Zwischen Neckar und Alb

Lösung im Anflug

Flughafen Im Streit um die Kerosinpipeline für den Stuttgarter Flughafen ist jetzt ein Gesetz im Gespräch. Ende 2019 soll die Pipeline in Betrieb gehen, der genaue Verlauf muss jedoch noch geklärt werden. Von Elisabeth Maier

Im Streit um die vom Flughafen geplante Kerosinpipeline zeichnet sich eine Lösung ab. Bislang hat der Gemeinderat Unterensingen die Pläne blockiert. Nach Beratungen des Aufsichtsrats streben die Flughafenbetreiber nun aber ein Pipelinerealisierungsgesetz an, auf dessen Grundlage sie die Grunddienstbarkeiten der fehlenden Grundstücke rechtlich sichern können. Bis Ende 2019 soll die Pipeline in Betrieb gehen.

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Flughafendirektor Georg Fundel ist dennoch optimistisch, dass mit den Unterensinger Gemeinderäten eine Lösung gefunden wird. Man stehe im Dialog und habe positive Signale bekommen. Die Flughafenbetreiber wollen mit dem neuen Gesetz dennoch dafür gewappnet sein, die Pläne notfalls auch ohne den Segen der Kommunalpolitik zu realisieren. Im Gemeinderat war das Projekt mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt worden.

„Wir haben einen Kompromissvorschlag zur Führung der Pipeline gemacht“, sagt Dieter Fritz, Haupt- und Bauamtsleiter der Gemeinde Unterensingen. Dabei seien die Kommunalpolitiker dem Flughafen „sehr entgegengekommen“. Genaue Angaben zu einem alternativen Trassenverlauf will Dieter Fritz noch nicht machen. Jetzt liegt die Entscheidung bei der Flughafengesellschaft.

Dort hat sich der Zeitdruck, unter dem die Planer des Projekts am Anfang standen, etwas gelegt. „Bis es einen belastbaren Zeitplan gibt, haben uns die Betreiber des Nato-Tanklagers bei Heilbronn Flexibilität beim Schließungstermin signalisiert“, sagt Flughafen-Pressesprecher Johannes Schumm. Ursprünglich sollte das dortige Tanklager schon früher schließen. Bislang wird das Flugbenzin in großen Tanklastwagen über die Straßen transportiert.

Weil die Kerosinpipeline im Landesinteresse liege, wird derzeit im Verkehrsministerium geprüft, wie das Vorhaben in Gesetzesform gebracht werden könne. Das Planfeststellungsverfahren soll spätestens im Oktober in Gang gebracht werden und etwa zwölf Monate dauern. Einige offene Fragen, beispielsweise die exakten Verläufe, könnten erst dann geklärt werden, sagt der Pressesprecher.

„Für die Kerosinpipeline werden keine großen Flächen verbraucht“, stellt Fundel klar. Verlegt wird die Pipeline direkt unter öffentlichen Wegen. Auch private Grundstücke werden dafür benötigt, die Eigentümer erhalten eine Entschädigung. Die Flächen könnten weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden - ohne Einschränkungen. Die Pipeline wird unter der Erde mit einer Überdeckung von mindestens 1,20 Metern vergraben. Markierungspfähle zeigen an, wo die Trasse verläuft. Auf beiden Seiten der Achse soll ein Sicherheitsabstand von drei Metern eingehalten werden. Dort dürfen keine tief wurzelnden Bäume gepflanzt und keine Bauwerke errichtet werden.

Durch die Kerosinpipeline würden bis zu 7 500 Gefahrguttransporte auf den Straßen der Region Stuttgart ersetzt werden, begründet Flughafenchef Georg Fundel den Bau. Der Flughafen braucht jedes Jahr bis zu 270 000 Kubikmeter Kerosin. Die Gefahrguttransporte stellten ein ständiges Risiko im dauerhaft überlasteten Straßennetz dar.