Zwischen Neckar und Alb

„Mahnende Stimme sein gegen Fehlentwicklungen“

Michael Waldmann ist neuer Vorsitzender des Kreisdiakonieverbands – Neue Aufgaben und Angebote für Bedürftige

Der evangelische Nürtinger Dekan Michael Waldmann ist zum Vorsitzenden des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen (KDV) gewählt worden. Er ist Nachfolger des Esslinger Dekans Bernd Weißenborn.

Zum Abschied gab es einen Engel für den ausscheidenden Vorsitzenden des Kreisdiakonieverbands Bernd Weißenborn (Mitte) - links s
Zum Abschied gab es einen Engel für den ausscheidenden Vorsitzenden des Kreisdiakonieverbands Bernd Weißenborn (Mitte) - links sein Nachfolger Michael Waldmann und rechts Eberhard Haußmann. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Kreis Esslingen. Dass ihm dieser Schritt nicht leicht fällt, gab der scheidende Dekan Bernd Weißenborn unumwunden zu – zumal er für die Diakonie noch viele Herausforderungen sieht. Nach einer gesundheitlichen Krise, die er zwar vollständig überwunden hat, wünscht er sich dennoch mehr Freiraum, „einige Dinge neu zu sortieren und zu strukturieren“. Mit Weißenborn scheidet auch der Wendlinger Pfarrer Stefan Wannenwetsch aus dem Vorstand des KDV aus. Für ihn rückt als Beisitzer der Esslinger Diakoniepfarrer Martin Maile ins Gremium nach.

„Für sie beide war Diakonie gelebter Glaube. Sie haben das Leitbild ‚Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat‘ mitgeprägt“, sagte Werner Weiß, stellvertretender KDV-Vorsitzender, im Rahmen der Verbandsversammlung im Esslinger Theodor-Rothschild-Haus. Der KDV versteht sich nicht als reines Sozialunternehmen, sondern hat immer auch den Aspekt der Seelsorge im Blick. Gerade dies sei Weißenborn wichtig. Als „verlässlich, einfühlsam, den Menschen zugewandt und ihren Nöten gegenüber aufgeschlossen“ habe er Weißenborn erlebt.

Michael Waldmann tritt sein neues Amt „mit großem Respekt für diese Aufgabe“ an. Zuversicht gibt ihm, dass er ein starkes Team an seiner Seite hat. Mit diakonischen Aufgaben ist er schon im Vikariat und später als Gemeindepfarrer in Wernau in Berührung gekommen, erzählt der 61-Jährige. Seit 2014 ist er auch Vorsitzender des Esslinger Vereins Heimstatt. So hat er im Laufe seines Lebens ein „diakonisches Herz“ entwickelt, verrät Waldmann. „Ich schätze an meiner evangelischen Kirche das Markenzeichen Diakonie“, betont er. Immer wieder gelte es, die Balance zu halten zwischen Wort und Tat. Das mache Diakonie aus. Vertrauen auszustrahlen „nach innen wie nach außen“ sei eine weitere wichtige Grundlage, um die diakonische Arbeit gut zu tun.

Weißenborn sieht den KDV vor großen Herausforderungen. Mit Sorge sieht er nicht nur, dass zunehmend bezahlbarer Wohnraum fehlt, sondern auch, dass die Schere zwischen Arm und Reich im Landkreis Esslingen immer weiter auseinandergeht. „Die Diakonie wird deshalb dringend weiter gebraucht. Sie muss eine mahnende Stimme sein gegen Fehlentwicklungen“, betonte er.

2015 ist der KDV zehn Jahre alt geworden. Wie viel den Verband in dieser Zeit und vor allem im Jubiläumsjahr bewegt hat, beschrieb Geschäftsführer Eberhard Haußmann: die Teilnahme am evangelischen Kirchentag in Stuttgart, zehn Jahre Hartz  IV, 20 Jahre Fildertafel und ein neuer Diakonieladen in Wendlingen, zehn Jahre diakonische Rundgänge und Unterstützungsangebote an vielen Orten. „Wir sind dezentral unterwegs und wollen Gesellschaft mitgestalten.“ Nach wie vor leitet den Verband das Motto „Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“. Das Jubiläum hat den KDV nach innen und außen gestärkt, ist Weißenborn sicher. Etliche neue Angebote sind 2015 auf den Weg gebracht worden, darunter auch die Wohnraumarbeit mit Menschen in desorganisierten Haushalten.

Mit der Flüchtlingsarbeit habe der KDV ebenfalls ein wichtiges neues Arbeitsfeld betreten, so Weißenborn. Weitere Stellen zur Betreuung von Ehrenamtlichen werden derzeit besetzt. Als „Zukunftsvision“ schwebt ihm ein Fachdienst für Flüchtlingsarbeit im KDV vor. Auch wenn Kirche und Diakonie fest an der Seite der Flüchtlinge stehen, dürfe man jedoch die anderen Bedürftigen in der Gesellschaft nicht vergessen. Schon jetzt gibt es viel Unzufriedenheit. Dass der Sozialneid wächst, sieht auch Waldmann. „Wir müssen Wege finden, damit umzugehen, und wir müssen aufpassen, dass uns diese Haltung nicht kaputt macht.“ Weißenborn ist sicher: „Solange wir professionell, solide, transparent am Menschen orientiert und glaubwürdig am biblischen Auftrag ausgerichtet sind, werden wir weiterhin Vertrauen genießen.“

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