Zwischen Neckar und Alb

Marode Schule: sanieren oder neu bauen?

Landkreis Die Bodelschwinghschule in ­Nürtingen ist in die Jahre gekommen. Der Bau aus den 70er-Jahren genügt heutigen ­Anforderungen nicht mehr. Von Uwe Gottwald

Der Bau der Bodelschwinghschule stammt aus den 1970er-Jahren.Foto: Jürgen Holzwarth
Der Bau der Bodelschwinghschule stammt aus den 1970er-Jahren.Foto: Jürgen Holzwarth

Brandschutz und Haustechnik der Schule für geistig Behinderte in Nürtingen entsprechen längst nicht mehr heutigen Standards, außerdem ist die Umsetzung einer modernen Sonderpädagogik mit den zur Verfügung stehenden Flächen nicht mehr möglich, berichtete die Schulleiterin Barbara Andreas vor Kurzem. Von Seiten des Landkreises als dem Schulträger wurde bereits die Zahl von rund 8,5 Millionen für Sanierungskosten genannt, beim Entwurf für den diesjährigen Haushalt war im vergangenen Herbst eine Teilsumme von zwei Millionen Euro eingestellt.

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Detaillierte Untersuchung nötig

Dieser Betrag wurde auf Antrag der Freien Wähler jedoch auf eine Planungsrate von 150 000 Euro für eine Machbarkeitsstudie reduziert. Die Begründung: Es müsse ohnehin zunächst sowohl der Sanierungs- als auch der Raumbedarf detailliert untersucht werden, ebenso Alternativen wie ein Anbau oder gar ein Neubau. Weil das Zeit in Anspruch nehme, sei mit einem Baubeginn in diesem Jahr nicht zu rechnen und deshalb ein realistischer Haushaltsansatz einzustellen, was schließlich auch für die Frage zur Höhe der Kreisumlage nicht unerheblich sei.

Vor einigen Wochen meldeten sich jedoch die Kreistagsfraktionen der SPD und der CDU öffentlich zu Wort und mahnten einen zeitnahen Handlungsbedarf an. Vorausgegangen waren Termine vor Ort, bei der beide Fraktionen unabhängig voneinander in der Schule waren. Die Fraktionen wollten daraufhin den nötigen Maßnahmen mit eigenen Anträgen Nachdruck verleihen. Nach dem persönlichen Augenschein sei ihnen das Ausmaß des Sanierungsbedarfs erst klar geworden.

Martin Klein von den Freien Wählern stellt fest: „In der Öffentlichkeit wurde der Eindruck erweckt, unsere Fraktion ist Schuld an Verzögerungen. Dem treten wir entschieden entgegen.“ Man sei im Zeitplan, den der Kreistag beschlossen habe. Keine Fraktion habe sich seinerzeit gegen den Antrag der Freien Wähler ausgesprochen.

Michael Medla und Walter Bauer für die SPD und Ilona Koch für die CDU betonten nochmals eine zügige Vorgehensweise, zeigten aber auch Verständnis dafür, dass die Bestandsaufnahme ihre Zeit brauche. Diese, so die Verwaltung, sei abgeschlossen, es werde nun ein externes Büro mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Allerdings solle diese erst in rund einem halben Jahr fertig sein, vor Dezember könnten demnach keine Ergebnisse vorgelegt werden.

Verwundert über die Schärfe der Anträge

Das müsse dann aber der späteste Termin sein, so Medla. Der SPD-Kreisrat gab auch zu bedenken, ob der Platz zusätzlich für Kindergartenplätze reiche, gehe es doch jetzt schon eng auf dem Gelände zu.

Landrat Heinz Eininger zeigte sich „verwundert über die Schärfe der Anträge“. Das eingeplante Geld sei aus dem Haushaltsplan herausgenommen worden, weil ohnehin in diesem Jahr nichts hätte umgesetzt werden können, sei doch eine gründliche Prüfung bei einer so umfangreichen Maßnahme geboten, nicht zuletzt auch, um entsprechende Fördermittel zu erhalten. Außerdem seien die 8,5 Millionen Euro eine grobe Schätzung. „Was sich nun abzeichnet, kann um einiges höher ausfallen“, so Eininger. Nach der Bestandsaufnahme sind technische Anlagen wie Heizung, Elek­tro­in­stal­la­tio­nen, Lüftung und der Sanitärbereich zu erneuern. Die brandschutztechnischen Mängel seien erheblich. Gestiegen ist der Bedarf an Schulraum sowohl wegen steigender Schülerzahlen als auch wegen gestiegener pädagogischer Anforderungen. Behelfsmäßig wurden bereits Container aufgestellt.

Drei Varianten werden untersucht

Unter Berücksichtigung dieser Defizite soll mit der Machbarkeitsstudie die Wirtschaftlichkeit einer Sanierung im Vergleich zu einem Neubau erhoben werden. Untersucht werden sollen drei Varianten inklusive der Frage des Platzes für sonderpädagogische Kindergärten: Die abschnittsweise Sanierung einschließlich einer Erweiterung, ein Neubau auf dem Gelände oder ein Neubau auf einem anderen Gelände.