Zwischen Neckar und Alb

Magnus war Kirchheims größter Sohn

Jahrestag Zum 425. Geburtstag des Herzogs Magnus von Württemberg ist auch an sein Sterben in der Schlacht bei Wimpfen 1622 zu erinnern – festgehalten auf zwei Denkmälern bei Obereisesheim. Von Andreas Volz

Dr. Joachim Hennze dreht die moderne Denkmalstele an historischer Stätte in Obereisesheim: Gleich daneben befindet sich das alte
Dr. Joachim Hennze dreht die moderne Denkmalstele an historischer Stätte in Obereisesheim: Gleich daneben befindet sich das alte Denkmal für Herzog Magnus (rechts). Foto: Andreas Volz

Vor 425 Jahren, am 2. Dezember 1594, kam Kirchheims größter Sohn zur Welt: Herzog Magnus von Württemberg. Beim Vornamen steckt die Größe bereits im Wort „magnus“. Beim Nachnamen klingt „von Württemberg“ bis heute nicht schlecht, erst recht in Verbindung mit einem „Herzog“ als Zusatz. Und doch würde man 425 Jahre später die Größe nicht mehr auf Abstammung und Adel alleine beziehen wollen. Da müsste schon noch mehr geleistet worden sein.

Aber auch die Leistungen des Herzogs Magnus von Württemberg-Neuenbürg, wie er sich seit 1617 nennen konnte, sind aus heutiger Sicht mit großen Zweifeln zu betrachten. In seiner eigenen Zeit jedoch hat er tatsächlich Großes vollbracht: In der Schlacht bei Wimpfen verteidigte der junge Draufgänger am 6. Mai 1622 den Protestantismus - an der Seite des badischen Markgrafen Georg Friedrich - gegen die Truppen der katholischen Liga unter dem Befehl des berühmten Grafen Tilly.

Erfolgreich war das nicht, weder für die Protestanten noch für Magnus: Gegen 18 Uhr verlor Kirchheims großer Spross bei Obereisesheim sein Leben, als er einen Reiterangriff anführte, um die Schlacht vielleicht doch noch gewinnen zu können. Eine halbe Stunde zuvor war das badische Munitionslager explodiert, wahrscheinlich durch einen Glückstreffer. Dadurch waren die protestantischen Truppen in Panik geraten, und die Schlacht drohte verloren zu gehen. Der Reiterangriff konnte letztlich nichts mehr ändern.

Sofort nach der Schlacht wurde Magnus zum populären Kriegshelden (v)erklärt, der selbstlos sein Leben geopfert hatte. Diese Betrachtungsweise hielt sich über Jahrhunderte hinweg: 1900 setzte der Historische Verein Heilbronn dem früh Verstorbenen ein Denkmal, in dem ausdrücklich der „Heldentod“ gewürdigt wird.

Vergleichbar mit Rock-Idolen

Der frühe Tod übrigens könnte Magnus heutzutage zu einer ganz anderen Größe verhelfen: Er starb nämlich im „perfekten“ Alter von 27 Jahren - im selben Alter also wie 350 Jahre nach ihm berühmte Rock-Größen wie Jimi Hendrix, Janis Joplin oder Jim Morrison. Diese wiederum machte außer ihrer Musik vor allem ihr früher Tod zu sagenumwobenen Legenden. Hätte Magnus also auch heute noch das Zeug, um als Größe anerkannt zu werden? Mit Sicherheit, denn Kriegshelden waren zu seiner Zeit vergleichbare Idole.

Für Kirchheim interessant: Magnus war in venezianischen Diensten mit einer anderen, späteren Größe zusammengetroffen - mit Konrad Widerholt. Durch ihn wurde der Hesse Widerholt zum Württemberger. Lange nach Magnus‘ Tod kam Widerholt 1650 als Obervogt in die Geburtsstadt seines einstigen Kriegskameraden.

Dass Magnus im Kirchheimer Schloss zur Welt kam, verdankt sich nur einem „glücklichen“ Zufall: In Stuttgart grassierte gerade die Pest, weswegen die herzogliche Familie in jenem Winter nach Kirchheim auswich - wegen der besseren Luft und wegen der geringeren Ansteckungsgefahr.

Auf Glück und Zufall für den Ausgang von Schlachten verweist der Historiker und Kunsthistoriker Dr. Joachim Hennze, Leiter der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Heilbronn: „Die meisten Armeen im 30-Jährigen Krieg waren schlecht organisiert und schlecht verproviantiert.“ Wallenstein war sicher ein guter Organisator, aber Joachim Hennze bezeichnet ihn vor allem auch als „Glückskind“: In der Schlacht bei Lützen gewann er 1632, weil sein Gegner fiel - König Gustav Adolf von Schweden. Ob Lützen oder Wimpfen, es scheint immer dasselbe zu sein.

Entscheidend ist der glücklichere Sieger aber immerhin für die Benennung der Schlacht. Das Denkmal für Herzog Magnus, das der Historische Verein Heilbronn 2017 durch einen modernen Zusatz ergänzt hat, steht nämlich in Ober­eisesheim, einem heutigen Stadtteil von Neckarsulm: Wäre Magnus mit seinem Angriff erfolgreich gewesen, wäre er vielleicht noch größer geworden - als Sieger der „Schlacht bei Obereisesheim“.

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