Zwischen Neckar und Alb

Machen Bienen Menschen satt?

Wildbienenhaus für den „Blühenden Landkreis“ eingeweiht

„Wenn alle Bienen verschwunden sind, hat der Mensch noch vier Jahre zu leben.“ Mit diesem Zitat weihte Landrat Heinz Eininger das Wildbienenhaus Plochingen ein.

Landrat Heinz Eininger weiht das Wildbienenhaus im Plochinger Landschaftspark Bruckenwasen ein.Foto: Martin Zimmermann
Landrat Heinz Eininger weiht das Wildbienenhaus im Plochinger Landschaftspark Bruckenwasen ein.Foto: Martin Zimmermann

Plochingen. Das Zitat Einsteins gilt noch: „ Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Ob die Menschheit ohne Bienen tatsächlich ausstirbt, darüber kann man Wissenschaftler streiten lassen. Tatsache ist aber, dass bereits heute ein massives Bienensterben besteht und den 550 verschiedenen Wildbienenarten der Lebensraum genommen wird.

Mit dem Wildbienenhaus, einer Blumenwiese und einem Lehmhügel soll nun in Plochingen im Landschaftspark Bruckenwasen ein „Hotspot“ für Wildbienen geschaffen werden, sagte Eininger. Das Wildbienenhaus ist Bestandteil des Projekts „Blühender Landkreis Esslingen“, bei dem der Landkreis, die Stadt Plochingen und der Trägerverein des Umweltzentrums Neckar-Fils eng zusammenarbeiten. Es wurde mit jeweils 2 500 Euro vom Landkreis und der Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen finanziert. Das Team des Plochinger Bauhofs sorgte für den Aufbau des Bienenhauses und der Infotafel.

Die Idee zum Gesamtprojekt kam von der grünen Fraktion im Landkreis. Mittlerweile habe sich im Landkreis ein bunter Strauß an Aktivitäten entwickelt, mit dem der Natur, speziell Wildbienen, Faltern und anderen Insekten wieder Raum geschaffen werde, berichtete der Landrat.

Mit der Landesgartenschau 1998, sagte Plochingens Bürgermeister Frank Buß, habe man schon viel dafür getan, der Natur am Zusammenfluss von Neckar und Fils wieder mehr Raum zu geben. Mit dem Wildbienenhaus habe man in Zusammenarbeit mit dem Landkreis nun die Chance ergriffen, „diesen Bereich des Bruckenwasens für Besucher ein Stück weiter attraktiv zu machen“, so Buß. Denn das Wildbienenhaus, in dem die Insekten in Hölzern und Schilfstrohmatten Unterschlupf finden, steht nicht alleine in der Landschaft. Daneben werden auf einer Infotafel viele interessante Informationen über Wildbienen und ihren Nutzen für die Natur verständlich zusammenfasst. „Damit wollen wir Bewusstsein schaffen für dieses Thema“, sagte Eininger.

Die Biologin Brigitte Beier, die die Umsetzung des Projekts „Blühender Landkreis“ im Umweltzentrum fachlich begleitet, wies außerdem darauf hin, dass der Lehmhügel neben dem Bienenhaus eine wichtige Funktion erfülle: „75 Prozent aller Wildbienen leben im Boden“, erklärte sie. Dem Wildbienenhaus in Plochingen werden in den kommenden Jahren weitere Infopunkte zu Fliegen und Faltern im Bruckenwasen folgen, sodass eine Art Lehrpfad entsteht.

Der Lehrpfad, ein Schaugarten, Seminare und Ausstellungen im Umweltzentrum solle die Bürger dazu anregen, die eigenen Gärten so zu gestalten, dass sich Wildbienen, Bienen und Schmetterlinge dort wohlfühlen, sagte Beier, die den Trend hin zu Steingärten, die keinen Raum für Pflanzen mehr bieten, kritisierte.

Nun warten der Lehmhügel und das Bienenhaus auf die ersten fliegenden Gäste. Vor der Einweihung am Mittwoch hatte sich manch ein Passant in den vergangenen Wochen gewundert, was denn da im Landschaftspark Bruckenwasen entsteht. Scherzbolde hatten sich das Bienenhaus und den Lehmhügel als Maischerz ausgeguckt und mit einem Plakat die Infotafel überdeckt: „Hier entsteht vom Verein historischer Gemüseanbau und Hochbeet ein Obst- und Gemüseverkaufsregal sowie das dazugehörige Hochbeet. Interessenten können sich an das Plochinger Stadtmarketing wenden“, stand darauf zu lesen.

Die Macher des Bienenhauses nahmen dies mit Humor: Erst kurz bevor die Redner zur Einweihung schritten, entfernte Matthias Weigert vom Umweltzentrum das Plakat von der bunten Infotafel.

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