Zwischen Neckar und Alb

„Manchmal zeigt die Not neue Wege auf“

Fazit Geschäftsführerin Hilde Cost verlässt die IHK und beklagt Mangel an Gewerbeflächen. Sie fordert ein Konzept für Brückensanierung. Von Christian Dörmann

Die Automobilindustrie als wirtschaftliches Zugpferd der Region muss sich ändern, sagt Hilde Cost von der IHK.Foto: Bernd Weissb
Die Automobilindustrie als wirtschaftliches Zugpferd der Region muss sich ändern, sagt Hilde Cost von der IHK.Foto: Bernd Weissbrod

Während des Neujahrsempfangs der Bezirkskammer in Esslingen im Januar wird Hilde Cost, Geschäftsführerin der Industrie und Handelskammer, verabschiedet und gleichzeitig ihr Nachfolger vorgestellt. Alle Zeichen deuten auf Christoph Nold hin, der bis August persönlicher Referent von Hauptgeschäftsführer Andreas Richter war.

Sich auf den Errungenschaften auszuruhen, davor hat Hilde Cost immer gewarnt. Und sie tut es in Zeiten einer unsicheren Weltwirtschaft auch heute. Eine Automobilindustrie als Zugpferd müsse die Veränderungen in Richtung Elektroantrieb und Digitalisierung schnell angehen. Für die Zukunft gut aufgestellt sieht Hilde Cost im Kreis den Maschinenbau.

Günstige Voraussetzungen für wirtschaftliche Stabilität erwachsen häufig an der Basis. Das beginnt in den Städten und Gemeinden und hierzulande mit dem Prob­lem, neue Gewerbeflächen zu finden. Hinzu kommt Widerstand aus der Bevölkerung. Gleichwohl sieht sie die Konkurrenz, etwa wenn sich die Interessen von Wohnen und Arbeit auf den verfügbaren Flächen begegnen. Eine übergreifende Flächenentwicklung mit gemeinsamen Gewerbeflächen ist für sie ein denkbarer Weg.

In Esslingen ist der Mangel an Gewerbeflächen besonders stark ausgeprägt. Zu diesem Risikofaktor gesellt sich ein weiterer: die Sanierung und Erneuerung der Esslinger Großbrücken. Damit die Betriebe trotz der zu erwartenden Einschränkungen arbeits- und handlungsfähig bleiben, fordert Hilde Cost neben einem Verkehrskonzept auch den Mut, konventionelle Pfade zu verlassen. Nicht alle Lieferfahrten müssten während des Berufsverkehrs stattfinden, die Einrichtung von Zwischenlagern entzerre den Warenverkehr und Arbeit von zu Hause entlaste die Straßen.

Wer im Falle der Brückensanierung die Koordination übernehmen muss, liegt für Hilde Cost auf der Hand. Dies sei Aufgabe des städtischen Wirtschaftsförderers. „Entscheidend ist, dass man jemanden findet, der das kann.“ Und wenn die Stadt Zeit benötige, um die Stelle gut besetzen zu können, dann sei das eben so.

Die Position des Geschäftsführers der Bezirkskammer ist traditionell stark. Präsident und Geschäftsführung bilden eine Doppelspitze, die nach außen die politische Linie der IHK vertritt. „Die Firmen brauchen ein Sprachrohr“, sieht Hilde Cost die Kammer in der Pflicht. Apropos Pflicht: Diese gilt in Bezug auf die IHK-Mitgliedschaft für jedes Unternehmen. Das wird nicht von allen Firmen beklatscht, weshalb Hilde Cost einen Teil ihrer Zeit darauf verwendet hat, zu überzeugen. „Ich gehe in die Firmen und rede mit den Betreffenden“, sagt sie – oft stoße man dann auf Verständnis.

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