Zwischen Neckar und Alb

Man lehrt nur mit dem Herzen gut

Bildung Etwa 700 staatliche Lehrer unterrichten im Landkreis Esslingen im Namen der Evangelischen Kirche Religion. Nun bekommen sie Verstärkung.

Die neuen Religionslehrer im Landkreis Esslingen können nicht nur unterrichten, sie können auch singen. Das zeigten sie bei ihre
Die neuen Religionslehrer im Landkreis Esslingen können nicht nur unterrichten, sie können auch singen. Das zeigten sie bei ihrer Vokation. Foto: pr

Insgesamt 13 Frauen und drei Männer stellten sich bei ihrer Vokation der Gemeinde vor. Sie lieben das „vielfältige und ganzheitliche Fach“ Religion. Sie wollen dort über Dinge reden, die in anderen Fächern zu kurz kommen. Sie finden die intensiven und teils emotionalen Gespräche mit den Kindern sehr wertvoll. Sie schätzen es, dass „Reli“, wie das Fach von Schülern genannt wird, so nah am Menschen ist. Sie freuen sich, dass sie in diesem Fach nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen unterrichten können. Sie wollen den persönlichen Glauben der Schüler in einen weiten Raum stellen. Sie wollen ihnen Wissen über andere Religionen und Toleranz vermitteln. Diese und weitere Gründe nannten die 16 Neuen für ihre Entscheidung. Egal, ob sie nun in der Grundschule, an der Realschule, an der beruflichen Schule oder am Gymnasium unterrichten werden.

Wohin nur mit Fragen? Oft seien die Religionslehrer die einzigen, mit denen Kinder und Jugendliche über religiöse Themen, ethische Fragen und ein gutes Miteinander auf dieser Welt sprechen könnten, sagte Dorothee Moser, evangelische Schuldekanin in den Kirchenbezirken Kirchheim und Nürtingen.

Es sei kostbar, sagte Moser, dass Menschen sich bereit erklärten, das Fach Religion zu unterrichten. Das seien Pfarrer sowie kirchliche Religionspädagogen. Doch die größte Zahl seien staatliche Lehrkräfte, die neben anderen Fächern an der Universität oder Pädagogischen Hochschule auch Theologie studiert hätten. Sie haben nach dem Referendariat auch ihre zweite Staatsprüfung erfolgreich abgelegt.

Dass diese jungen Lehrkräfte auch als Chor zu gebrauchen wären, bewiesen sie bei ihrem gemeinsamen Auftritt in der Klosterkirche. Im ganzen Gottesdienst wurde nicht zur Orgel gesungen, sondern zur Band, mit Pfarrer Matthias Weida am Piano. Der Gesangbuchklassiker „Gott ist gegenwärtig“ auf einem Band-Klangteppich? Warum nicht, wenn er so einfühlsam gewebt ist wie dieser.

Gesungen wird auch in „Reli“. „Das Fach beginnt anders als andere Fächer“, sagte Schuldekanin Moser in ihrer Predigt. Den Bericht, als die Jünger Jesus fragen, wie man beten kann, beschrieb Moser als Traum einer jeden Relilehrerin: „Die Schüler wollen etwas ganz genau wissen.“ Jesus erwies sich als allerbester Didaktiker, übte das „Vaterunser“ und erzählte die anschauliche Geschichte, wie einer mit Hartnäckigkeit seinen Freund aus dem Bett holt, damit dieser ihm gefälligst Brot für seine Überraschungsgäste leiht. Jesus zeige: „Auch Gott gegenüber darf ich unverschämt bitten.“ Auch in „Reli“ müssten Bitten der Kinder und Jugendlichen Gehör finden. Deshalb bat Moser die Neuen: „Den Unterricht nicht einfach durchtakten, sondern Puffer einplanen für drängende Fragen und Bitten.“ pm

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