere Probe zu fahren. Vergangene Woche kamen wieder Fachjournalisten ins Biosphärengebiet. Dieses Mal ins Schotterwerk Bauer nach Erkenbrechtsweiler, um Baufahrzeuge mit dem neuen Hydraulic Auxiliary Drive, der Allrad-Zuschaltung auf Knopfdruck, unter extremen Bedingungen auf Herz und Nieren zu testen.

Es gibt Baufahrzeuge, die in ihrem Arbeitsleben die Straße kaum verlassen. Andere wühlen sich tagein, tagaus durch schweres Gelände. Für beide Spezialfahrzeuge ist die Frage des Antriebs schnell entschieden. Zwischen Onroad und Offroad aber gibt es eine dritte, eine besonders gängige Variante, informiert Pressesprecherin Kathrin Fritz: „Die Anfahrhilfe auf Knopfdruck.“ Diese neue Technik ist für Baufahrzeuge gedacht, die gelegentlich ins Gelände fahren oder bei ihren Einsätzen anspruchsvolles Terrain oder steile Rampen bewältigen müssen.

Diesen hydraulischen Zusatzantrieb der Vorderräder gebe es für Fahrzeuge mit Kippaufbauten, Abroll- und Absetzkipper, Motorwagen mit Anhänger sowie für Sattelzugmaschinen mit Kippsattel und Schubbodenaufliegern, erklärt Fritz den Journalisten. Außerdem für Zugmaschinen mit Tiefladern für schwere Baumaschinen oder für Baufahrzeuge in schneereichen Regionen, fügt sie hinzu. Klar, sagen kann man viel. Deshalb gibt es Journalisten, die die Fahrzeuge ausprobieren. Dazu lädt Mercedes-Benz rund 100 der wichtigsten Fachmagazine Europas auf die Schwäbische Alb ein, jeden Tag 20 Männer und Frauen. Der Flieger bringt sie ins Airport-Hotel nach Stuttgart, wo Stefan Buchner, Leiter von Mercedes-Benz Trucks, die Gäste begrüßt. Tags darauf bringt ein Shuttle die Medienvertreter nach Erkenbrechtsweiler, wo sie „ein 42 Hektar großer Sandkasten für Experten der Bauzulieferung“, so Fritz, erwartet. Nach der Sicherheitseinweisung geht es los. Eine Gruppe fährt mit den 40-Tonnern Arocs HAD eine Runde „onroad“ über Grabenstetten, Bad Urach und Hülben zurück nach Erkenbrechtsweiler. Die anderen Journalisten dürfen derweilen „offroad“

Baufahrzeuge mit Anfahrtshilfe auf Knopfdruck

über Stock und Stein. Dort kommt zusätzlich der 32-Tonner Arocs Tipper in Einsatz.

Für die Präsentation hat Mercedes-Benz keine Mühen und Kosten gescheut. Der Autobauer hat eine sogenannte Kamelhöcker-Piste aufgeschüttet, außerdem ein Kiesbett und eine Verwindungsstrecke angelegt. Um die Steigungen im Steinbruch brauchen sich die Verantwortlichen nicht zu kümmern. Die gibt es dort schon von Natur aus. Und zwar mit 22, 36 und unglaublichen 47 Prozent. Den unbefestigten und rutschigen Untergrund gibt es gratis dazu. Mit knapp 40 Tonnen Gesamtgewicht fährt der Lastkraftwagen im ersten Gang an, ohne in der Senke nur einen Millimeter zurückzurollen.

Mühelos kommt er in Fahrt, schwärmt der Journalist aus Russland. Weiter geht es zur nächsten Steigung. 36 Prozent steht auf dem blauen Hinweisschild. Was vor dem Fahrzeug liegt, würde niemand als Straße bezeichnen: Geröll und Steine auf festgefahrenem Erd-Sand-Gemisch. 40 Tonnen hier nach oben zu ziehen, ist keine leichte Aufgabe, denkt sich der Redakteur. Er schaltet den Allradantrieb ein und traut seinen Augen nicht. Langsam, aber kontinuierlich kommt der Sattelzug in Fahrt und zieht mit zunehmender Geschwindigkeit die Steigung hoch.

Oben angekommen wartet schon die nächste Prüfung auf den Arocs HAD. Der rund 100 000 Euro teure Lastkraftwagen muss ein knapp 200 Meter langes Splittbecken durchfahren. Lose und bis zu 50 Zentimeter tief liegt der Splitt. Ohne die neue Technik bleibt der Truck nach 40 Metern stecken. An ein Weiterfahren ist nicht zu denken. Die Hinterachse gräbt sich bei jedem Gasgeben tiefer in den Splitt ein. Erst nachdem Mathias Lichter den Allrad-Knopf gedrückt hat, fährt der 40-Tonner auf dem schwer befahrbaren Untergrund weiter. So, als wenn er sich auf einer Asphaltstraße fortbewegen würde.

Der Betrieb im Schotterwerk läuft unterdessen ganz normal weiter. Immer wieder rauschen große Muldenkipper an den Arocs vorbei. In die Quere kommen sie sich aber nicht, bestätigt Schotterwerk-Geschäftsführer Klaus Huppert. Für ihn und seine 17 Mitarbeiter ist die Präsentation eine willkommene Abwechslung. Klar. Wenn alle zwei Tage um die Mittagszeit eine Sprengung ansteht und 2 500 Kubikmeter weißes Jura-Gestein in die Tiefe krachen, ruht das Fahren zwischen den Felsen und im Canyon für einige Zeit.

Die Journalisten lassen es sich derweil im extra dafür aufgestellten Catering-Zelt gut gehen. Durch die Bank sind die Medienvertreter begeistert. Nicht nur von der neuen Mercedes-Benz-Technik. Auch von dem Testgelände in herrlicher Natur, wie sie sagen. Und den Veranstaltern hat es auch sehr gut gefallen. Kein Wunder, dass der Erkenbrechtsweiler Steinbruch bestimmt wieder einmal für eine exklusive Präsentation genutzt wird.

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